ManCity-Verdikt überschattet die Premier League – das sind die Szenarien
Was ist passiert?
Am Freitagabend wurde bekannt, dass Manchester City in 114 von 115 Anklagepunkten wegen Verstössen gegen die Finanzvorschriften der Premier League für schuldig befunden wurde.
Nach einer vierjährigen Ermittlung wurde im Februar 2023 offiziell Anklage erhoben und der Fall vor eine unabhängige Kommission gezogen. Das Urteil wurde allerdings mehrfach hinausgezögert. Auch jetzt ist das Urteil bislang nicht offiziell bestätigt – weder von der Liga, noch vom Klub. Die Klubs sollen intern aber bereits informiert worden sein. Die Befunde wurden am Freitagabend von The Athletic einfach vorzeitig veröffentlicht.
Der Bericht vom New-York-Times-Ableger hat in der englischen Fussballwelt einen Sturm ausgelöst.
Wie lauten die Vorwürfe?
Konkret geht es um über 115 Vorwürfe, wonach Manchester City zwischen 2009 und 2018 gegen die Finanzregeln der Premier League verstossen haben soll.
- 54 Mal soll Manchester City es versäumt haben, die Liga mit korrekten und genauen Finanzinformationen zu versorgen.
- 14 Mal soll City es versäumt haben, die Liga mit genauen Informationen über Zahlungen an Spieler und Trainerstaff zu versorgen.
- 5 Mal soll ManCity gegen Regeln der UEFA (inklusive des UEFA Financial Fairplay) verstossen haben.
- 7-facher Verstoss gegen die Regeln der Premier League zu Rentabilität und Nachhaltigkeit zwischen 2015 und 2018.
- 35 Mal soll der Klub seinen Verpflichtungen während der Ermittlungen von Dezember 2018 bis Februar 2023 nicht nachgekommen sein.
Das deutsche Magazin «spiegel» veröffentlichte vor einigen Jahren die Methoden, mit denen der Klub und seine Besitzer aus Abu Dhabi (VAE) betrogen haben sollen. Diesen zufolge habe der Verein seine Sponsoring-Einnahmen von der staatlichen Fluggesellschaft Etihad und dem staatlich kontrollierten Telekommunikationsunternehmen Etisalat künstlich aufgebläht, indem er Direktinvestitionen seiner Holdinggesellschaft (Sheikh Mansours Abu Dhabi United Group, kurz ADUG) als Sponsoring-Einkünfte tarnte und die Gelder über die Konten dieser Unternehmen schleuste.
Zudem soll es geheime Zahlungen an den damaligen Trainer Roberto Mancini gegeben haben, die über einen Verein aus Abu Dhabi abgewickelt worden seien und nirgends in der offiziellen Buchhaltung des Klubs auftauchten. Auch gewisse Spieler sollen in der Realität mehr Geld erhalten haben, als dies gemäss den offiziellen Lohnausweisen der Fall gewesen sei.
🚨Manchester this morning after Man City were found guilty of 114 charges 😂 pic.twitter.com/0TrgquIItu
— Ayuba | Football News (@ayubafootball) September 26, 2026
Darüber hinaus gab es auch Berichte, wonach der Klub Journalisten, die über den Fall geschrieben haben, bedroht haben soll.
Manchester City hat sämtliche Vorwürfe stets bestritten und schon früh angekündigt, dass er ein offizielles Urteil anfechten würde.
Was sind die Reaktionen?
Da das Urteil noch nicht offiziell kommuniziert ist, hat die Liga selbst noch keine Stellung genommen. Anders sieht das bei Manchester City aus. Der Klubvorsitzende Chaldun al-Mubarak ging mit einem offenen Brief auf die Sorgen der City-Anhänger ein. «Der Prozess der Premier League dauert noch lange an und wir sind so selbstbewusst wie seit Beginn, dass am Ende unsere Unschuld feststehen wird», schreibt der 51‑Jährige. Er würde gerne Fakten teilen, um die Gemüter der City-Fans zu beruhigen, doch das erlaube die strikte Geheimhaltung, der der Prozess unterliege, nicht.
A letter from the Chairman.
— Manchester City (@ManCity) September 26, 2026
🔗 https://t.co/JcwCQpzBOk pic.twitter.com/PBNVCdjue8
Eine andere Art von Reaktion zeigen andere Klubs in der Premier League: Viele von ihnen suchen sich gemäss eines BBC-Berichts jetzt ebenfalls juristischen Rat. Denn wenn Manchester City tatsächlich bestraft wird, stellen sich jede Menge weitere Fragen. Müssen die Skyblues gewonnene Titel zurückgeben? Wie sieht es mit finanziellen Entschädigungen aus – beispielsweise für Klubs, die europäische Wettbewerbe nicht erreicht haben, weil sich ManCity vor ihnen platziert hat? Es sei aber auch möglich, dass dies dann zentral durch die Liga geregelt werde.
Welche Strafen könnten City drohen?
Punktabzug
Ein Punktabzug ist die wahrscheinlichste Strafe für die Vergehen von Manchester City. Auch andere Premier-League-Klubs haben für Verstösse gegen die Finanzregeln der Liga schon Punkte abgezogen bekommen – zuletzt Everton zehn Punkte im April 2024. Allerdings waren diese Verstösse von deutlich geringerem Ausmass, als jetzt bei den Citizens die Rede ist. Wie gross ein Punktabzug im Fall von ManCity ausfallen würde, lässt sich schlicht nicht beantworten, weil es keine vergleichbaren Fälle gibt.
In der Saison 2008/09 wurden Luton Town in der EFL 30 Punkte abgezogen, weil sie illegale Zahlungen an Agenten durchgeführt haben. Allerdings handelte es sich auch dort nur um einen Bruchteil der Anzahl Vergehen, von denen bei City die Rede ist.
Zwangsabstieg
Je nachdem, wie gross ein allfälliger Punktabzug gegen ManCity tatsächlich ausfällt, kann er de facto auch gleichbedeutend sein mit einem Zwangsabstieg. In englischen Medien war aber auch davon die Rede, dass nicht nur die Premier League, sondern auch die English Football League (EFL, beaufsichtigt Championship, League One und League Two) bei einem allfälligen Ausschluss mitziehen könnte. In diesem Fall könnte der Scheich-Klub gar bis in den Amateurfussball zwangsrelegiert werden.
Geldstrafe
Auch eine Geldstrafe ist natürlich immer möglich. In diesem Fall scheint es aber nicht sehr wahrscheinlich zu sein, dass es eine Geldstrafe gibt, weil diese die reichen Klubbesitzer aus Abu Dhabi wohl nur marginal treffen würde.
Just been told by someone in a very very high position if we lose our appeal which we won’t we’ll be getting a FINE and TRANSFER BAN and that’s it so all you desperate neurotic SPUNKBUBBLES hush it up to ras MCFC LG x
— Liam Gallagher (@liamgallagher) September 27, 2026
Aberkennung früherer Titel
Gemäss einem Bericht der BBC hat die Premier League eigentlich nicht vor, Manchester City frühere Titel im Zeitraum von 2009 bis 2018 wegzunehmen. Aber es bleibe eine Option, die man sich offen behalte. Konkret geht es um folgende Titel:
- 2010/11: FA Cup (dieser Klub könnte erben: Stoke City).
- 2011/12: Premier League (Manchester United).
- 2012/13: Community Shield (Chelsea).
- 2013/14: Premier League (Liverpool) und EFL Cup (Sunderland).
- 2015/16: EFL Cup (Liverpool).
- 2017/18: Premier League (Manchester United) und EFL Cup (Arsenal).
Noch ist allerdings nicht klar, was passieren würde, wenn die Liga City tatsächlich Titel aberkennen sollte. Gehen die Titel einfach an die nächstbeste Mannschaft im entsprechenden Jahr? Oder werden die Titel nicht neu vergeben? Aktuell gibt es darauf noch keine Antwort.
Wie geht es weiter?
Jetzt, wo Manchester City offenbar tatsächlich schuldig gesprochen wird, geht es in einem nächsten Schritt darum, in einer Anhörung die Bestrafung festzulegen. Wie britische Medien berichten, kann das aber erneut Monate dauern, bis es eine definitive Entscheidung gibt.
Und selbst wenn eine solche Entscheidung irgendwann feststeht, könnte Manchester City immer noch Rekurs dagegen einlegen. Der Klub hat bereits angekündigt, dass dies bei einer allfälligen Strafe in jedem Fall passieren wird. 2014, als ManCity wegen Verstössen gegen das UEFA-Financial-Fairplay unter Beschuss stand, sagte Klubvorsitzender Chaldun al-Mubarak: «Ich gebe lieber 30 Millionen Pfund für die besten Anwälte der Welt aus, als einer Strafe zuzustimmen.»
Sobald eine Strafe feststeht, hat der Klub 14 Tage Zeit, um Rekurs einzulegen. Der Rekurs würde dann von einer neuen, unabhängigen und dreiköpfigen Kommission behandelt. Ein allfälliges Urteil könnte ManCity aufgrund der Premier-League-Regeln aber nicht an den Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne (CAS) weiterziehen.
