Diese Schweizer müssen gegen Bosnien aufpassen, sonst droht der nächste Nackenschlag
Nach dem enttäuschenden 1:1-Unentschieden zum Auftakt der Fussball-Weltmeisterschaft gegen Katar verhält es sich für die Schweiz folgendermassen: Um gute Chancen auf den Gruppensieg zu bewahren, muss sie Bosnien-Herzegowina heute Donnerstag um 21 Uhr (bei watson im Liveticker) bezwingen. Ansonsten droht ein sehr schwieriges letztes Gruppenspiel gegen Co-Gastgeber Kanada, während die Bosnier mit Katar den vermeintlich leichteren Gegner haben.
Im Vergleich zur Leistung vom vergangenen Samstag braucht es aber eine erhebliche Steigerung. Wobei nicht nur Trainer Murat Yakin fand, dass der Plan eigentlich aufgegangen sei. Auch Taktik-Experte Constantin Eckner relativiert den Auftritt der Schweiz, der hierzulande scharf kritisiert wurde: «An sich war die Leistung vollkommen in Ordnung.» Nur hätte die Nati aus den Chancen, die gemäss «Expected Goals» eigentlich zu über drei Toren hätten führen sollen, mehr als einen Treffer erzielen müssen.
Wie die Schweiz einer weiteren Blamage entgeht, erklärt der deutsche Sportkommentator, der unter anderem bei RTL und ZDF zu hören ist, im Gespräch mit watson. «Es darf im Spielaufbau und der Restverteidigung* noch weniger Fehler geben», so Eckner. Gerade Ausrutscher wie jenen von Manuel Akanji früh im Spiel dürfe sich die Schweiz nicht erlauben. «Von den Bosniern werden diese erst recht bestraft.»
Ausserdem sei die Schweiz in der Offensive zu wenig energisch vorgegangen. Gerade der Strafraum hätte stärker besetzt werden müssen, um Breel Embolo zentral zu unterstützen. In der Hinsicht versteht Eckner nicht, weshalb Johan Manzambi nur von der Bank kam. Der 20-Jährige sei mit seinem riesigen Potenzial die Zukunft der Nati und könnte schon jetzt extrem helfen. Doch sei es für Nationaltrainer nicht unüblich, «Erfahrung gegenüber jugendlicher Energie zu präferieren. Diese Denkweise geht nicht immer auf.»
Ob Nati-Trainer Murat Yakin seine Startformation für das zweite Gruppenspiel umstellt? Gegen Bosnien-Herzegowina könnte es sich lohnen. «Manzambis verzögerte Läufe in den Strafraum könnten ein Mittel sein, weil er so seine Physis einsetzen würde, während Embolo die Innenverteidiger bindet», so Eckner. In klassischen Eins-gegen-Eins-Situationen oder statischen Situationen, wie sie es gegen Katar viel gab, seien Ex-FCZ-Profi Nikola Katic und Tarik Muharemovic kaum zu überwinden.
Als Mittel gegen Bosnien-Herzegowina sieht Eckner «schnelle Umschaltangriffe» oder «Verlagerungen in den gegenüberliegenden Halbraum» – also die Zonen links und rechts vom Halbkreis am Strafraum. In diesen Situationen habe sich das Team von Trainer Sergej Barbarez beim 1:1-Remis gegen Kanada verwundbar gezeigt. Bei langen Seitenwechseln müsse die Schweiz auch auf zweite Bälle lauern und bereit sein, den Ball im Gegenpressing zurückzuerobern und direkt einen Umschaltangriff auszulösen.
Während die Schweiz gegen das Team vom Balkan erneut spielbestimmend sein dürfte, warnt Eckner auch vor der bosnischen Offensive. Diese sei nicht nur per Standards gefährlich. Gerade Linksaussen Amar Memic habe das Potenzial, der Nati gefährlich zu werden. «Im bosnischen 4-4-2-System bewegen sich die äusseren Mittelfeldspieler punktuell in die Mitte und suchen die Lücken hinter den gegnerischen Sechsern.»
Besonders Granit Xhaka und Michel Aebischer, der gegen Katar viel auf der rechten Seite agierte, müssten da aufpassen, um Linksaussen Memic in Zaum zu halten. «Ansonsten gibt es vielleicht einen weiteren Nackenschlag für die Nati», warnt Taktik-Experte Constantin Eckner.
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