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Europäischer Gerichtshof entscheidet über UEFA vs. European Super League

ESP: FC Barcelona, Barca Real Madrid CF. La Liga EA Sports match. Date 11 Ilkay Gundogan of FC Barcelona and Luka Modric of Real Madrid during the La Liga EA Sports match between FC Barcelona and Real ...
Barcelonas Ilkay Gündogan gegen Real Madrids Luka Modric.Bild: www.imago-images.de

Dieses Gerichtsurteil kann dein Leben als Fussballfan massiv verändern

Rechtssache C-333/21 – das klingt furztrocken. Doch das Urteil, das der Europäische Gerichtshof (EuGH) in dieser Sache fällt, könnte grosse Sprengkraft haben. Es geht in Luxemburg um nichts weniger als die Zukunft des Klubfussballs.
20.12.2023, 20:0321.12.2023, 14:06

Worum es geht

Im April 2021 kündigten zwölf Klubs aus europäischen Top-Fussballligen die Gründung einer neuen Liga an, «The Super League» genannt. Heftigste Fan-Proteste führten kurz nach der Vorstellung des Projekts zu dessen Beerdigung, nur noch Real Madrid, der FC Barcelona und Juventus Turin sind dabei.

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«Supergierig» seien die Topklubs und deren Besitzer – die Meinung vieler Fans, nicht nur vor der Anfield Road des FC Liverpool.Bild: keystone

Die Klubs verklagten den europäischen Fussballverband UEFA, weil dieser ihnen und ihren Spielern mit Konsequenzen drohte für den Fall einer eigenen Super League. Für die Klubs ist damit die Wettbewerbsfreiheit eingeschränkt, die UEFA und der Weltverband FIFA würden ihre dominante Marktstellung missbrauchen. Das verstosse gegen EU-Recht.

Der EuGH muss also darüber entscheiden, ob UEFA und FIFA Fussballer von ihren Wettbewerben ausschliessen dürfen, wenn sie in einer von anderen Verbänden ausgerichteten Konkurrenzliga spielen.

Was auf dem Spiel steht

Involviert in den Prozess ist Jean-Louis Dupont. Der Anwalt vertrat 1995 den Fussballer Jean-Marc Bosman in einem Prozess, dessen Urteil die Fussballwelt von Grund auf veränderte. Über den aktuellen Fall sagte Dupont zu «Zeit Online»: «Das Urteil hat das Potenzial, Bosman hoch zehn zu sein.» Denn dieses Mal gehe es nicht um die Regulierung des Arbeitsmarktes, sondern um die grundsätzlichen Bedingungen, unter welchen Wettbewerbe stattfinden dürfen.

Gibt der EuGH den Klägern Recht, dürfte es nicht mehr lange gehen, bis das nächste Projekt einer Super League kommt. Topklubs sehen darin grössere Planungssicherheit und die Chance, mehr Geld zu verdienen. Und deren Spieler müssten nicht mehr befürchten, im Falle einer Teilnahme an der Super League von einer WM oder EM ausgeschlossen zu werden.

Wie die Chancen stehen

Es gibt die These, dass der Sport nicht normalen Wettbewerbsregeln unterstehe, sondern ein Sonderfall sei. Gemäss der UEFA sieht das europäische Sportmodell vor, dass nur ein Verband für eine Sportart zuständig ist. Für internationale Wettbewerbe wäre das dann eben sie.

Für die ARD spricht die Ausgangslage für die UEFA. Dies ist dann der Fall, wenn das Gericht dem Antrag des Generalanwalts folgt. Er interpretiert die Gesetze so, dass es den Klubs jederzeit erlaubt ist, eine eigene Liga zu gründen. Allerdings stehe der UEFA das Recht zu, diese Klubs dann von ihren Wettbewerben auszuschliessen – auch aus den nationalen Meisterschaften, da die Landesverbände hierarchisch eine Ebene unter dem europäischen Verband angesiedelt sind.

Wie die NZZ berichtet, entscheidet das Gericht in etwa 80 Prozent aller Fälle so, wie es der Generalanwalt empfiehlt.

Wann das Urteil kommt

Die Sitzung des Gerichts beginnt am Donnerstag um 9.30 Uhr. Angeblich soll das Urteil noch am Vormittag bekannt sein.

In this photo taken on Monday, Oct. 5, 2015 a man walks by the European Court of Justice in Luxembourg. The European Union’s highest court has ruled that a member state can ban prisoners guilty of ser ...
Hier fällt das Urteil: der Sitz des Europäischen Gerichtshofs in Luxemburg.Bild: AP

Ein interessanter Nebenaspekt: Die englischen Fussballklubs, also jene aus der reichsten Liga der Welt, werden vom Urteil nicht betroffen sein, weil Grossbritannien seit dem Brexit nicht mehr Teil der EU ist.

Wie es weitergeht

Alleine die laute Ankündigung der Topklubs sorgt regelmässig dafür, dass die UEFA reagiert. Sie änderte in der Vergangenheit schon mehrmals die Teilnehmerzahl und den Modus der Champions League, der «Königsklasse» des Klubfussballs.

Ab der nächsten Saison werden in der Champions League 36 statt 32 Teams dabei sein. Die bisherigen Gruppen werden durch ein Liga-System ersetzt, wobei jede Mannschaft anstatt bislang jeweils drei neu vier Heim- und Auswärtsspiele bestreitet.

Kommt die Klage durch, steht eine neue Super League im Raum. Die Promotoren des Projekts von 2021 haben dieses nach den Fan-Protesten verändert. Es soll keine geschlossene Liga mit zwölf Teams mehr geben. Nun sollen zwischen 60 und 80 Klubs auf drei Ligen verteilt werden, und es soll innerhalb dieser Ligen zu Auf- und Abstiegen kommen. Und all den anderen Fussballklubs, die es nicht in diese europäische Super League schaffen, werden jährliche Solidaritätsbeiträge von 400 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

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