Jeff Skinner – warum der bestverdienende NL-Spieler aller Zeiten Biel nicht viel kostet
Am Mittwochabend ist er in Biel eingetroffen und nach einem Training am Donnerstag stürmte er am Freitagabend gegen Langnau zum ersten Mal für seinen neuen Arbeitgeber. Da er das Sommertraining nicht mitgemacht hat, ist die Frage nach seiner Fitness keine boshafte. Sportchef Martin Steinegger ist zufrieden: «Er gefällt mir sehr. Er wird höchstens noch ein oder zwei Kilo verlieren.»
Biels Sportchef hat sich nicht getäuscht. Nach der Partie ist Jeff Skinner frisch wie eine Rose. Ein freundlicher Musterprofi, der viel jünger aussieht als seine 34 Jahre und Übergewicht ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Er sieht fast aus wie ein Zwillingsbruder von … Joel Wicki (Schwingerkönig von 2022).
Bereits in seinem ersten Spiel beschert er den Fans in Biel ligaweit die aufregendste Startphase der gesamten Saisonvorbereitung. Es kommt bei der Partie am Freitagabend zum «Clash of the Titans». Auch die Langnauer setzen zum ersten Mal eine spektakuläre Neuerwerbung ein: den hochkarätigen schwedischen Schillerfalter Jonathan Dahlen (28). Er hat zwar im Emmental von allem Anfang an mitrainiert und schon lange grünes Licht für Einsätze. Aber die Langnauer haben ihn erst am Freitag in Biel zum ersten Mal eingesetzt. Sie wollten einfach unter keinen Umständen ein Risiko eingehen: Der Schwede hatte sich nach der Saison einer Schulteroperation unterzogen.
Und nun zeigt sich blitzschnell, warum er letzte Saison in der höchsten schwedischen Liga in 50 Qualifikationspartien 30 Tore erzielt hat: Mit der allerersten Puckberührung trifft er bereits nach 70 Sekunden gegen Harri Säteri zum 1:0. Auf der Gegenseite machtlos auf dem Eis: Jeff Skinner. Ebenfalls bei seinem ersten Einsatz. Er wird also sozusagen überrumpelt.
Bevor er sich für Hockey entschied, war der Kanadier Eiskunstläufer und lässt bereits bei seinem Debüt in Biel trotz dieses Fehlstarts erahnen, dass er der perfekte, elegante Schillerfalter für unsere Lauf- und Tempoliga sein kann: Ein schneller, beweglicher, schlauer, kaltblütiger Skorer, der in etwas mehr als 1000 NHL-Partien fast 400 Tore erzielt hat, die meisten bei fünf gegen fünf. Ein typischer Flügel, kein Spielmacher und neben einem guten Center, der ihn mit Scheiben füttert – wie bei seinem Debüt zwei Drittel lang Biels halb so altes Jahrzehnt-Talent Jonah Neuenschwander (17) – dürfte er immer noch für mehr als 20 Tore gut sein. Er erfreut die Fans in seinem ersten Spiel mit zwei, drei Spektakeleinlagen und bekommt Szenenapplaus. Einmal kann er sich blitzschnell lösen, allein auf Luca Boltshauser stürmen und versucht es mit einer eleganten Körpertäuschung. Aber Langnaus letzter Mann lässt sich nicht verladen und pariert.
Jeff Skinners Schnauf reicht bereits für eine ganze Partie. Kurz vor Schluss lässt er es zum ersten Mal rumpeln. Langnaus Verteidiger Nik Lehmann (18), ein robuster Junior, ist das «Opfer» eines harten Checks. Der 180 Zentimeter grosse NHL-Saurier ist mit seinen 91 Kilo eben auch ein standfester Kraftwürfel. Wir dürfen davon ausgehen, dass er hin und wieder in einer Prügelei sein Talent verteidigen wird.
Was kann er also Biel bringen? Die Prognose sei nach dem Debüt gewagt: Spätestens in fünf Wochen wird er die Liga rocken.
Bleibt noch die Frage, wie Biel diesen NHL-Saurier finanzieren kann. Er ist nämlich mit grossem Abstand der bestverdienende Spieler aller Zeiten in unserer höchsten Liga. Aber die Bieler zahlen wegen einer hochinteressanten Vertragssituation nur ein «Trinkgeld» im tiefen sechsstelligen Bereich.
Jeff Skinner ist nämlich auf das Geld nicht angewiesen, das er in Biel verdient. Im Sommer 2024 kaufte Buffalo die letzten drei Jahre seines 72-Millionen-Vertrages aus. Von den damals noch ausstehenden 22 Millionen Dollar erhält der Kanadier aufgrund der NHL-Reglemente zwei Drittel der Summe (14,67 Millionen Dollar), verteilt auf sechs Jahre, also rund 2,444 Millionen Dollar pro Saison. Dieses Geld bekommt er bis und mit der Saison 2029/30 auch, wenn er anderswo wieder spielt. Auf diese komfortable Situation angesprochen, sagt er gut gelaunt: «So sind die Reglemente, die smarte Leute ausgearbeitet haben …»
Letzte Saison stürmte er für drei Millionen Dollar für San José in der NHL und nun also der Vertrag über ein Jahr mit Biel. Hier ist er, der bestverdienende Spieler in der Geschichte der höchsten Liga: Die 2,444 Millionen Dollar von Buffalo plus als Bonus obendrauf das Salär von Biel. So viel hat während einer Saison noch keiner in der National League mit dem Eishockey verdient – und wird wohl nie mehr einer mehr verdienen. Sportchef Martin Steinegger freut sich über eine Rolex von der internationalen Transfer-Brockenstube: «Er ist nicht unser teuerster Ausländer und passt gut in unser Budget.»
Womöglich verdankt Biel diesen Transfer auch dem SC Bern. Auf die Frage, warum er nach Biel gekommen sei, sagt Jeff Skinner: Von seinem Freund Cody Goloubef (vorletzte Saison noch Lotter-Verteidiger beim SCB) habe er nur Gutes über unsere National League und auch über Biel gehört.
P. S. Die SCL Tigers haben die unterhaltsame Partie in Biel 4:0 (2:0, 0:0, 2:0) gewonnen.
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