DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Joshua Kimmich wird erst im neuen Jahr wieder Fussball spielen können.
Joshua Kimmich wird erst im neuen Jahr wieder Fussball spielen können.Bild: keystone

Experte über Kimmichs Lungenprobleme: «Zeigt, dass eine Corona-Infektion nicht banal ist»

10.12.2021, 08:2610.12.2021, 12:30
Lukas Grybowski / watson.de

Am Mittwochabend war Hasan Salihamidzic noch guter Dinge. Vor dem Champions-League-Spiel gegen den FC Barcelona am Mittwochabend erklärte der Sportvorstand von Bayern München: «Ich kenne unseren Jo, der wird natürlich alles geben, um schnell wieder zurückzukommen.» Denn am Mittwochabend konnte sich Joshua Kimmich nach seiner Corona-Infektion freitesten. In einem Halbsatz verwies er noch auf die anstehenden medizinischen Test, die der 26-Jährige am Donnerstag absolvieren musste, doch die Freude, Kimmich wieder auf dem Platz zu sehen, war Salihamidzic anzumerken.

Nun sorgten ausgerechnet diese Tests dafür, dass aus einer schnellen Rückkehr auf den Platz erstmal nichts wird. In einem Statement erklärten die Bayern am Donnerstagmittag, dass die Münchner bis zum Ende des Jahres ohne ihren Mittelfeldstar auskommen müssen. Der Grund: Kimmich kann aufgrund von leichten Infiltrationen in der Lunge nicht wieder voll trainieren.

Für Sportmediziner Robert Margerie vom Sport-Gesundheitspark Berlin ist das ein alarmierendes Zeichen. «Das zeigt, dass die Lunge reagiert, möglicherweise mit einer Lungenentzündung, und er einen schwereren Corona-Verlauf hat», erklärt der Sportmediziner gegenüber watson.de.

Infiltration der Lunge kann auch bei anderen Erkrankungen auftreten

Bei einer leichten Infiltration der Lunge handelt es sich um Ansammlungen von Flüssigkeiten. Dabei seien die Bronchien oder die Lungenbläschen vom Virus betroffen. Auf einem Röntgenbild würden leichte Schatten auf der Lunge zu sehen sein. Das sei jedoch kein spezielles Phänomen durch die Corona-Erkrankung, sondern könne auch nach anderen Infektionen und leichten Lungenentzündungen auftreten.

Dennoch macht der Sportmediziner auch deutlich, dass Kimmich Glück im Unglück hatte. «Menschen, die auf der Intensivstation landen und beatmet werden müssen, haben eine starke Infiltration der Lunge. Dort kommt es radiologisch zu einer kompletten Verschattung.»

Von einem langfristigen Schaden geht Margerie aber zunächst nicht aus. Denn Kimmich erklärte in der Vereinsmitteilung auch, dass es ihm gut gehe. «Das klingt zunächst gut und lässt hoffen, dass er vollständig genesen wird.»

Kimmich infiziert sich selbst

Mittlerweile fehlt Joshua Kimmich dem FC Bayern aber seit Anfang November. Nach seinem letzten Pflichtspiel für die Münchner am 6. November musste er sich als ungeimpfte Kontaktperson des positiv getesteten Mannschaftskollegen Niklas Süle in eine zweiwöchige Quarantäne begeben. Nach einem Trainingstag musste Kimmich erneut in Quarantäne, da er im privaten Umfeld mit einer positiv getesteten Person Kontakt hatte.

Am 24. November machte der FC Bayern dann öffentlich, dass sich der Nationalspieler mit dem Virus infiziert hatte. Bereits im Oktober erklärte Kimmich im Interview beim TV-Sender Sky, dass er Bedenken wegen Langzeitfolgen habe und sich deswegen noch nicht habe impfen lassen.

Das Impf-Interview mit Kimmich von Ende Oktober.Video: streamja

«In diesem Moment hat er sich aktiv gegen die Impfung und für eine Erkrankung ohne Schutz entschieden», bewertet der Sportmediziner. «Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er mit einer Impfung kürzere Ausfallzeiten und die Lungenkomplikationen nicht entwickelt hätte.»

Mit einer Impfung gegen das Coronavirus könne es zwar auch zu Erkrankungen kommen. «Dann aber mit kürzeren Verläufen und milderen Symptomen.» Und fügt hinzu: «Da fühlt man sich schlapp und hat Fieber, aber danach kann man normal weitertrainieren.»

Kimmich vermeidet Stellungnahme zu möglicher Impfung

Im Statement des Klubs und von Kimmich selbst auf Instagram vermeidet er bisher noch jede Andeutung darauf, sich nun doch impfen lassen zu wollen. Nationaltrainer Hansi Flick und Bayern-Coach Julian Nagelsmann hatten in der Vergangenheit immer wieder Andeutungen gemacht, dass der Führungsspieler mittlerweile doch zu einer Impfung tendieren würde.

Ob sich Kimmich mittlerweile hat impfen lassen, verrät er nicht.
Ob sich Kimmich mittlerweile hat impfen lassen, verrät er nicht.Bild: keystone

In der Mitteilung erklärt der Mittelfeldspieler lediglich: «Ich werde daher ein Aufbautraining absolvieren und kann es kaum abwarten, im Januar wieder voll mit dabei zu sein.» Die Rückrunde beginnt für den FC Bayern mit einem Heimspiel am 7. Januar gegen Borussia Mönchengladbach.

Sportmediziner Margerie bezweifelt jedoch, ob das so möglich ist. «Es ist seine optimistische Schätzung, dass er im Januar wieder voll einsteigen kann. Aber das wird man dann erstmal sehen.»

Nicht nur Kimmich kämpft mit Folgen einer Infektion

Für den Sportmediziner liefert der Fall Kimmich aber genügend Argumente für eine Impfung. «Es zeigt, dass eine Infektion nicht banal ist. Welcher junge Mensch fällt schon sechs bis acht Wochen mit einer Infektion aus. Das geht deutlich über die Dauer einer Grippe hinaus.»

Nach der Debatte um die ungeimpften Stars des FC Bayern lässt Corona die Münchner weiter nicht los. Denn Joshua Kimmich ist nicht der einzige Bayern-Star, der mit den Nachwirkungen einer Corona-Infektion zu kämpfen hat. Auch Stürmer Eric-Maxim Choupo-Moting wird den Münchnern wohl erst wieder im neuen Jahr zur Verfügung stehen.

Auch Eric Maxim Choupo-Moting leidet unter den Folgen einer Corona-Erkrankung.
Auch Eric Maxim Choupo-Moting leidet unter den Folgen einer Corona-Erkrankung.Bild: keystone

«Bei Choupo sind die Nachwirkungen seiner Corona-Infektion so, dass wir noch eine Woche warten, bis die nächste Untersuchung ansteht und wir dann entscheiden, ob er mehr belastet werden kann. Er ist natürlich negativ, aber er hat noch immer Probleme, die ein vorzeitiges Training noch nicht zulassen», erklärte Bayern-Coach Nagelsmann auf einer Pressekonferenz am Dienstag.

Und so macht auch der Sportmediziner nochmal deutlich. «Eine Impfung, vor allem eine Dreifachimpfung, schützt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davor, nicht so schwerwiegend an Corona zu erkranken.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Alle Bayern-Trainer im 21. Jahrhundert und ihre Erfolge

1 / 17
Alle Bayern-Trainer im 21. Jahrhundert und ihre Erfolge
quelle: ap / uwe lein
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Keine Fussball-Fans im Büro, bitte!

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

69 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Zanzibar
10.12.2021 08:39registriert Dezember 2015
Wartet Kimmich immer noch die Langzeitstudien zur Impfung ab?
22922
Melden
Zum Kommentar
avatar
Einer mit interkantonalem Migrationshintergrund
10.12.2021 09:00registriert April 2021
Wieder einer der die Langzeitwirkung des Virus zu beachten vergessen hat. Tja, doof.
20812
Melden
Zum Kommentar
avatar
Bikemate
10.12.2021 09:09registriert Mai 2021
Hoffentlich überzeugt das den einen oder anderen Fussballfan sich doch noch impfen zu lassen.
14710
Melden
Zum Kommentar
69
Giro-Etappensieger Girmay muss ins Spital, weil ihm der Champagner-Korken ins Auge fliegt

Biniam Girmay gewann heute im Massensprint die 10. Etappe des Giro d'Italia von Pescara nach Jesi und schaffte damit Historisches: Der 22-Jährige vom Team Intermarché ist der erste Eritreer, der einen Tagessieg bei einer der drei grossen Rundfahrten feiern kann.

Zur Story