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Stephan Lichtsteiner beim FCB entlassen – die Gründe für sein Aus

Trainer Stephan Lichtsteiner (FCB) beim Fussballspiel der Super League zwischen dem FC Zuerich (FCZ) und dem FC Basel (FCB), am Samstag, 22. August 2026 im Stadion Letzigrund in Zuerich. (KEYSTONE/Gia ...
Stephan Lichtsteiner verkündete sein bevorstehendes Aus vor dem Team – und kostete sich so wohl endgültig den Job als FCB-Trainer.Bild: keystone

Stephan Lichtsteiner sorgte mit dieser Aussage vor dem Team wohl selbst für sein FCB-Aus

Nach sieben gespielten Runden trennt sich der FC Basel von seinem Chefcoach. Die sportliche Entwicklung sei unbefriedigend gewesen, erklärt der Klub. Doch Lichtsteiner soll am Mittwoch seine Entlassung selbst mitverschuldet haben.
09.09.2026, 19:0109.09.2026, 19:01
Céline Feller
Céline Feller

226 Tage hat das Projekt nur gedauert. Dabei war es langfristig angedacht – vor allem für Fussballverhältnisse. Bis 2029. So lange wäre der Vertrag von Stephan Lichtsteiner beim FC Basel gelaufen. Jetzt ist er als Cheftrainer beim FC Basel jedoch schon wieder Geschichte.

Am Mittwochabend teilte der FCB mit, dass sich der Klub per sofort vom 42-Jährigen trennt. Es ist eine Meldung, die wenig überraschend kommt. Vor allem nach den letzten Tagen und Wochen. Klar, da war der Sieg in Zürich und das furiose 3:3 in Bern – jüngst aber eben auch die zwei Heimniederlagen gegen Sion und Lugano. Die beiden Pleiten waren zu viel des Schlechten, wie dem Communiqué der Basler zu entnehmen ist. Der Punkteschnitt des Coachs war auf 1,22 pro Partie gesunken, Lichtsteiner wurde beim Gang in die Katakomben am Sonntag lautstark ausgepfiffen.

Lichtsteiner soll am Mittwoch seine Entlassung mitverantwortet haben. Denn, so ist von gut unterrichteten Quellen zu hören, habe der Coach der Mannschaft nach dem Morgentraining erklärt, dass er nur noch bis zur Nationalmannschaftspause (ab 21. September) in Basel sein werde. Als diese Info zur Vereinsleitung durchsickerte, zog diese die Reissleine.

Klubboss David Degen, der seit Juli eisern zur Personalie Lichtsteiner geschwiegen hatte, sagt am Tag der Entlassung seines Trainers im Communiqué: «Unser Vertrauen in Stephan Lichtsteiner war mit der Erwartung verbunden, dass mittelfristig eine klare sportliche Weiterentwicklung und eine sichtbare Aufwärtstendenz erkennbar werden. Diese Aufwärtstendenz sahen wir in den vergangenen Wochen leider nicht und es fehlte der Glaube, dass sich dies innert nützlicher Frist ändert.» Gar vom «Risiko eines sportlichen Rückschritts und einer negativen Tabellendynamik» ist die Rede in der Mitteilung der Basler.

UEFA Europa League - FC Basel vs VfB Stuttgart am 02.10.2025 im St. Jakob-Park imm Basel Praesident David Degen Basel *** UEFA Europa League FC Basel vs VfB Stuttgart on 02 10 2025 at St Jakob Park im ...
FCB-Präsident David Degen hat das Vertrauen in Trainer Stephan Lichtsteiner verloren.Bild: www.imago-images.de

So ist nach nur sieben Runden in der diesjährigen Meisterschaft Schluss – und nach insgesamt nur 27 Partien, in denen Lichtsteiner als Cheftrainer beim FCB an der Seitenlinie stand. Mit ihm muss auch Mario Cantaluppi gehen. Als Wunschkandidat von Lichtsteiner als Assistent in diesem Sommer verpflichtet, endet konsequenterweise auch seine sehr kurze Zeit im Trainerstaff in Basel. Anstelle von Lichtsteiner übernimmt bis zur Ernennung eines neuen Cheftrainers der zweite Assistent, Luigi Nocentini, ad interim. Der Italiener wurde von Ex-Trainer Fabio Celestini geholt und war Teil des Staffs der Double-Saison.

Schlechte Kommunikation und kaum Entwicklung

Dass die Basler nun die Reissleine ziehen, war absehbar. Bereits vor knapp drei Wochen berichtete die CH-Media-Zeitung «BZ Basel», dass Lichtsteiner kurz vor seiner Entlassung steht. Damals sprach der Klub von einer medialen Kampagne – nun aber bestätigt sich alles. Das Heimspiel gegen Thun sowie die Auswärtspartie in Zürich waren beides Endspiele für den früheren Nati-Captain. Mit den beiden Siegen konnte er sich zwar ein bisschen Luft verschaffen, mehr aber auch nicht. Denn es waren nicht nur die Statistiken – gerade mal zehn Siege gelangen dem FCB unter Lichtsteiner –, die gegen ihn sprachen.

Es war vielmehr auch das Auftreten der Mannschaft, das oft zu wünschen übrig liess. Vor allem in der Offensive wirkte das Basler Spiel zu oft zu konzeptlos, zu statisch und zu ungefährlich. Für welchen Fussball Lichtsteiner steht, konnte auch nach acht Monaten niemand wirklich skizzieren.

Trainer Stephan Lichtsteiner (FCB) wechselt Xherdan Shaqiri ein beim Fussballspiel der Super League zwischen dem FC Zuerich (FCZ) und dem FC Basel (FCB), am Samstag, 22. August 2026 im Stadion Letzigr ...
Unter Stephan Lichtsteiner fand die FCB-Offensive um Xherdan Shaqiri nie richtig in Tritt.Bild: keystone

Hinzu kommt, dass sich Lichtsteiner mit seiner eigenen Art unbeliebt gemacht hat. Da waren skurrile, öffentliche Aussagen. Aber auch intern war seine Kommunikation mangelhaft, wie von diversen Seiten zu vernehmen ist. Entsprechend hatte er den Draht zu einigen Spielern schon länger verloren. So entstand beispielsweise zwischen Lichtsteiner und seinem früheren Nati-Kollegen und dem heutigen FCB-Captain Xherdan Shaqiri nie eine harmonische Beziehung. Shaqiri äusserte zwar keine öffentliche Kritik – doch er vermied auch jegliche Bekenntnisse.

Solche fehlten jüngst nicht nur vom Captain, sondern neben Degen auch vom technischen Direktor Andreas Herrmann oder von Valentin Stocker. Letzterer trat in seiner Funktion als sportlicher Leiter 1. Mannschaft zwar am Sonntag vor die Kamera des SRF – seine Worte jedoch liessen Zweifel durchblicken. Die Trennung des FC Basel von Stephan Lichtsteiner ist daher auch ein Eingeständnis. Dies betont auch der Klub, spricht von Selbstkritik und davon, dass Hoffnungen nicht erfüllt werden konnten.

Nach Ludovic Magnin war Lichtsteiner die zweite falsche Wahl in Folge. Ex-Sportchef Daniel Stucki, mitverantwortlich für die Ernennung Lichtsteiners, kannte ihn aus gemeinsamen Zeiten im Nachwuchs der Basler, schwärmte im Januar bei dessen Ernennung zum Cheftrainer von seinem taktischen Verständnis und davon, dass Lichtsteiner «es seit jeher versteht, seine Teams mitzureissen und als Kollektiv besser zu machen».

Doch genau letztere beiden Punkte waren bei den Profis der Basler nie der Fall. Kein Spieler – vielleicht mit Ausnahme von Giacomo Koloto im ersten Halbjahr – konnte unter Lichtsteiner einen Schritt nach vorne machen. Jüngst kam aber auch Koloto kaum mehr zum Einsatz.

Schweigen bis zum Luzern-Spiel

Dass der Job als Cheftrainer des FC Basel  – der erste auf Profi-Ebene – für Lichtsteiner vielleicht zu früh gekommen und eigentlich ein Wechsel notwendig geworden war, hatte Stucki wohl eher erkannt als Degen. Der Ex-Sportchef stand schon vor seinem offiziellen Abgang nicht mehr zu hundert Prozent hinter Lichtsteiner. Dass auch bei Degen das Vertrauen langsam zu bröckeln begann, zeigten die Entwicklungen der letzten Wochen.

Sportchef Daniel Stucki (FCB) kommt aus der Pause bei dem Spiel der Fussball Super League zwischen dem FC Basel (FCB) und dem FC Thun (FCT) am Samstag, 2. Mai 2026 im St. Jakob-Park in Basel. (KEYSTON ...
Daniel Stucki holte Lichtsteiner als Sportchef zum FCB.Bild: keystone

Einerseits war da die veränderte Kommunikation des FCB-Präsidenten. Sprach er noch im Frühling immer davon, voll und ganz hinter seinem Trainer zu stehen, ergänzte er diese Aussage vor Saisonstart damit, dass auch Lichtsteiner das Business kenne und liefern müsse. Auch der neue technische Direktor, Andreas Herrmann, soll relativ früh erklärt haben, dass er von der Arbeitsweise Lichtsteiners nicht überzeugt sei. Nun gaben die ausbleibenden Leistungs- und Resultatsteigerungen diesen Einschätzungen recht.

Wer den Posten von Lichtsteiner übernehmen soll, ist unklar. Nau brachte am Dienstag den Namen von Nenad Bjelica ins Spiel – und damit eine erste Personalie. Der frühere Coach von unter anderem Union Berlin würde dazu passen, was diese Zeitung weiss: Die Spur des neuen Cheftrainers führt ins Ausland. Bis der Nachfolger des nun geschassten Lichtsteiners präsentiert ist, will der FCB schweigen. Oder zumindest bis Sonntag, wenn der FCB in Luzern antritt. Der Klub lässt aber gar die jeden Freitag stattfindende Pressekonferenz ausfallen – auch dies ein Novum.

epa11290429 Union Berlin coach Nenad Bjelica prior to the German Bundesliga soccer match between 1. FC Union Berlin and Bayern Munich in Berlin, Germany, 20 April 2024. EPA/FILIP SINGER CONDITIONS - A ...
Kommt nun Ex-Union-Trainer Nenad Bjelica?Bild: keystone

Nicht neu hingegen ist, dass der FC Basel kurz nach der Vorbereitung vor einem Neuanfang steht. Bereits Alex Frei, Timo Schultz oder Ludovic Magnin bekamen jeweils nur wenige Spiele nach der Sommer- oder Winterpause. Der neue Trainer wird bereits der neunte unter David Degen sein. Er wird in der dreiwöchigen Nationalmannschaftspause Zeit haben, das Team kennenzulernen. Sofern er bis dann präsentiert ist. (schweizheute.ch)

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