Bordeleau, Kurashev, Rohrer – die ZSC Lions und Biel im Vorteil
Die Ausgangslage ist unterschiedlich. Thomas Bordeleau und Philipp Kurashev sind Free Agents. Das bedeutet: Sie haben keinerlei vertragliche Verpflichtungen in der NHL. Jedes Team kann sie ohne Gegengeschäft unter Vertrag nehmen.
Beide versuchen in den nächsten Wochen noch einmal einen Vertrag bei einer NHL-Organisation zu bekommen. Philipp Kurashev hat für San José in seiner 6. NHL-Saison in 43 Partien 20 Punkte beigesteuert. Das sind Werte, die ihm gute Chancen auf einen neuen Vertrag in der NHL geben. Sollte es nicht reichen, wird er in die National League zurückkehren. Dann stehen die ZSC Lions in der Pole-Position: ZSC-Sportchef Sven Leuenberger war einst in Bern bei den Junioren Kurashevs Trainer und er ist mit der Familie befreundet. Ein Sportchef einer NL-Organisation mit vollen Geldspeichern seufzte kürzlich: «Es hat gar keinen Sinn, dass ich mich bemühe. Sven wird das Rennen machen …»
Thomas Bordeleau ist der Sohn des ehemaligen SCB- und Biel-Ausländers Sébastien Bordeleau und besitzt deshalb eine Schweizer Lizenz. Seit fünf Jahren versucht er in der NHL einen Stammplatz zu erkämpfen und ist bisher gescheitert: Jedes Jahr musste er ins Farmteam und kam insgesamt erst auf 44 NHL-Spiele (18 Punkte). Auch er ist «free agent» und kann von jeder NHL-Organisation ohne Gegengeschäft verpflichtet werden. Und auch er nimmt noch einmal einen Anlauf Richtung NHL. Reicht es nicht für die NHL, dann wird die NL zum Thema. Und Biel gilt als Favorit. Biels Sportchef Martin Steinegger und Biels Trainer Christian Dubé gehörten zusammen mit Sébastien Bordeleau zum SCB-Meisterteam von 2004, sind seitdem befreundet und tauschen sich regelmässig aus.
Interessant ist auch die Frage, wer eigentlich besser für die NL geeignet ist. Die Meinungen der befragten Sportchefs, deren Namen dem Chronisten entfallen sind, sind eindeutig: Lieber Thomas Bordeleau als Philipp Kurashev. In erster Linie darum, weil Bordeleau als Center einen Block führen kann, während Kurashev als klassischer Schillerfalter auf den Aussenbahnen gilt. Das haben offenbar auch die NHL-Scouts so gesehen: Kurashev war im NHL-Draft die Nummer 140, Bordeleau die Nummer 38.
Bleibt noch Vincenz Rohrer, der im Verlaufe dieser Saison von den Montréal Canadiens zu den ZSC Lions zurückgekehrt ist. Seine Situation ist komplizierter. Er steht noch bis 2028 bei den Montréal Canadiens unter Vertrag (er hat einen Entry-Level-Vertrag über drei Jahre unterschrieben) und war diese Saison nach einem Intermezzo im Farmteam an die Zürcher ausgeliehen worden. Wie es mit ihm weitergeht, entscheidet das Management in Montréal.
Es gibt drei Optionen: 1. Option: Er wird zurückgeholt und spielt nächste Saison in der NHL oder im Farmteam oder wird innerhalb der NHL transferiert. 2. Option: Er wird von Montréal eine weitere Saison zwecks Ausbildung und Weiterentwicklung an ein Team in der NL ausgeliehen. 3. Option: Montréal löst seinen Vertrag auf und er kann wechseln, wohin er will. Verhandlungen sind erst möglich, wenn Montréal entschieden hat. Variante drei – der Vertrag wird aufgelöst – ist durchaus möglich.
Dann haben zwei Klubs die grössten Chancen: Die ZSC Lions und Zug. Wobei ZSC-Sportchef Sven Leuenberger näher dran ist.
Alle drei wären perfekte Transfers für den SC Bern. Aber dem sportlichen Büropersonal fehlen die Beziehungen, um auf diesem Niveau im Transfergeschäft mitzumischen. Eine Herausforderung, das Gegenteil zu beweisen. In Bern, wo dringend Verteidiger gesucht werden, ist inzwischen das grosse Werweisen losgegangen, ob man die Herausforderung Rodwin Dionicio wagen soll oder doch lieber nicht. Die bange Frage: Ist er für uns eine Verstärkung (was er vom Talent her wäre) oder ist er ein Trojanisches Pferd, das uns Biel überlässt (weil er fast nicht zu zähmen ist)? Die Gewährsleute melden: «Alles noch offen.» Da der SCB auch ein Unternehmen der Unterhaltungsindustrie ist, wäre es schade, wenn die Herausforderung Dionicio nicht gewagt werden sollte.
Das ganze Programm von TV24, 3+ und oneplus findest du hier.
