Wir haben die WM 1000 Mal durchgespielt – das ist der wahrscheinlichste Weltmeister
Vor der WM 2026 in Mexiko, Kanada und den USA treibt Fussball-Fans in aller Welt vor allem eine Frage um: Wer wird Weltmeister? Macht einer der grossen Favoriten das Rennen oder gibt es den ersten Überraschungsweltmeister der Neuzeit? Überall wird gewerweisst und gemutmasst.
Wir wollten es etwas genauer wissen. Und weil Krake Paul, der an der WM 2010 den Ausgang sämtlicher Spiele der deutschen Nationalmannschaft sowie den Final korrekt vorausgesagt hatte, nicht mehr lebt, haben wir uns mit den Schweizer Data-Science-Spezialisten von Datahouse zusammengetan. Das Spin-off der ETH Zürich hat eine Simulation kreiert, um den wahrscheinlichsten Weltmeister vorauszusagen.
So funktioniert die Simulation:
- In einem ersten Schritt wird die Stärke jedes Teams definiert. Dabei werden die aktuellen Wettquoten der vier grössten Wettbüros sowie Position und Punkte in der FIFA-Weltrangliste verwendet, um der Kaderstärke der Mannschaften Rechnung zu tragen. Beide Faktoren werden dabei gleich stark gewichtet.
- In jedem Spiel werden dann die jeweiligen Stärken der beiden Teams einander gegenübergestellt und es wird ein Resultat simuliert – je grösser die Differenz, desto wahrscheinlicher ein Tor in jeder Spielphase und somit ein Sieg für das stärkere Team.
- Die ganze WM wird so dann 1000 Mal durchgespielt. Die «Wahrscheinlichkeit» eines Szenarios (z. B. «Die Schweiz wird Weltmeister») ist dann der prozentuale Anteil der 1000 Durchläufe, bei denen das Szenario eintraf.
Das sind die Ergebnisse:
Die Simulation von Datahouse sagt Spanien als wahrscheinlichsten Weltmeister voraus. In 15 Prozent aller Fälle holte die «Furia Roja» den WM-Pokal. Dahinter folgen die europäischen Spitzenteams Frankreich (13 Prozent) und England (10 Prozent), Titelverteidiger Argentinien und Rekordweltmeister Brasilien belegen mit einer Titelchance von je 7 Prozent die Plätze 3 und 4.
Schlechte Nachrichten gibt es für Cristiano Ronaldo: Nur in einem von 20 Fällen holt der 41-jährige Superstar mit Portugal den langersehnten WM-Titel. Noch düsterer sieht es für die weiteren europäischen Topnationen Deutschland und die Niederlande sowie für den ewigen Geheimfavoriten Belgien aus. Sie landen mit einer Titelchance von vier respektive drei Prozent aber immerhin noch in den Top 10.
Der Schweizer Nati wird nur gerade eine 1-prozentige Chance auf den WM-Titel attestiert – bei 1000 Simulationen wurde das Team von Trainer Murat Yakin also immerhin 10 Mal Weltmeister. Damit liegt die Schweiz gleichauf mit dem letztmaligen WM-Halbfinalisten Marokko und dem zweifachen Weltmeister Uruguay.
Die Chance auf eine Schweizer Viertelfinal-Qualifikation – das ausgegebene Ziel für diese WM – liegt bei respektablen 21 Prozent. Die Chance auf die Achtelfinals beträgt bereits 43 Prozent, die Qualifikation für die Sechzehntelfinals schaffen wir zu 79 Prozent – also fast in vier von fünf Fällen.
Etwas überraschend legt das Modell Kanada als stärksten Schweizer Gruppengegner fest. Gegen den WM-Gastgeber, der in der FIFA-Weltrangliste elf Plätze hinter der Schweiz auf Rang 30 liegt, gewinnt die Nati in 59 Prozent der Fälle. Den letztjährigen Gastgeber schlagen wir in 71,5 Prozent der Fälle, Italien-Schreck Bosnien und Herzegowina gar in 77,8 Prozent der Fälle.
Wahrscheinlichster Sechzehntelfinal-Gegner für die Schweiz ist im Falle eines Weiterkommens mit 10 Prozent Südkorea aus Gruppe A. Die beiden Teams treffen dann aufeinander, wenn beide Gruppenzweite werden. Im Achtelfinal waren die Niederlande (12 Prozent) bei 1000 WM-Simulationen der häufigste Gegner, im Viertelfinal Frankreich (13 Prozent) und im Halbfinal Spanien (13 Prozent). Erreicht die Schweiz gar den Final, trifft sie zu 13 Prozent auf England.
Und wie genau treffen diese Vorhersagen zu? «Die Simulation gibt Wahrscheinlichkeiten anhand tausender Realisierungen an. Im Einzelfall kann aber auch ein sehr unwahrscheinliches Ereignis eintreffen», sagt Senior Data Scientist Severin Trösch von Datahouse.
Ein echter Überraschungsweltmeister ist gemäss der Simulation nicht in Sicht: Die höchsten Titelchancen jenseits des erweiterten Titelkreises werden den beiden Gastgebern Mexiko und USA sowie dem Afrika-Cup-Finalisten Senegal zugeschrieben. Alle drei Teams haben eine zweiprozentige Weltmeister-Chance.
