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Europa League: Seferovic warnt St. Gallen vor dem Spiel gegen Benfica

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Haris Seferovic im April 2019 während seiner starken Saison, als er mit 23 Ligatreffern Torschützenkönig wurde.Bild: EPA/LUSA

Seferovic warnt St.Gallen: «Sie müssen ihre Chancen nutzen»

Kaum ein Schweizer kennt den St.Galler Europacup-Gegner Benfica Lissabon so gut wie Haris Seferovic. Der 34-Jährige spielte zwischen 2017 und 2023 für den portugiesischen Rekordmeister, wurde Meister und Torschützenkönig. Vor dem Duell gegen den FC St.Gallen erklärt er, was Benfica besonders macht – und warum die Ostschweizer nicht chancenlos sind.
23.07.2026, 13:1823.07.2026, 13:18
Ralf Streule
Ralf Streule

Stürmer Haris Seferovic hat in seiner Karriere viel erlebt und viel gesehen. Da sind die 93 Spiele und 25 Tore für die Schweizer Nationalmannschaft, samt Höhepunkten und legendären Treffern gegen Frankreich an der EM 2021 und gegen Ecuador an der WM 2014. Da sind aber auch viele Stationen bei Klubs wie Eintracht Frankfurt, Real Sociedad, Galatasaray Istanbul – und Benfica Lissabon. Beim portugiesischen Kultklub, der am Donnerstag in St.Gallen antritt, verbrachte Seferovic die Jahre zwischen 2017 und 2023, wurde 2018/19 Torschützenkönig, gewann einen Meistertitel.

Was machte ihn damals so stark? Wie erlebte er den Hype um den Klub in Lissabon? Und hat St.Gallen gegen dieses Team eine Chance? Das wollen wir vom Stürmer wissen.

Unterdessen lebt der 34-Jährige mit seiner Familie in Dubai. Seit drei Jahren spielt er in den Ligen der Vereinigten Arabischen Emirate, stieg kürzlich mit dem Dubai United FC in die oberste Liga auf. Als wir den Mann aus Sursee erreichen, weilt er mit dem Team aber in Riga, wo es sich bei kühleren Bedingungen auf die Saison vorbereitet.

Zuallererst muss Seferovic zugeben, dass er die Europacup-Auslosungen nicht mitverfolgt hat. «Benfica gegen St.Gallen? Geht es um ein Testspiel?»

Nein, es geht um die Qualifikation zur Europa League. Am Donnerstag gastiert Benfica in St.Gallen.
Haris Seferovic: Da wird St.Gallen natürlich deutlich in der Aussenseiterrolle sein. Ich weiss, dass Benfica angefressen ist, weil es in diesem Jahr nicht zur Champions League gereicht hat. Das Ziel wird der Titel in der Europa League sein. Da werden die Portugiesen umso motivierter sein, sich gegen St.Gallen keinen Ausrutscher zu leisten.

«St.Gallen muss hoffen, mit Kontern zum Erfolg zu kommen.»

Muss St.Gallen seine Hoffnungen also schon vor dem Spiel begraben?
Das nicht. Mit etwas Glück ist vieles möglich. Ich habe mitbekommen, dass St.Gallen eine starke Saison gespielt hat. Aber Benfica hat nach wie vor eine ausgezeichnete Mannschaft. Es wird den Ballbesitz suchen, wird dominant sein. St.Gallen muss hoffen, mit Kontern zum Erfolg zu kommen. Dies werden sie derzeit auch trainieren, nehme ich an. Und dann müssen sie ihre Chancen nutzen, denn viele werden sie nicht erhalten.

Wie eng ist Ihre Verbindung zu Benfica heute noch?
Ich verfolge die Resultate. Und wenn ich Zeit habe, schaue ich mir die Spiele an. Gerade jene gegen Porto oder Sporting Lissabon möchte ich schon sehen. Es sind zwar keine Spieler aus meiner Zeit mehr im Klub, einige Betreuer aber sind noch da, so habe ich schon noch einen Bezug zum Verein, frage auch gelegentlich nach, wie es läuft.

In fliessendem Portugiesisch?
Ich kann mich gut verständigen. Aber in eher gebrochenem Portugiesisch, würde ich sagen.

Benfica verpasste unter José Mourinho zuletzt den Meistertitel, wurde nur Dritter hinter Porto und Sporting. Und dies, obschon das Team nie verloren hat während der ganzen Saison. Aber da waren zu viele Unentschieden. Woran fehlte es am Ende?
Schwer zu sagen. Es war eng, da war auch Pech dabei. Aber wie gesagt: Man nervt sich bei Benfica darüber, die Champions League verpasst zu haben.

epa12804741 Benfica head coach José Mourinho (L) reacts during the Portuguese First League soccer match against FC Porto at Luz stadium in Lisbon, Portugal, 08 March 2026. EPA/MIGUEL A. LOPES
Im September 2025 wurde José Mourinho als Nachfolger von Bruno Lage Cheftrainer bei Benfica Lissabon.Bild: keystone

Benfica ist ein Klub mit 440'000 Mitgliedern. Was macht Benfica so besonders?
Ganz grundsätzlich ist es in Portugal halt so, dass die Leute den Fussball lieben, mit Haut und Haar. Und wenn ich sage «die Leute», meine ich wirklich alle. Von klein bis gross, Frauen und Männer, alle. Ich bekam manchmal das Gefühl, dass ihnen der Klub wichtiger ist als ihr eigenes Leben. Das ist aber nicht nur bei Benfica so. Ähnlich ist es  bei Sporting. Wobei Benfica schon noch die etwas stärkere Basis hat.

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Benfica Fans jubeln während dem portugiesischen Cup-Final 2025.Bild: keystone

Wo zeigt sich das Fussballfieber im städtischen Alltag?
In der Stadt erkennt dich jeder, überall wird über die Spiele gesprochen. Sogar wenn ich in der Schweiz bin, sind es meist Portugiesen, die auf mich zukommen und Fotos machen wollen.

«Du musst jedes Spiel gewinnen, und alle denken, das ist eine sichere Sache. Jeder Punktverlust ist eine Katastrophe.»

Wenn sie eine Besonderheit des Klubs herausheben müssten, was wäre das?
Der Campus ist wohl einer der besten weltweit. Die gesamte Sportanlage des Klubs samt vielen perfekten Plätzen und dem ganzen Rundherum mit medizinischer Betreuung, der Verpflegung und so weiter: Das ist ein Wahnsinnslevel, das ist Luxus pur. Es kümmern sich sehr viele Leute um die Fussballer. Dieses professionelle Gefühl überträgt sich auch auf die Leistungen, da bin ich sicher. Und auf die Ausbildung junger Spieler. Das ist ja ebenfalls eine Stärke Benficas: Sie verkaufen Jahr für Jahr Spieler für viel Geld, 20 bis 30 Millionen pro Jahr, manchmal mehr.

Das Stadion soll auch sehr eindrücklich und laut sein.
Es ist ein riesiges Erlebnis im Estàdio da Luz, es sind bei fast allen Spielen gegen 60'000 Menschen da, vor allem bei Derbys geht die Post ab. Wobei es bezüglich Lautstärke auch noch andere Beispiele gibt. Frankfurt war laut, und die türkischen Spiele sind ohnehin die lautesten, die ich je erlebt habe.

Und da ist der Adler, der vor jedem Heimspiel seine Runden dreht.
Das gehört zur Show, ja. In Portugal ist die Jagd mit Raubvögeln ja eine grosse Geschichte. Als Spieler nimmst du vor den Partien aber kaum Notiz von der ganzen Sache mit dem Adler-Ritual.

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Vor jedem Heimspiel dreht Adler Vitoria eine Runde im Stadion.Bild: keystone

Wenn der Fussball den Leuten so wichtig ist, ist auch der Druck auf die Spieler riesig. Wie haben sie das erlebt?
Das war schon nicht immer einfach nach Niederlagen, aber du gewöhnst dich daran. Die Erwartung der Leute ist immer klar: Du musst jedes Spiel gewinnen, und alle denken, das ist eine sichere Sache. Jeder Punktverlust ist eine Katastrophe.

Sie hingegen wurden meist bejubelt. Was führte damals zum persönlichen Höhenflug?
Ich war im besten Fussballeralter, es lief sehr gut, ich fühlte mich rundum wohl. Entscheidend war, dass wir keinen Egoisten im Team hatten, das Gefüge war grossartig. Das Selbstvertrauen wuchs und wuchs. Da waren wunderbare Spieler an meiner Seite wie Joao Felix oder Darwin Nunez. Und ich hatte Trainer, die mich weiterbrachten.

Welches war Ihr bestes Spiel?
Ob es das beste war, weiss ich nicht: Aber immer in Erinnerung bleiben wird mir der 1:0-Sieg gegen Porto in der Meistersaison. Ich erzielte den entscheidenden Treffer, im Tor beim Gegner stand damals Iker Casillas. Das hat sich eingebrannt.

Was erfasst man an diesem Klub erst, wenn man dort ist?
Wie gross der Klub ist, in den Köpfen und den Herzen, riesig. Und auffallend war schon, wie man sich rund um die Uhr um uns kümmerte. Bei Benfica wird sehr viel Wert darauf gelegt, dass es den Spielern gut geht, es geht zudem sehr menschlich zu und her. In anderen Klubs war dies auch so, aber nicht in demselben Ausmass.

«Warum nicht zurück in die Schweiz, falls es aus der Super League ein gutes Angebot gibt? Da mache ich die Türen nicht zu.»

Was haben Sie während der Zeit in Lissabon gelernt?
Neben dem Fussballplatz? Da bin ich viel lockerer geworden. Wenn ein Handwerker sich ankündigte, wurde es immer viel später. Solchen Dingen gegenüber wird man sehr gelassen, das habe ich mitgenommen aus Portugal. Gelernt habe ich aber auch auf dem Spielfeld, aus technisch-taktischer Sicht, gerade unter den Trainern Bruno Lage und Jorge Jesus (hat in diesen Tagen von Roberto Martinez den Trainerposten Portugals übernommen, die Red.).

Zum Beispiel?
Automatismen. Unter Jesus zum Beispiel wusste in unserem Team jeder, was der Sechser unter Druck machen wird: Den blinden hohen Pass nach aussen, jeder hat immer gewusst, in welcher Situation er wo stehen muss, das war eindrücklich. Solche Dinge übten wir im Training endlos – und im Spiel sahen wir: Es funktioniert. Und unter Lage hatten wir offensiv viel Freiheit, er gewann lieber 4:3 als 1:0 – er liess die Stürmer machen, was sie fühlen. Das war für mich cool. Darum habe ich dort auch den besten Fussball gespielt, den ich je gespielt habe.

Was können Sie zum aktuellen Team von Trainer Marco Silva sagen? Da sind immerhin sechs WM-Fahrer im Kader dabei, etwa der Norweger Andreas Schjelderup. Wobei fraglich ist, ob diese WM-Spieler bereits wieder dabei sind.
Das Team ist stark. Und eines weiss ich aus eigener Erfahrung: Unterschätzen tut Benfica in der Regel kein Team. Silva wird in St.Gallen kaum eine «zweite Garde» auflaufen lassen.

epa13105846 Harry Kane of England (L) in action against Andreas Schjelderup of Norway (R) during the FIFA World Cup 2026 quarterfinals match Norway against England, in Miami, Florida, USA, 11 July 202 ...
Andreas Schjelderup im WM-Viertelfinal gegen Harry Kane.Bild: keystone

Der Gästesektor bleibt kommende Woche in Lissabon gesperrt, weil die Uefa gegen die St.Galler Fans eine Sanktion verhängte wegen Pyro-Zündens. Falls doch St.Galler in die Stadt reisen: Was müssen sie in Lissabon sehen?
Sie sollten die Altstadt besuchen, eine Tour auf die Hügel über der Stadt machen, portugiesisches Essen geniessen. Und den Ort Cascais ausserhalb Lissabons besuchen, dieser ist auch wunderschön.

Wie lange dauert eigentlich Ihre Karriere noch? Ist die Super League zum Karriereabschluss Thema?
Ich möchte gerne noch zwei, drei Jahre lang Fussball spielen, und das Leben in Dubai gefällt mir sehr. Aber warum nicht zurück in die Schweiz, falls es aus der Super League ein gutes Angebot gibt? Da mache ich die Türen nicht zu. (car/aargauerzeitung.ch)

Der Neuenburger Haris Seferovic freut sich ueber seinen Treffer zum 1-0, im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League Grasshopper Club Zuerich gegen Neuchatel Xamax, am Sonntag, 25. September 2011 ...
Haris Seferovic hat als Teenager 17 Super-League-Einsätze absolviert, mit GC und (wie hier) mit Xamax.Bild: KEYSTONE
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