Boteli trifft für Sion am Laufmeter – und könnte in der Nati bald Embolo beerben
Am Ende ist der Hattrick nutzlos. Trotz dreier Tore von Winsley Boteli verliert Sion das Rückspiel in den Conference-League-Playoffs gegen Ajax Amsterdam mit 3:5 und scheidet mit einem Gesamtskore von 5:9 aus.
Der FC Sion verpasst damit zwar eine Europacup-Teilnahme, aber Boteli spielt sich immer mehr auf die Spickzettel der europäischen Topklubs. In sechs Spielen in der Conference-League-Qualifikation hat er bereits sieben Mal getroffen und ein weiteres Tor vorbereitet. In der Super League hat der 20-jährige Genfer nach drei Partien zwei Tore und einen Assist auf dem Konto.
Das Transferfenster schliesst in den grossen europäischen Ligen am 1. September. Damit hat Barthélémy Constantin noch einige Tage Zeit, seine ursprüngliche Aussage von vor einigen Tagen zu überdenken. Damals sagte der Sion-Sportchef, man werde Boteli diese Saison nicht verkaufen, «selbst für 20 Millionen Euro nicht». Das sei auch mit dem Stürmer und seinem Umfeld so abgemacht. Aber vielleicht wird er ja dann doch schwach, wenn in den nächsten Tagen ein entsprechendes Angebot reinflattert.
Boteli stammt aus der Nachwuchsakademie von Servette. Im Alter von 16 Jahren entschied er sich aber bereits für einen Wechsel zu Borussia Mönchengladbach. Dort kam der Mittelstürmer zunächst ebenfalls in den Nachwuchsauswahlen zum Einsatz und später auch für die zweite Mannschaft. In der Bundesliga spielte er bislang allerdings noch keine Minute.
Stattdessen wechselte Boteli im vergangenen Sommer leihweise von Gladbach zu Sion. Dort kam er zwar nicht ganz so häufig zum Einsatz, wie er sich das erhofft hätte, trotzdem konnte er sich präsentieren. Trotz nur 611 Einsatzminuten in der Liga erzielte Boteli acht Tore und war damit der effizienteste Stürmer der Super League.
Die Constantins waren so überzeugt von ihrem neuen Schützling, dass sie ihn definitiv von Gladbach verpflichteten und dafür eine hübsche Stange Geld in die Hand nahmen. 3,2 Millionen kosteten die Dienste Botelis. Doch das Ziel der Sion-Besitzer war klar: das Geld investieren und den Spieler später deutlich teurer weiterverkaufen.
Der Plan scheint bislang gut aufzugehen. Botelis Marktwert ist bereits nach der letzten Saison auf fünf Millionen Euro gestiegen. Eine weitere Steigerung dürfte folgen, selbst wenn seine Saison nicht ganz so bombastisch weitergehen sollte, wie sie begonnen hat. Es scheint tatsächlich so, als könnte Sion nach Matheus Cunha erneut ein Sprungbrett für ein junges Stürmertalent sein. Der Brasilianer wechselte in der Saison 2018/19 mit 19 Jahren von den Wallisern zu RB Leipzig. Über Atlético Madrid und Wolverhampton kam er 2025 schliesslich zu Manchester United.
Das soll natürlich nicht bedeuten, dass Boteli exakt auf Cunhas Niveau ist, sondern nur, dass über Sion durchaus eine gute Karriere möglich ist. Auch Schweizer Fussballfans dürften hoffen, dass Botelis Aufstieg weitergeht. Nachdem vor wenigen Tagen der Wechsel von Breel Embolo zu Atlanta United in der MLS bekannt wurde, wurde in den Online-Kommentarspalten schon intensiv über das baldige Ende seiner Nati-Karriere spekuliert. Das mag etwas verfrüht sein, aber früher oder später wird sicher ein Embolo-Nachfolger benötigt.
Und da kommt Boteli ins Spiel. Er bringt ein ähnliches Profil mit wie Embolo. Scoutingberichte loben den Torinstinkt und die Effizienz des Schweizer Stürmers. Sascha Stauch, der Boteli schon bei der U17‑Nati betreute, strich zudem die physische Präsenz des 20-Jährigen hervor. Er wäre damit wie Embolo auch ein Stürmer, der einen langen Ball nach vorne halten kann. Und wenn er sich weiterhin so treffsicher zeigt wie zum Start dieser Saison, dann steht einer erfolgreichen Nati-Karriere wohl nichts im Weg.
