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Sevilla's Diego Carlos, bottom, scores his side's third goal as Inter Milan's Romelu Lukaku, right, tries to stop the ball during the Europa League final soccer match between Sevilla and Inter Milan in Cologne, Germany, Friday, Aug. 21, 2020. (Lars Baron, Pool Photo via AP)

Der Moment, der den Europa-League-Final entschied: Lukaku lenkt den Ball ins eigene Tor. Bild: keystone

Untröstlicher Lukaku, Lucky Luuk – und 6 weitere Geschichten zum Europa-League-Final

Die Europa League ging mit einem spektakulären Final zu Ende und brachte erneut den FC Sevilla als Sieger hervor. Das 3:2 der Andalusier gegen Inter Mailand sorgte für tragische und echte Helden.



Der tragische Held

Romelu Lukaku gegen Sevilla das Zeug zum grossen Helden. In der 5. Minute hatte der Inter-Stürmer einen selbst herausgeholten Penalty zur frühen 1:0-Führung verwandelt. Er hatte damit seine Rekord-Serie ausgebaut, weil er im elften Europa-League-Spiel in Folge traf. Und er hatte das früheste Final-Tor in der Geschichte des Wettbewerbs erzielt. Ausserdem ist Lukaku der erste Spieler seit Ronaldo (dem Dicken), der in seiner Debüt-Saison bei Inter wettbewerbsübergreifend 34 Tore erzielen konnte.

Das 1:0 für Inter durch Lukaku in der 5. Minute. Video: SRF

Doch am Ende war der Belgier doch die tragische Figur. In der 65. Minute konnte Lukaku alleine aufs Tor von Bono ziehen, verpasste aber seinen zweiten Treffer.

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Lukakus Riesenchance in der 65. Minute. Video: streamable

Nur neun Minuten später lenkte der Stürmer im eigenen Strafraum einen Fallrückzieher von Diego Carlos, der ihn vor dem frühen Penalty noch plump gefoult hatte, zum 3:2 ins eigene Tor.

Lukaku lenkt in der 74. Minute den Fallrückzieher von Diego Carlos ins eigene Netz. Video: SRF

Ein Eigentor, das schmerzte. Direkt nach Anpfiff rannte der 27-Jährige in die Kabine, schwänzte die Siegerehrung und verzichtete auf seine Silbermedaille. Für Lukaku wäre es trotz Engagements bei Chelsea und Manchester United der erste grosse Titel gewesen. Bislang hat der bullige Stürmer erst den belgischen Meistertitel mit dem RSC Anderlecht (2010) feiern können.

Lucky Luuk

Bei Borussia Mönchengladbach ist Luuk de Jong als einer der wenigen Transfer-Fehlgriffe der letzten Jahre in Erinnerung. Nun ist er der Held von Sevilla. Dem Siegtor als Joker beim 2:1 im Halbfinal gegen Manchester United liess er nach der Beförderung in die Startformation zwei Kopfballtore folgen: Das war noch keinem Spieler in einem Europacup-Final gelungen. «Der Erfolg der Mannschaft ist wichtiger als meine Tore», sagte de Jong: «Aber einen Titel zu holen und dabei Tore zu erzielen, fühlt sich wunderbar an.»

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Die kompletten Highlights der Partie. Video: YouTube/SRF Sport

Die Tränen des Trainers

2018 war Sevillas Trainer Julen Lopetegui international ins Rampenlicht gerückt und hatte viel Spott über sich ergehen lassen müssen. Zunächst wurde er bei Spaniens Nationalmannschaft noch vor dem ersten WM-Spiel entlassen, weil sein bevorstehender Wechsel zu Real Madrid bekannt geworden war. Dann warfen ihn die Madrider nach nur zehn Meisterschaftsrunden raus.

Nun führte er Sevilla in seiner ersten Saison in Andalusien zum Europacup-Sieg. Genugtuung wollte er sich aber keine anmerken lassen. «Es stimmt, mir war keine lange Zeit bei Real Madrid vergönnt», sagte der 53-Jährige: «Aber dann habe ich die wunderbare Gelegenheit bekommen, mit dieser tollen Mannschaft zu arbeiten. Hier bin ich glücklich.» Die Tränen konnte Lopetegui am Ende nicht zurückhalten.

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Lopetegui vergiesst Freudentränen. Video: streamable

Die Unbesiegbaren

Für Sevilla bedeutete der 3:2-Sieg gegen Inter den sechsten Europa-League-Titel nach 2006, 2007, 2014, 2015 und 2016. Immer wenn die Andalusier im Final standen, gewannen sie am Ende auch den Pokal. Längst ist Sevilla Rekordsieger der Europa League. Die ersten Verfolger sind Liverpool, Inter Mailand, Juventus Turin und Atlético Madrid mit je 3 Titel.

Während Sevilla seine Dominanz in der Europa League ein weiteres Mal untermauern konnte, muss Inter Mailand weiter auf den nächsten internationalen Titel warten. Das letzte europäisch erfolgreiche Jahr war 2010, als die «Nerazzurri» die Champions League und die Klub-WM gewannen.

So feierte Sevilla den 6. Europa-League-Titel. Video: SRF

Der neue Ballack

Der zweite grosse Unglücksrabe bei Inter Mailand neben Romelu Lukaku war Christian Eriksen. Der 28-jährige Däne war im Winter für 27 Millionen Euro von Tottenham Hotspur zu den «Nerazzurri» gewechselt. Mit den «Spurs» verlor er im letzten Jahr den Champions-League-Final gegen Liverpool, nun zog er mit Inter im Europa-League-Final gegen Sevilla den Kürzeren. Wie Lukaku holte Eriksen bislang erst in einer weniger bedeutenden Liga Titel. Mit Ajax Amsterdam wurde er immerhin dreimal niederländischer und einmal Pokalsieger.

Eriksens unmittelbare Vergangenheit erinnert an das Seuchenjahr 2002 von Michael Ballack. Der ehemalige deutsche Nationalspieler verlor damals mit Bayer Leverkusen den Champions-League-Final gegen Real Madrid und musste im WM-Final gesperrt zusehen, wie Deutschland gegen Brasilien unterging. Trotz 14 Titeln gilt Ballack seither als «Der ewige Zweite».

Der glückliche Rückkehrer

Als der FC Sevilla 2006 durch ein 4:0 gegen den FC Middlesbrough zum ersten Mal UEFA-Cup-Sieger wurde, stand Jesus Navas als 20-Jähriger 90 Minuten auf dem Platz. Auch 2007 beim zweiten Titel war er Stammspieler. Ausgerechnet in den vier Jahren, in denen der heutige Captain aus der Region Sevilla nicht in der Heimat spielte, holte sein Verein dann dreimal in Folge die Europa League. 2017 kehrte Navas von Manchester City zurück. Nun durfte er die Trophäe nach 13 Jahren wieder in die Luft stemmen. «Ich kann es gar nicht in Worte fassen», sagte der inzwischen 34-Jährige sichtlich gerührt.

Banega und Contes Haare

Inter-Trainer Antonio Conte war schon früh auf Betriebstemperatur. Früh stand er wild fuchtelnd an der Seitenlinie und in der 18. Minute wurde der 51-jährige Italiener nach einem Rencontre mit dem ehemaligen Inter-Spieler Ever Banega gar verwarnt. Der Argentinier, der wie Lionel Messi aus Rosario stammt, hatte sich ins Haar gelangt und in Contes Richtung gesagt: «Lass mich sehen, ob die Perücke echt ist!» Das konnte der stolze Inter-Técnino natürlich nicht auf sich sitzen lassen. «Ich warte später draussen auf dich», soll Conte Banega nachgebrüllt haben.

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Die Provaktion von Banega und die Antwort von Conte. Video: streamable

Rosige Zukunft ohne Trainer

Doch wie geht es mit Conte weiter? Seine Zukunft liess der Inter-Trainer, der sich zuletzt wegen mangelnder Unterstützung für sein Team mit der Vereinsführung überworfen hat, offen. «Es ist nicht der richtige Zeitpunkt, darüber zu sprechen», sagte er, nicht ohne die Spekulationen doch noch etwas anzuheizen. «Meine Spieler haben alles gegeben – und zwar gegen ein Team, das es gewohnt ist, solche grossen Duelle zu bestreiten. Doch sie und wir können auf diesem erfolgreichen Pfad, den wir eingeschlagen haben, mit grossem Selbstbewusstsein weitergehen.» Das tönt doch eher nach bleiben als gehen. (pre/sda)

Inter Milan's head coach Antonio Conte and players react after the Europa League final soccer match between Sevilla and Inter Milan in Cologne, Germany, Friday, Aug. 21, 2020. (Ina Fassbender/Pool via AP)

Die Enttäuschung bei Conte und seinem Team sitzt tief. Bild: keystone

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