Vielflieger Infantino: «Ich will so viele Spiele im Stadion sehen wie möglich»
Drei Länder, vier Zeitzonen: Die Fussball-WM in den USA, Kanada und Mexiko ist auch eine Weltmeisterschaft der grossen Distanzen. Ein gewaltiger Kontrast zum letzten Turnier vor dreieinhalb Jahren in Katar, das eine WM der ultrakurzen Wege war.
Damals gelang dem FIFA-Präsidenten das Kunststück, sämtliche 64 WM-Partien live im Stadion zu sehen. In diesem Sommer müsste Gianni Infantino nach der Aufblähung des Turniers bei 104 Spielen dabei sein und, das steht schon in dieser frühen Phase der WM fest, wird ihm nicht gelingen.
Oft an zwei Spielen am Tag
«Ich werde so viele Spiele im Stadion verfolgen wie möglich», kündigte Infantino vor dem Turnier an. Ihm hilft bei diesem Unterfangen, dass er laut dem «Guardian» auf einen Privatjet zählen kann, den Qatar Airways der FIFA als Sponsor zur Verfügung stellt. Franz Beckenbauer reichte als OK-Präsident der WM 2006 in Deutschland noch ein Helikopter, der ihn nach München, Hamburg und Berlin brachte. Der «Telegraph» zitierte aus Infantinos Umfeld, dass es sein Plan sei, an den meisten WM-Tagen bei zwei Spielen anwesend zu sein.
Am Eröffnungstag sass Infantino zuerst in Mexiko-Stadt bei Mexiko – Südafrika auf der Tribüne und wenig später war er im rund 500 Kilometer entfernten Guadalajara beim Spiel zwischen Südkorea und Tschechien. Zwei Tage später flog er nach dem Besuch von Katar – Schweiz in Santa Clara nordwärts, wo er sich in Vancouver die Partie Australien – Türkei anschaute.
Reisen als Amtstätigkeit
Auf Instagram dokumentiert Infantino seine Reisen und seine Treffen mit früheren Fussballstars. Hier Gianni mit Cowboyhut in Texas, dort Gianni mit den Wallisern Georges Bregy und Yvan Quentin in Santa Clara. Eben noch in Los Angeles die iranische Mannschaft in der Kabine besucht, schon in Kansas City den Hattrick von Lionel Messi beklatscht. In Houston mit den Eltern des verstorbenen Diogo Jota gesprochen und am gleichen Abend in Guadalajara die WM-Premiere von Usbekistan miterlebt.
Für den 56-jährigen Walliser sind die vielen Spiele nicht nur Vergnügen, sondern auch mit Arbeit verbunden. Infantino trifft sich in den VIP-Logen mit Verbandspräsidenten und Politikern: Der höchste Funktionär seiner Sportart markiert beim wichtigsten Anlass seiner Sportart Präsenz. Reisen kann als Teil seiner Aufgabe aufgefasst werden.
Kritik von Umweltschützern
Die Fussball-WM 2026 ist auch ein Turnier der vielen Flüge, nicht nur vom Weltverbands-Präsidenten. Die eifrigsten Meilensammler in der Vorrunde sind die Spieler von Bosnien-Herzegowina, die zwischen ihrem Basis-Camp und den drei Spielorten mehr als 5000 Kilometer zurücklegen.
Der Think-Tank «New Weather Institute» bezeichnete das Turnier deshalb als umweltschädlichste Veranstaltung aller Zeiten. Und der US-Chef der Umweltschutzorganisation Greenpeace hielt bei «The Athletic» fest: «Dass Führungskräfte täglich mit stark umweltbelastenden Privatjets fliegen, vermittelt nicht gerade den Eindruck, dass die FIFA entweder die Ursache des Klimawandels anerkennt oder ihre Verantwortung, Teil der Lösung zu sein.»
Weiter, immer weiter
Die FIFA betonte, die Reisen des Präsidenten und anderer hochrangiger Funktionäre würden nicht nur mit Privatjets, sondern auch mit Linienflügen erfolgen, «je nachdem, welche Option unter den jeweiligen Umständen effizienter und kostengünstiger ist». Der Weltverband habe Regeln, die den Rahmen für Flüge und Reisen festlegten.
Der Reiseplan von Gianni Infantino ist nicht bekannt. Nachdem er mit Mexiko und den USA schon Partien von zwei Gastgebern besucht hat, wird man den FIFA-Präsidenten in dieser Nacht (Mitternacht Schweizer Zeit) womöglich in Kanada beim Spiel gegen Katar von der Ehrentribüne winken sehen.
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