Sunderlands Europacup-Rückkehr – mit doppelter Schweizer Hilfe
Granit Xhaka wird Sunderland gegen die Niederländer von Alkmaar als Captain auf das Feld führen. Dass der Schweizer Rekordnationalspieler in seinem neuen Klub rasch zum Leitwolf avanciert ist, hat niemanden überrascht. Dass er aber jetzt die Ligaphase der Europa League bestreitet, hätte vor einem Jahr wohl keiner gedacht. Der Abstiegskandidat Nummer 1 der Vorsaison setzte unter Xhaka zum Höhenflug an und qualifizierte sich als Siebter der letzten Premier League für den Europacup.
Längst erstaunt es in England nicht mehr, wenn Sunderland wie an diesem Wochenende auch mit dem Meister Arsenal mithält. Das 0:2 war ein schlechter Lohn für eine einmal mehr überzeugende Leistung der «Black Cats» vor eigenem Anhang. Mit einem Penalty hätten sie in der zweiten Hälfte in Führung gehen können. So aber gab es die erst fünfte Niederlage im eigenen Stadion seit der Rückkehr in die Premier League nach acht Jahren Absenz.
Xhaka, der Spielmacher und Leader
Xhaka ist der Dreh- und Angelpunkt dieser Mannschaft. Er organisiert und motiviert, macht die jungen Spieler um ihn herum besser. «Er findet immer Lösungen», staunt Trainer Régis Le Bris. Bereits im letzten Oktober, also wenige Wochen nach seinem Wechsel von Leverkusen zurück in die Premier League, wurde der bald 34-Jährige zum Captain befördert. Er spielte so gut, dass im Sommer Chelsea ihn gern nach London gelotst hätte.
Er habe sich vom Interesse des FIFA-Weltmeisters geehrt gefüllt. Aber das Projekt mit Sunderland sei noch nicht zu Ende, erklärte Xhaka in einem Podcast. «Ich will den Europacup mit diesem Klub geniessen und einen weiteren Schritt nach vorne machen», erklärte der Basler seine Motivation in der Stadt im Nordosten Englands, die für den Fussball lebt und deren Fans im Stadium of Light Heimspiel für Heimspiel eine spezielle Atmosphäre produzieren.
Zwei Abstiege in Folge
Das Stadium of Light wurde 1997 eröffnet und war seither die meiste Zeit mindestens sehr gut gefüllt – egal, ob Sunderland erst-, zweit- oder gar drittklassig spielte. Immer waren es über 30'000 Fans, die das Team anfeuerten. Oft waren die Anhänger in den letzten Jahren getrieben von der Hoffnung auf bessere Zeiten und der Nostalgie früherer Erfolge, unter anderem von fünf Meistertiteln zwischen 1891 und 1936 oder der ersten und lange Zeit einzigen Europacup-Teilnahme 1973 als englischer Cupsieger.
Der zweiten Europacup-Qualifikation gingen mühevolle, gut dokumentierte letzte zehn Jahre voraus. Die Netflix-Serie «Sunderland 'Til I Die» verfolgte das Klubgeschehen nach dem Abstieg in die zweitklassige Championship 2017 eine ganze Saison lang und hielt den nächsten Abstieg, diesmal in die Drittklassigkeit, filmisch fest. Die sympathische Leidensfähigkeit der Fans trägt nun zur Popularität des Klubs bei – weit über die Grenzen der Stadt hinaus, die bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts ein Zentrum für Schiffbau und Kohleabbau war.
Zürcher Milliardär bringt den Erfolg
Das Stadium of Light ist auf dem Gelände des als letztes eingestellten Bergwerks der Stadt errichtet. Die jüngste Erfolgsgeschichte von Sunderland gründet auf einem milliardenschweren Mischkonzern mit einem Schweizer Eigentümer. Kyril Louis-Dreyfus, einer der Erben des Unternehmens, wurde 2021 als 23-Jähriger Vorsitzender des Klubs und ein Jahr später nach dem Aufstieg von der 3. in die 2. Liga Mehrheitsaktionär. 2025 folgte via Playoff der Aufstieg in die Premier League.
Der in Zürich geborene französisch-schweizerische Doppelbürger, dessen Eltern über 20 Jahre lang Besitzer von Olympique Marseille waren, investierte schlau und zögerte auch nicht, selber aktiv zu werden. Im Sommer 2025 rief der Besitzer seinen zukünftigen Spielmacher Granit Xhaka an und überzeugte ihn vom Wechsel von Leverkusen zu Sunderland. Keiner der beiden musste bereuen, dass die Charme-Offensive über Telefonkonferenz erfolgreich war. Xhaka wurde Sunderlands Spieler der Jahres, der Klub erreichte die beste Klassierung in der höchsten Liga seit 1950. (car/sda)
