Der «Fall Patrick Fischer» geht in die nächste Runde
Der internationale Eishockeyverband (IIHF) hat Patrick Fischer für vier Jahre (bis 2030) für alle IIHF-Turniere (WM, Olympia) gesperrt. Dieses Urteil zieht der ehemalige Nationaltrainer nun an den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne weiter. Das CAS ist als internationales Schiedsgericht für Streitigkeiten im Sport die höchste Instanz in der Sportjustiz.
Im Grundsatz geht es nicht um einen Freispruch. Sein Vergehen (gefälschtes Impfzertifikat für die Olympischen Spiele 2022) ist unbestritten und von unserer Justiz (Urkundenfälschung) bereits bestraft worden.
Der Rekurs zielt auf die Dauer der Sperre. Es gibt durch einen Quervergleich zu ähnlich gelagerten Fällen gute Argumente, dass die Dauer dieser Sperre völlig unverhältnismässig ist.
- Am 21. Oktober 2021 sperrt die NHL-Stürmer Evander Kane für 21 Spiele (während einer Sperre gibt es in der NHL keine Lohnzahlung), weil er bei den San José Sharks ein gefälschtes Impfzeugnis vorgelegt hatte. Er wird für den Rest der Saison ins Farmteam relegiert und hat seine Karriere bei den Edmonton Oilers fortgesetzt. Er verstiess gegen NHL-Regeln, eine strafrechtliche Verurteilung gab es nicht.
- Der deutsche Fussballtrainer Markus Anfang wird am 24. Februar 2022 vom Amtsgericht Bremen wegen Verwendung eines gefälschten Impfausweises zu 90 Tagessätzen à 400 Euro (= 36'000 Euro) rechtskräftig verurteilt. Das Sportgericht des Deutschen Fussballbundes sperrt ihn für ein Jahr, verbunden mit einer Busse von 20'000 Euro. Er hat seither wieder für mehrere Klubs gearbeitet.
- Der deutsche Fussballtrainer Florian Junge wird wegen eines gefälschten Impfzertifikates vom Sportgericht des Deutschen Fussballbundes im Januar 2022 zu einer Sperre von zehn Monaten und einer Busse von 3000 Euro verknurrt. Auch er ist strafrechtlich verurteilt worden, das Urteil ist jedoch nicht öffentlich bekannt. Er hat seither wieder für mehrere Klubs gearbeitet.
- Die Football-Profis Mike Edwards, Antonio Brown und John Franklin sind im Dezember 2021 von der Liga (NFL) wegen der missbräuchlichen Verwendung eines Impfnachweises für je drei Spiele gesperrt worden. In den Medien war die Rede von gefälschten Zertifikaten, die Liga erkannte lediglich missbräuchliche Verwendung («misrepresenting vaccination status»). Die ganze Angelegenheit hatte keine strafrechtlichen Folgen.
Wir sehen: Patrick Fischers Sperre ist im Vergleich zu ähnlich gelagerten Fällen unverhältnismässig lang. Vor allem die Bestrafung der beiden Fussballtrainer ergibt einen guten Vergleich. Weil auch sie, wie Patrick Fischer, strafrechtlich verurteilt worden sind. Was bei der entsprechenden Sportgerichtsbarkeit lediglich eine maximale Sperre von einem Jahr (und nicht von vier Jahren) nach sich gezogen hat.
Das CAS ist die höchste Instanz der Sportjustiz. Ein Urteil kann noch direkt an unser Bundesgericht weitergezogen werden. Allerdings würde dieser Schritt wenig bringen: Das Bundesgericht prüft den Inhalt nicht mehr. Sondern nur noch, ob alle Formalitäten eingehalten worden sind.
Das CAS-Urteil ist insbesondere im Hinblick auf das bei Swiss Sport Integrity (SSI) noch laufende Verfahren gegen Patrick Fischer wegweisend. Im Falle einer Bestätigung der vierjährigen IIHF-Sperre wäre die Versuchung für SSI gross, das IIHF-Urteil auch auf den nationalen Sport anzuwenden. Was einem Berufsverbot auch im nationalen Hockey gleichkäme, juristisch nicht durchsetzbar wäre und SSI in die juristische Bredouille bringen könnte. Aktuell darf Patrick Fischer in allen Ligen der Welt (auch in unserer National League) arbeiten. Er darf nur keine Teams betreuen, die an IIHF-Wettbewerben teilnehmen.
Für alle, die den Kick suchen
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