Sport
Eismeister Zaugg

SCB-Fans erhalten für das Spiel in Fribourg keinen Extrazug

Die SCB-Spieler feiern mit ihren Fans nach dem Rueckspiel der ersten Play-In-Serie der National League zwischen dem SC Bern und dem EHC Biel, am Samstag, 14. Maerz 2026 in der PostFinance Arena in Ber ...
Die Fan-Gruppierung vom SC Bern wird nicht nach Fribourg reisen.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Bernische Sturheit – wie die Fans der SCB-Führung auf der Nase herumtanzen

Die SCB-Fans weigern sich, am Dienstag mit dem Bus zum Auswärtsspiel nach Fribourg zu reisen. Eine Episode mit Gefahrenpotenzial, die zeigt, wie ohnmächtig die Klubs gegenüber unsinnigen Forderungen der Fans offenbar nach wie vor sind.
28.09.2026, 17:0128.09.2026, 17:01

Eine Mitteilung auf der offiziellen SCB-Homepage macht neugierig:

«Das Oberamt des Saanebezirks des Kantons Freiburg hat am Freitag, 25. September 2026, entschieden, dass die Fans des SC Bern für das Spiel Fribourg-Gottéron - SC Bern von morgen Dienstag, 29. September 2026, nur mit Kombi-Ticket (Anfahrt mit Extrazug / Extracar) in den Gästesektor der BCF Arena gelangen.

Jegliche individuellen Anreisemöglichkeiten (Öffentlicher Verkehr, Personenwagen, etc.) werden somit verboten.

Der vom SC Bern organisierte Extrazug wurde vorletzte Woche von der BLS abgesagt. Als Alternative hat der SC Bern eine Anreise mit dem Regionalzug inklusive Begleitung durch Sicherheitsleute vorgeschlagen. Durch den Entscheid des Kantons Freiburg wurde diese Alternative nun verunmöglicht.

Der Entscheid und dessen Kurzfristigkeit erstaunen. Der SC Bern und die Fanszenen Bern können dieses Vorgehen der Freiburger Behörden nicht nachvollziehen und würden sich einen konstruktiven Dialog in Bezug auf die Fananreise wünschen.

Wichtig: Dieser Entscheid kommt nicht vom Club Fribourg-Gottéron, sondern von den zuständigen Behörden des Kantons Freiburg.»

Böse, ganz böse sture Behörden, die ohne jedes Verständnis für den Sport anständige, harmlose, ja liebe Fans schikanieren. Und typisch, dass die arrogant gewordenen Meister nun den grossen SCB in den Senkel stellen. Skandal! Oder vielleicht doch nicht?

Diese Episode trifft den Kern eines Problems, das im Grunde alle Klubs im Eishockey wie im Fussball betrifft: Die Fans tanzen den Klubverantwortlichen auf der Nase herum.

Auch im Fussball sorgt die Extrazug-Debtatte für Probleme:

Die Weisung der Behörden des Saanebezirks kann nicht als Schikane oder Willkür betrachtet und sehr gut nachvollzogen werden. Letzte Saison war es in Düdingen (die letzte Ortschaft vor Fribourg) zu einer Auseinandersetzung zwischen SCB- und Gottéron-Fans gekommen. Um die Wiederholung eines solchen Vorfalles nun zu verhindern, haben die Behörden die organisierte Anreise direkt zum Stadion angeordnet. Eigentlich kein Problem: Die Fans reisen mit dem Extrazug oder einem Extrabus an.

So einfach wäre es eigentlich. Aber die Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS) stellt eben keinen Extrazug zur Verfügung. Um es salopp zu sagen: Die Bahnbetreiber sind immer weniger bereit, Rollmaterial für Reisegruppen bereitzustellen, die – um es freundlich zu sagen – hin und wieder wenig Sorge zur Einrichtung tragen und hin und wieder auch die Notbremse ziehen. Dass damit auch anständige Reisende und unschuldige Fangruppierungen betroffen sind, liegt auf der Hand.

Der Gästesektor in Fribourg
Der kleine Gästesektor in Fribourg könnte am Dienstag leer bleiben.Bild: instagram

Aber eigentlich ist das ja kein Problem: Dann halt die Anreise mit dem Extrabus. Für die gut 200 organisierten SCB-Fans lassen sich genug Busse auftreiben und die Fahrt nach Fribourg dauert ja höchstens eine halbe Stunde. Organisierte Fanreisen mit dem Bus sind ohnehin gang und gäbe. Auch bei den SCB-Fans.

Und nun kommen wir zum Kern der Sache, der in der Mitteilung auf der SCB-Homepage verschwiegen wird. Auf Anfrage bestätigt der SCB nämlich, dass man den Fans tatsächlich eine Anreise mit dem Extra-Bus vorgeschlagen habe, die Fans aber nicht partout bereit seien, mit dem Extrabus zum Spiel zu fahren. Nicht aus Sicherheitsgründen oder sonstigen Bedenken. Sondern aus reiner Sturheit. Nach dem Grundsatz: Wir sind immer mit dem Zug und nie mit dem Bus zu den Auswärtsspielen nach Fribourg gereist. Das hat Tradition und diese Tradition ist uns heilig. Also wollen wir wieder mit dem Zug fahren. Und nicht mit dem Extrabus. Punkt. Sture Berner Grinde. Trötzeln wie Rumpelstilzchen. Oder wie es in einem Büchlein aus dem Jahre 1975 mit Auszügen aus Schulaufsätzen von Drittklässlern heisst: «Ein Bernerschädel ist nicht fon Blastigg»

Bernerschädel
Das Buch «Ein Bernerschädel ist nicht fon Blastigg». Bild: klaus zaugg

Also haben sich die SCB-Verantwortlichen dieser bei Lichte besehen eigentlich unsinnigen Forderung brav unterzogen und bei den Behörden einen Kompromiss vorgeschlagen: Eine organisierte Anreise der SCB-Fans in einem fahrplanmässigen Zug, begleitet von SCB-Sicherheitspersonal. Das wäre dann ungefähr so wie eine Schulreise mit einem Kollektiv-Billett. Unter Umständen mit einer womöglich etwas rabiateren und weniger harmlosen Gruppe als einer Schulklasse. Dieses Ansinnen haben die Behörden abgelehnt: Entweder mit dem Extrazug, dem Extrabus oder gar nicht. Auch das ist irgendwie verständlich: Was, wenn gewaltbereite Gottéron-Fans davon Wind bekommen hätten und in Bern auch in den fahrplanmässigen Zug gestiegen wären. Wer als gewöhnlicher Reisender in diesen Zug geraten wäre, hätte wahrscheinlich hinterher viel zu erzählen gehabt.

Kein Extrazug, keine Reise mit dem Extrabus: Nun wird erwartet, dass der Gästesektor bei der Partie gegen den SCB am Dienstagabend leer oder fast leer bleiben wird. Tickets für den Gästesektor können nur im Rahmen der organisiert anreisenden Gruppierung beim betreffenden Klub – in diesem Falle beim SCB – gekauft werden. Und da nun keine organisierte Anreise stattfindet, gibt es auch keine Tickets für den Sektor der Auswärtsfans.

ARCHIV - Zuege der BLS und der SBB stehen still im Bahnhof Bern Wandorf am Freitag, 2. Oktober 2020. Im Raum Bern ist der Zugverkehr seit Freitagmorgen stark gestoert. Zuege aus dem Osten der Schweiz  ...
Mit dem Zug können die SCB-Fans nicht nach Fribourg reisen.Bild: keystone

Diese Episode ist ein Beispiel dafür, wie die Fans nach wie vor den Klubs auf der Nase herumtanzen. Die Weigerung, von der Bahn auf Bus umzusteigen, ist ein wunderbares Machtspielchen, bei dem den SCB-Oberen wieder einmal gezeigt wird, wo der Hammer hängt. Nun ist schon mal eines dieser Machtspielchen gegen Marc Lüthis Nachfolger Jürg Fuhrer gewonnen worden. Nach wie vor sind die Klubs offenbar nicht willens oder fähig, sich in Sicherheitsfragen gegen eine kleine Rumpelstilzchen-Gruppierung durchzusetzen.

Die Liga-Führung äussert sich zu dieser Angelegenheit nicht und weist darauf hin, dass in allen Sicherheitsfragen die örtlichen Behörden das letzte Wort haben. Wohl wahr: Es ist theoretisch sogar möglich, dass die Behörden ein Spiel absagen können.

Die ganze Geschichte hat ein Gefahrenpotenzial. Es ist nicht auszuschliessen, dass es beim Spiel rund ums Stadion zu Auseinandersetzungen kommen wird.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
1 / 14
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
HC Davos: 31 Titel, 6 seit 1986; zuletzt Meister: 2015.
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Despacito mit Eishockey-Spielern
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Nations League: Die Nati gewinnt in Skopje – das sagt Matchwinner Amdouni
Das Schweizer Nationalteam überzeugt beim ersten Auftritt nach der WM. In Nordmazedonien gewinnt die Mannschaft von Trainer Murat Yakin zum Auftakt der Nations League 3:0.
Der erste Zusammenzug nach dem Einzug in den WM-Viertelfinal war mit Spannung erwartet worden. Schliesslich waren nicht nur einige Spieler zurückgetreten, es fehlten mit Captain Granit Xhaka und Stürmer Breel Embolo auch zwei Teamstützen, die kombiniert auf 244 Länderspiele kommen. Dass sie nicht einfach zu ersetzen sein würden, war dem Trainer klar.
Zur Story