Gegenwind für Infantino von den USA, Kanada und der Karibik – der Zwischenstand
Gianni Infantino gerät derzeit heftig unter Druck. Er wollte über eine neue Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise Anteile an den WM-Rechten an private Investoren verkaufen. Berichten zufolge mit Beteiligung von Geldgebern aus dem Umfeld von US-Präsident Trump.
Die UEFA reagierte scharf und drohte mit einem Komplettboykott aller FIFA-Turniere. Auch die Asiatische Fussball-Konföderation (AFC) und die Nord-, Zentralamerikanische und Karibische Fussball-Konföderation (CONCACAF) lehnten das Vorhaben ab.
Unter diesem geschlossenen Widerstand knickte Infantino ein und begrub das Projekt. Der Rückzug beruhigt die Lage aber nicht. Auch nicht in Bezug auf die FIFA-Wahlen 2027: Mehrere Verbände fordern einen Wandel im Weltverband. Einige stellen sich demonstrativ hinter Infantino. Eine Übersicht über die aktuellen Meinungen:
Zwei WM-Gastgeber gegen Infantino
Montag, 10. August 2026
Die WM-Co-Gastgeber USA und Kanada haben sich mit ihren Fussballverbänden der Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino angeschlossen. US Soccer, Canada Soccer, die CFU (Caribbean Football Union) und die UNCAF (Central American Football Union) erklärten, sie «stehen gemeinsam mit unseren Kollegen auf der ganzen Welt für sinnvolle Veränderungen ein, die die Führung, Transparenz und Rechenschaftspflicht der FIFA stärken», schrieben die Organisationen auf Instagram.
Die Haltung Kanadas und der USA steht damit im Widerspruch zum dritten Ausrichterland Mexiko, dass dem FIFA-Präsidenten als Abtrünniger des Verbandes CONCACAF seine Unterstützung zugesagt hatte. Infantino, der bislang der einzige erklärte Kandidat für die Wahl im März 2027 ist, steht seit der überraschenden Vorstellung des inzwischen zurückgezogenen Investorenplans massiv in der Kritik.
Wenn CFU und UNCAF tatsächlich Wort halten, würden sich 32 weitere Landesverbände gegen Infantino stellen.
54 Stimmen für Infantino
Freitag, 7. August 2026
Der afrikanische Verband CAF stellt sich einstimmig hinter Infantino. Damit hat der Walliser bereits 64 Stimmen auf seiner Seite. Der norwegische Verband fordert Infantino allerdings zum sofortigen Rücktritt auf.
Infantino kann auf Unterstützung von WM-Finalist zählen
Freitag, 7. August 2026
Erstmals hat sich ein Verband aus Südamerika auf eine Seite gestellt. Der argentinische Verband stellt sich hinter Gianni Infantino. In einer öffentlichen Mitteilung schreibt die AFA: «Angesichts des bevorstehenden FIFA-Kongresses ist der Verband fest davon überzeugt und bekräftigt, dass der richtige Weg darin besteht, die Arbeit unter dessen Führung fortzusetzen, um einen besseren und noch inklusiveren Fußball weiterzuentwickeln.»
#Institucional Respaldo a la gestión realizada los últimos 10 años por Gianni Infantino en la FIFA
— AFA (@afa) August 6, 2026
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Mongolei und Philippinen stellen sich hinter Infantino – Albanien gegen ihn
Donnerstag, 6. August 2026
Gianni Infantino erhält weitere Unterstützung aus Asien. Sowohl der Verband aus Mongolei und den Philippinen bekennen sich zum aktuellen FIFA-Präsidenten. Infantino selbst bedankt sich in seiner Instagram-Story für die Unterstützung.
Am Donnerstagnachmittag musste der Schweizer allerdings auch wieder eine Gegenstimme hinnehmen. Wie der Verband mitteilte, habe er FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström einen Brief geschickt, in dem Albanien Infantino offiziell die Unterstützung für die Präsidentschaftswahl im kommenden März entzog.
Der Auftakt: So verteilen sich die ersten Stellungnahmen
Mittwoch, 5. August 2026
Nachdem Infantino das Investoren-Projekt beerdigt hatte, sicherten ihm mehrere Länder ihre Unterstützung zu: Katar äusserte sich als eines der ersten Länder positiv, kurz darauf lobte auch Sri Lanka Infantinos Rückzieher.
Die Vereinigten Arabischen Emirate stellten sich ebenfalls hinter ihn, während gleich mehrere afrikanische Verbandschefs nachzogen – Marokko, Ägypten, Mauretanien, Niger und die Demokratische Republik Kongo veröffentlichten ähnlich lautende Erklärungen und sicherten ihm ihre Treue zu. Auch der Libanon und Kuwait zählen zu seinen Unterstützern.
Auf der Gegenseite wächst die Riege der Kritiker weiter an: Wales, England und Serbien kündigten an, Infantino bei der Wahl im März 2027 nicht mehr zu wählen. Kurz danach zog Schweden nach und entzog ihm ebenfalls das Vertrauen. Verbandschef Simon Aström warf ihm anhaltende Mängel bei Transparenz und Führung vor.
Jordaniens Verbandspräsident warf dem FIFA-Präsidenten gar Erpressung vor. Die Schweiz hält sich vorerst zurück und sucht das Gespräch mit dem FIFA-Boss, bevor sie sich festlegt. (olj)
