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Joshua Kimmich hat sich beim ZDF ausführlich zu seiner Corona-Infektion geäussert.
Joshua Kimmich hat sich beim ZDF ausführlich zu seiner Corona-Infektion geäussert. bild: screenshot zdf

Kimmich bricht sein Schweigen: «Klar wäre es besser gewesen, mich früher impfen zu lassen»

Joshua Kimmich zeigt sich nach seiner Corona-Infektion geläutert. Im ZDF erklärte er, dass er sich nun doch impfen lassen will. Ausserdem sprach der 26-jährige Bayern-Profi über seine Ängste, das schlechte Gewissen und seine Vorbildfunktion.
13.12.2021, 10:18

Bereits am Sonntagmorgen sickerten die ersten Informationen aus dem Exklusivinterview des ZDF mit Bayern-Profi Joshua Kimmich durch. Am Abend strahlte der TV-Sender dann das komplette Interview aus, in dem der deutsche Nationalspieler ausführlich über seine Corona-Infektion, das Impfen und Belästigungen durch Journalisten sprach. Das waren seine wichtigsten Aussagen:

Kimmich über ...

... seinen Krankheitsverlauf und wie es ihm heute geht:

«Generell war es natürlich eine sehr, sehr schwierige Zeit für mich. Ich hatte Glück, dass mein Krankheitsverlauf relativ mild war. Ich hatte wenig Symptome, habe auch nichts geschmeckt und nichts gerochen. Leider wurde bei mir bei der Abschlussuntersuchung bei der Computer-Tomographie festgestellt, dass ich noch ein bisschen Flüssigkeit in der Lunge habe und deshalb zehn Tage ruhiger machen muss, erst danach wieder ins normale Training einsteigen kann.»
Das komplette Interview mit Joshua Kimmich.Video: YouTube/FOOTBALL Nation

... die Flüssigkeitsablagerungen in seiner Lunge und wie es jetzt weitergeht:

«Das bedeutet, dass ich jetzt noch kein intensives Training machen kann, weil sonst die Gefahr besteht, dass das aufs Herz geht und man dann längere Folgen davonträgt. Aber wenn ich es jetzt etwas ruhiger angehen lasse, dann sollten da keine weiteren Folgen entstehen.»

... seine Gedanken, als er erfahren hat, dass er an Corona erkrankt ist:

«Das war natürlich nicht schön. Ich war davor schon zwei Wochen in Quarantäne, jeweils eine Woche als Kontaktperson. Und am letzten Tag der Quarantäne kam dann der positive Test. Da habe ich dann gehofft, dass ich einen milden Verlauf haben werde und keine Folgeschäden davontrage.»

... warum er noch nicht geimpft ist:

«Ich habe lange Zeit sowohl bei der Krankheit als auch beim Impfen Risiken gesehen. Ich dachte, ich kann mich selbst vor der Krankheit schützen, wenn ich mich an die entsprechenden Massnahmen halte. Dadurch, dass ich alle drei Tage getestet wurde, konnte ich auch ausschliessen, dass ich eine Gefahr für die anderen bin. Das war für mich auch wichtig. Im Endeffekt habe ich dann gespürt, gerade jetzt in der vierten Welle, wo die Inzidenzen wieder steigen, dass man es nicht nur durch eigenes Verhalten beeinflussen kann, ob man mit dem Virus in Kontakt kommt oder nicht. Wir hatten dann auch in der Mannschaft den einen oder anderen Fall, weshalb ich dann in Quarantäne musste. Und da wurde mir bewusst: Du hast es nicht nur in der eigenen Hand.»

... einen Impftermin:

«Ich hatte sogar schon einen Impftermin während meiner zweiten Quarantänephase. Als Kontaktperson habe ich den Termin mit dem Arzt vereinbart. Leider kam mir dann die Erkrankung zuvor. Jetzt ist es erst mal so, dass ich in ein paar Tagen als genesen gelte. Dieser Status dauert dann eine gewisse Zeit lang an. Wenn das dann empfohlen wird und der Zeitpunkt da ist, dann werde ich mich impfen lassen.»

... seine Pause und das schlechte Gewissen gegenüber den Teamkollegen:

«Das schlechte Gewissen ist auf jeden Fall da. In erster Linie meiner Familie gegenüber, die sich viel anhören musste. Aber natürlich auch meinen Mitspielern gegenüber. Ich war dann derjenige, der zu Hause sass und diese Highlight-Spiele verpasst hat und der Mannschaft nicht helfen konnte. Genauso gut habe ich da die Mannschaft im Stich gelassen. Nicht dadurch, dass ich mich infiziert habe. Aber dadurch, dass ich zweimal jeweils eine Woche verpasst habe, weil ich Kontaktperson war – das wäre mit einer Impfung nicht passiert.»
Joshua Kimich hat seit Anfang November kein Spiel mehr bestritten.
Joshua Kimich hat seit Anfang November kein Spiel mehr bestritten.bild: imago-images.de

... Kritik aus der Mannschaft:

«Kritik gab es nicht. Wir haben relativ offen und ehrlich darüber gesprochen. Einige Mitspieler haben natürlich nachgefragt. Am Ende des Tages ist es die Entscheidung jedes Einzelnen, die dann auch jeder akzeptieren muss. Auf der anderen Seite kann ich es auch verstehen und wäre bei mir genau gleich, wenn man sich darüber ärgert, dass ein Mitspieler in wichtigen Spielen fehlt.»

... das gekürzte bzw. gestrichene Gehalt durch den Klub:

«Absolut kann ich das nachvollziehen. In der Thematik gibt es keine zwei Meinungen. Das war das gute Recht des Vereins, davon haben sie Gebrauch gemacht und deswegen hat man das zu akzeptieren.»

... die Kritik an seiner Impfzurückhaltung:

«Jegliche sachliche Kritik kann ich nachvollziehen und kann ich auch verstehen, vor allem zur jetzigen Zeit, wo die Inzidenzen wieder ansteigen. Trotzdem muss ich sagen, wurden einige Grenzen überschritten. Ich hatte das Gefühl, dass es den einen oder anderen gab, der sich durch diese Diskussion profilieren wollte. Das war dann nicht nur sachliche Kritik und es ging nicht nur darum, die Unentschlossenheit zu kritisieren.»

... sein Verhalten als Vorbildfunktion:

«Auch diese Frage habe ich mir oft gestellt. Natürlich bin ich mir dem bewusst, dass ich eine gewisse Vorbildfunktion darstelle. Ich bin Nationalspieler, ich bin Spieler vom FC Bayern München. Und trotzdem bin ich auch nur ein Mensch, der Ängste und Bedenken hat. Wir sind momentan in einer Pandemie in einer Situation, die für keinen leicht und schön ist. Auch, wenn man sich überlegt, was die Politiker für Entscheidungen treffen müssen. Die müssen Entscheidungen mit einer unglaublichen Reichweite treffen in einer Zeit, wo vieles ungewiss ist, wo sich vieles schnell verändert.

Wir haben ein Virus, das sich schnell verändert. Dann haben wir einen neuen Impfstoff, wo man auch stetig weiter dazulernt. Und da immer die richtige Entscheidung zu treffen, ist unglaublich schwer. Auch da wurden viele Fehler gemacht und auch deshalb verstehe ich es nicht ganz, wieso einem Menschen wie mir dann dieser Fehler nicht zugestanden wird und man da dann fast aus allen Richtungen mit dem Finger zeigt und auch urteilt. Da hat mir das Differenzierte gefehlt.»
Die öffentliche Kritik hat Kimmich zugesetzt.
Die öffentliche Kritik hat Kimmich zugesetzt.Bild: keystone

... die Kritik im Allgemeinen:

«Es geht gar nicht darum, meine Unentschlossenheit und diese Entscheidung zu rechtfertigen. Dass man das kritisiert, ist für mich völlig in Ordnung und war zu erwarten. Das muss ich aushalten. Es ist aber schwierig, wenn es darüber hinausgeht. Ich meine, gerade in meinem Fall sind dann viele persönliche Informationen an die Öffentlichkeit gelangt. Es war dann so, dass man in mein Heimatdorf gefahren ist, versucht hat, meine Eltern vor die Kamera zu kriegen oder meine Tante und meinen Onkel. Man ist ins Dorf gegangen, in die Wirtshäuser, hat dort versucht, die Leute vor die Kamera zu kriegen. Auch in der Kirche.

Sogar bei der Beerdigung meines Opas war Presse vor Ort. Und da stelle ich mir schon die Frage: Wo ist da die Grenze? Wie wollen wir miteinander umgehen in unserer Gesellschaft? Wir sprechen immer von Respekt, Toleranz, Offenheit – und das sind genau Werte, die mir in meiner Diskussion extrem gefehlt haben. Da wurden einfach Grenzen überschritten, wo manche auf den Zug aufgesprungen sind, um sich selbst zu profilieren und die ganze Diskussion für sich selbst zu nutzen. Das verurteile ich absolut.»

... inwiefern er mit seinem Verhalten dafür verantwortlich ist, dass zurzeit viele Menschen noch nicht geimpft sind:

«Das ist eine Entscheidung, die jeder für sich selbst treffen muss. Ich finde es gut und schön, dass viele Vorbilder ihre Rolle nutzen und auch zum Impfen aufrufen. Generell glaube ich nicht, dass es meine Aufgabe ist, die Menschen vom Impfen zu überzeugen. Es ist auch nicht der richtige Weg, jeden Menschen bis er nicht mehr kann unter Druck zu setzen. Es lohnt sich auch, zu erfragen: Wovor haben die Menschen Angst? Warum haben sie Bedenken?

Natürlich gibt es Menschen – Verschwörungstheoretiker und ‹Querdenker› – von denen ich mich auch ganz klar distanziere. Aber ich glaube, es gibt doch noch Menschen, die einfach unentschlossen sind und Ängste sowie Bedenken haben. Wenn wir jetzt sagen, wir haben genug aufgeklärt, jetzt müssen wir Druck ausüben, bin ich mir nicht sicher, ob das der richtige Weg ist. Das wird dann zu einer noch grösseren Spaltung unserer Gesellschaft führen.»

... seine Initiative «We Kick Corona» und wie es zusammenpasst, dass er noch nicht geimpft ist:

«Generell ging es darum, Menschen schnell zu helfen, die unter Corona gelitten haben. Im Endeffekt haben wir alle gelitten, aber es gibt grosse Verlierer. Wir haben unter anderem mit der UNICEF ein Projekt gegründet, das dafür sorgt, dass Länder, die noch keinen Zugriff auf Impfstoff haben, versorgt werden. Ich meine, in unserem Land haben wir den Luxus, dass es darum geht, die Menschen zu boostern. In anderen Ländern haben die Menschen gar nicht die Möglichkeit, die Entscheidung zu treffen: Impfen ja oder nein? Sie haben den Impfstoff nicht. Allein diese Tatsache zeigt, dass ich kein Impfgegner bin.»

... was er anders machen würde:

«Natürlich wäre es besser gewesen, mich früher impfen zu lassen. Aus mehreren Gründen. Es gibt ja mehrere gute Gründe, sich impfen zu lassen. In erster Linie, damit man sich selbst nicht infiziert. Wobei man das ja auch nicht mit Gewissheit sagen kann. Aber mit Gewissheit kann ich sagen, dass ich nicht hätte in Quarantäne gehen müssen als Kontaktperson.

Generell war es für mich einfach schwierig, mit meinen Ängsten und Bedenken umzugehen. Deshalb war ich auch so lange unentschlossen und konnte die Entscheidung zu dem Zeitpunkt auch nicht treffen und musste erst das durchleben, was ich jetzt durchlebt habe. Rückblickend gesehen würde ich gerne die Entscheidung des Impfens früher treffen. Aber zu dem damaligen Zeitpunkt war es mir eben nicht möglich.»

(pre/mey)

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quelle: ap / uwe lein
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