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Claude Julien übernimmt die ZSC Lions – Eismeister Zaugg schätzt ein

ARCHIVBILD ZUM NEUEN ZSC-TRAINER --- Montreal Canadiens head coach Claude Julien gives instructions during NHL hockey practice in Brossard, Que., Tuesday, July 14, 2020. (Ryan Remiorz/The Canadian Pre ...
Claude Julien ist der neue Trainer bei den ZSC Lions.Bild: keystone
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NHL-General mit Stanley Cup + ZSC Lions = Meistertitel – geht die Rechnung wieder auf?

Der NHL-Rentner Claude Julien wird neuer Trainer der ZSC Lions. Ein NHL-General. Ein Stanley-Cup-Titan wie Bob Hartley und Marc Crawford. Aber der neue alte Mann an der ZSC-Bande ist weder Bob Hartley noch Marc Crawford.
03.06.2026, 14:5003.06.2026, 14:50

Es gibt noch Romantik in unserem Hockey. Claude Julien kommt nicht des Geldes wegen nach Zürich. Bei seinem letzten Cheftrainerjob in Montreal hat er umgerechnet etwas mehr als vier Millionen Franken verdient. Pro Saison. Die Legende geht – und sie dürfte wahr sein – ZSC-Sportchef Sven Leuenberger habe zur Eröffnung der Verhandlungen klar gemacht, wo der pekuniäre Hammer hängt: Bei weitem nicht einmal eine Million. Sind Sie noch interessiert?

Ja, Claude Julien war interessiert. Ein Job im «Disneyland des Hockeys», in einem der besten Hockeyunternehmen Europas, mit einem konkurrenzfähigen Team, in einer lebenswerten Stadt und nach jedem Spiel im eigenen Bett (also keine Roadtrips mehr) – einen besseren Job kann es für einen NHL-General im Rentenalter gar nicht geben, der seine Vermögensbildung sowieso schon längst abgeschlossen hat. Er dürfte in seiner Karriere als Spieler und Trainer rund 30 Millionen Franken verdient haben.

Warum haben sich die Zürcher für Claude Julien entschieden? Die Verlockungen der Geschichte sind einfach zu gross. Bob Hartley kam als Stanley-Cup-Sieger und wurde Meister. Marc Crawford kam als Stanley-Cup-Sieger und wurde zweimal Meister. Nun also Claude Julien, ebenfalls ein Mann mit einem Stanley Cup im Palmarès. Die einfache, logische mathematische Gleichung: NHL-General mit Stanley Cup + ZSC Lions = Meistertitel.

Bildnummer: 08034809 Datum: 18.06.2011 Copyright: imago/Icon SMI
18 JUN 2011: Head coach Claude Julien thanks his players. The Boston Bruins celebrated their 2011 NHL Eishockey Herren USA Championship ...
Claude Julien gewann 2011 mit Boston den Stanley Cup.Bild: imago sportfotodienst

Aber Hockey ist keine Mathematik. Mehr Theater und ein Teil der Unterhaltungs-Industrie. Die Frage ist schon berechtigt: Geht die Rechnung zum dritten Mal auf?

Dass ein NHL-General kommt, ist logisch. Es macht keinen Sinn, den freundlichen Marco Bayer mit dem Charisma eines korrekten Buchhalters mit dem gleichen Trainertyp zu ersetzen. Dann wäre es besser gewesen, Marco Bayers noch eine Saison laufenden Vertrag zu erfüllen.

Head Coach Marc Crawford (ZSC) jubelt mit den Spielern nach ihrem Sieg im siebten Playoff Final Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem Lausanne HC, am Dienstag, 30. April 20 ...
Marc Crawford: Einer von zwei Stanley-Cup-Haudegen, die die ZSC Lions schon zum Titel geführt habe.Bild: keystone

Claude Julien ist – anders als Bob Hartley und Marc Crawford – nicht nur ein NHL-General mit Stanley Cup. Er ist auch ein NHL-Saurier, der die Zukunft hinter sich hat. Bob Hartley war 50, als er nach Zürich kam, und setzte seine Karriere danach in der NHL fort. Marc Crawford war bei seinem ersten Engagement bei den ZSC Lions 51, kehrte in die NHL zurück und war dann beim Antritt seiner zweiten Amtszeit erst 61. Gesundheitliche Gründe haben ihn zum Rücktritt bewogen.

Claude Julien ist im April 66 geworden. Er ist der älteste Cheftrainer im Land, älter ist nur noch Köbi Kölliker, der neue Trainer beim Amateurclub Lyss (My Hockey League). Er wird im Juli 73. Selbst der «ewige» Chris McSorley ist erst 64.

Bob Hartley brach über die Zürcher herein wie ein Sturm. Mit dem Furor eines Bandengenerals, der keine Kompromisse kannte. Nach einer schwierigen Anfangsphase fand er den richtigen Ton und die Zürcher rockten mit der Intensität eines Waldbrandes.

Marc Crawford konnte auch toben, als sei der Leibhaftige vom Zürichberg herabgefahren. Aber alles in allem war er eher ein Hockey-Lehrer mit NHL-Grandezza und Charisma. Die Spieler hatten vor ihm einen Heidenrespekt, bekamen aber genug Sauerstoff und Raum, um ihr Talent zu entfalten. Das Spiel der Zürcher hatte Struktur, aber auch Freiheit. Marco Bayer verwaltete dieses Erbe grandios und führte das Team nach Marc Crawfords Rücktritt zum Meistertitel und zum Triumph in der Champions League.

Claude Julien ist weder Bob Hartley noch Marc Crawford. Seine Philosophie ist noch einmal eine Spur konservativer: Eine Meisterschaft gewinnt man mit Defensive, mit Disziplin, mit Ordnung, mit Geduld und mit Härte.

Seine Boston Bruins, die er 2011 zum Stanley Cup führte, wollten nicht schöner spielen als der Gegner. Sie wollten, dass der Gegner nach 60 Minuten keinen Spass mehr am Hockey hat. Sie kamen nicht aufs Eis, um Kunststücke zu zeigen. Sie kamen, um jeden Zentimeter Eis zu einem unangenehmen Arbeitsplatz zu machen. Während Vancouver im Final mit Talent und Tempo begeisterte, antwortete Boston mit Männern wie Zdeno Chara (205 cm/113 kg) und Milan Lucic (191 cm/105 kg) und permanenten Einladungen zum Nahkampf. Und hinten hielt Tim Thomas fast alles. Oder noch kürzer: Die Bruins gewannen den Stanley Cup mit einer Mischung aus Abrissunternehmen und Torhüter-Wahnsinn.

FILE - Boston Bruins' Zdeno Chara, of Slovakia, hoists the cup following the Bruins' 4-0 win over the Vancouver Canucks in Game 7 of the NHL hockey Stanley Cup Finals on June 15, 2011, in Va ...
NHL-Riese Zdeno Chara prägte Juliens Ära in Boston.Bild: keystone

Aber die National League ist nicht die NHL. Ein stockkonservativer kanadischer Schablonen-Trainer kommt in die schnellste Lauf- und Tempoliga Europas. In Zürich wird Hockey anders gespielt. Schneller, offener, emotionaler. Hier wird an einem guten Abend Hockey ohne feste Rollenzuteilung zelebriert («Positionsless Hockey»). Die besten Teams der National League gewinnen heute nicht mehr allein mit Defensivdisziplin. Sie gewinnen – wie soeben Gottéron – mit Tempo, Kreativität und offensivem Mut.

ZSC-Haudegen Christian Marti mag ob Claude Juliens Philosophie voller Vorfreude sein. Aber sind das auch Denis Malgin oder Sven Andrighetto? Die ZSC Lions sind ein spielerisches Luxusensemble mit vielen Künstlern und Individualisten. Ein Team, das den Puck besitzen und Spiele diktieren will. Bei Claude Julien weiss immerhin jeder, wo er zu stehen oder wohin er zu laufen hat und was erwartet wird. Die Zürcher haben einen Trainer verpflichtet, der Stabilität verspricht.

Sven Andrighetto (ZSC), left, celebrates his goal with his teammate Denis Malgin (ZSC), right, after scoring the 0:3 during the first leg of the National League Swiss Championship final playoff game b ...
Wie gut funktionieren die ZSC-Schillerfalter Andrighetto und Malgin unter dem neuen Trainer?Bild: keystone

Der neue ZSC-Trainer war in seinen letzten NHL-Jahren nicht mehr ganz auf der Höhe der Entwicklung. Das Spiel ist auch in der NHL schneller, kreativer geworden. Nachdem ihn die Montréal Canadiens im Februar 2021 gefeuert hatten, erreichten sie den Playoff-Final (den sie gegen Tampa verloren). Seither war Claude Julien nie mehr Cheftrainer bei einem Klubteam. Ein bisschen Assistent, ein wenig Berater (2022/23 für zwei Wochen in Ambri) und als Nationalcoach glücklos bei der WM 2022 (Finalniederlage) und beim Olympischen Turnier in Peking (im Viertelfinal gescheitert).

ZSC-Sportchef Sven Leuenberger weiss sehr wohl um diese Problematik und nennt eine ganz besondere Qualität seines neuen Trainers: «Seine Mannschaften konnten immer sehr schnell von der Defensive auf die Offensive umschalten. Darauf kommt es auch bei uns an.» Wo er recht hat, da hat er recht. Zuletzt hatten die ZSC Lions mit einer eher vorsichtigen Spielweise Mühe, sich schnell aus der eigenen Zone zu lösen und die neutrale Zone zu überbrücken. Sie trafen dann meist auf eine gut organisierte Defensive.

Head coach Rene Matte (HCAP), during the regular season National League game between HC Ambri Piotta and SCL Tigers at the ice stadium Gottardo Arena, Switzerland, October 17, 2025. (KEYSTONE/Ti-Press ...
René Matte wechselt von Ambri zum ZSC.Bild: keystone

Die eigentliche Pointe dieser Geschichte liegt ohnehin woanders. Bob Hartley kam nach Zürich und wurde Meister. Marc Crawford kam zweimal nach Zürich und wurde zweimal Meister. Beide kamen mit Stanley-Cup-Ruhm und NHL-Autorität.

Doch sie wurden nicht Meister, weil sie Stanley-Cup-Sieger waren. Sie wurden Meister, weil sie verstanden, dass die Schweiz nicht Nordamerika ist. Nun beginnt das gleiche Prüfungsverfahren für Claude Julien. Es wird ihm helfen, wenn er auf seinen Assistenten René Matte hört, seit 2006 bei Servette, Gottéron und Ambri ein ewiger Assistent.

Kann Claude Julien im Rentenalter seine Hockey-Philosophie anpassen, ohne seine konservative Überzeugung und seine Autorität zu verraten? Das ist die alles entscheidenden Frage.

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Ich weiss, wieso ich euch so hasste, Sporttage meiner Schulzeit! Ein Rant
Arme, bemitleidenswerte Kinder werden jetzt wieder landauf landab geplagt und gezwungen, ihr sportliches Versagen zur Schau zu stellen.
Heute fiel plötzlich das Wort «Sporttag». Der Sohn von Patrick Toggweiler hat seinen diese Woche hinter sich gebracht, der Sohn von Anna Rothenfluh ebenfalls. Und ich habe zum Glück nie mehr einen vor mir. Nein auch nichts spasseshalber als teamfördernde Massnahme oder sowas! Nie! Mehr! Wie habe ich Sporttage gehasst. Dieses kollektive Begaffen meiner Unfähigkeit.
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