Wie ein SCB-Goalie auf einmal den Transfermarkt rockt
Seit Anbeginn der Zeiten gilt: Ein guter Torhüter ist nicht alles. Aber ohne guten Torhüter ist alles nichts. Der gute SCB-Saisonstart hat viel mit der Goalie-Frage zu tun. Und verändert den Markt.
Connor Hughes, aus Lausanne im Tausch für Verteidiger Romain Loeffel geholt, ist drauf und dran, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Und nun ist Christof von Burg nach einem Wartejahr beim SCB im «hohen Alter» von 25 Jahren endlich, endlich zu seinem NL-Debüt gekommen. Er schien in der Karriere-Sackgasse festzustecken. Ohne Aussicht, je irgendwo in der höchsten Liga eine Rolle spielen zu können. Andere – wie Leonardo Genoni oder Lukas Flüeler – waren in seinem Alter schon die Nummer 1 bei einem Meisterteam.
Mit dem erfolgreichen Einstand in der höchsten Liga am 18. September – 96 Prozent Fangquote beim 4:1 in Kloten – ist Christof von Burg sozusagen «über Nacht» zu einem Faktor auf dem Transfermarkt geworden. Sein Potenzial stand nie zur Debatte. Aber niemand wusste, ob er in der höchsten Liga tatsächlich «funktionieren» würde. Der Vertrag mit dem SCB läuft Ende Saison aus und sein umtriebiger Agent Sven Helvenstein reibt sich die Hände. Um beim SCB bei einer Verlängerung den Lohn zu erhöhen – das Ziel müsste eine Verdoppelung sein – braucht er das Interesse eines Konkurrenten. Und das hat er nun und er kann es mit rühmen bei MySports noch ein wenig anheizen. Auch das ist im Eishockey weltweit einmalig: Ein Spielerhändler als TV-Experte.
In Biel beschäftigt sich der Sportchef schon seit einiger Zeit mit der Goalie-Frage. Immerhin wird Harri Säteri im Dezember 37. Das ist zwar für einen Torhüter kein biblisches Alter. Aber auch das donnerstägliche «zu null» in Kloten (6:0) ändert nichts daran, dass der finnische Weltmeister und Olympiasieger nicht mehr ganz ohne Fehl und Tadel ist. Biels aktuelle Nummer 2 Viktor Östlund (32) hat zwar einen Vertrag bis 2028 aber auch seine Zukunft hinter sich.
Kürzlich ist Biels Sportchef nach seinen Plänen befragt worden. Seine Überlegungen: Warum nicht noch einmal mit Harri Säteri verlängern? Andererseits könnte es helfen, wenn sechs ausländische Feldspieler eingesetzt werden könnten und keine Ausländerlizenz für den Torhüter blockiert werden muss. Aber dann braucht Biel einen Schweizer, der die Nummer 1 sein kann. Das Geld, um bei der Konkurrenz eine Nummer 1 abzuwerben oder gar aus dem Vertrag herauszulösen, hat Biel nicht.
Im kleinen Kreis hat er angedeutet, er habe eine Vorstellung, wer sein Goalie der Zukunft sein könnte. Natürlich ist auch der Name von Ambris Philip Wüthrich (28) gefallen. Sein Vertrag läuft aus. Aber Sportchef Lars Weibel lockt mit einer Verlängerung bis zu vier Jahren in der Leventina. Was die Nummer-1-Position des ehemaligen SCB-Torhüters in Ambri zementieren würde. Und Luganos Joren van Pottelberghe ist in Biel kein Thema mehr.
Martin Steinegger hat mit einer Überlegung verblüfft: Warum nicht Christof von Burg zur Nummer 1 machen? Womöglich noch mit einem Aufbaujahr neben Harri Säteri? Das gelungene Debüt in Kloten hat dem erfahrenen Sportchef recht gegeben. Berns Nummer 2 hat alles, was ein erfolgreicher moderner Goalie braucht: Die Postur, den Stil, die Beweglichkeit. Aber weil er in Bern bisher keine Chance bekommen hatte, ist er sozusagen unter dem Radar durchgeflogen.
Nun steht Berns Nummer 2 vor der wichtigsten Entscheidung seiner Karriere. Entweder bleibt er eine ewige Nummer 2 – wie Luca Hollenstein in Davos – oder er findet den Klub, der ihm eine glaubhafte Perspektive als Nummer 1 bietet. Eine Verlängerung in Bern würde ihm zwar eine erhebliche Lohnerhöhung und eine beschauliche Rolle als Nummer 2 bescheren. Aber an Connor Hughes (mit Vertrag bis 2031) kommt er nicht vorbei. Will er den Schwefelgeruch einer ewigen Nummer 2 loswerden, dann muss er auf die nächste Saison hin wechseln.
Zu einem Klub, wo er eine Chance hat, die Nummer 1 zu werden. Je nachdem, was diese Saison noch passiert, muss Biel nicht die einzige Option bleiben. Und nicht zu vergessen: Ein Faktor auf dem Transfermarkt bleibt er letztlich nur, wenn er zumindest bis zur Unterzeichnung eines neuen Vertrages so gut hält wie beim Debüt in Kloten.
Für alle, die den Kick suchen
Auch in dieser Saison können die Schweizer Eishockeyfans ausgewählte Spiele im Free-TV mitverfolgen.
Das ganze Programm von 3+ Adrenalin findest du hier.
