FIFA wehrte sich mit Händen und Füssen – doch 14'000 Fans dürfen gratis an WM-Spiele
Die FIFA muss beim WM-Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika 14'000 Zuschauerinnen und Zuschauer kostenlos ins Aztekenstadion in Mexiko-Stadt lassen. Dies haben mexikanische Gerichte entschieden. Der kuriose Grund dafür liegt 60 Jahre zurück.
Das Aztekenstadion wurde im Vorfeld der WM 1970 gebaut. Als die finanziellen Mittel für die Fertigstellung knapp wurden, verkauften die Betreiber im Jahr 1966 600 Logen mit im Schnitt zehn Plätzen und 8000 weitere Sitze an Privatpersonen. Diese Käufer, die in der «Asociación Mexicana de Titulares de Palcos y Plateas» (AMTPP) – also dem mexikanischen Verband der Inhaber von Logen- und Tribünenplätzen – vereinigt sind, erhielten im Gegenzug für 99 Jahre freien Zugang zu allen Veranstaltungen im Stadion.
Somit dürfen sie auch die fünf WM-Spiele im mittlerweile noch 90'000 Menschen fassenden Stadion besuchen. Die FIFA hatte wenig überraschend etwas dagegen. Der Weltfussballverband wurde auch von Stadionbetreiber Ollamani unterstützt. Im September 2025 einigten sich die FIFA und Ollamani aber mit den Ticketbesitzern darauf, ihnen freien Zugang zu gewährleisten.
Danach versuchten die WM-Organisatoren aber, die Tickets deutlich unattraktiver zu machen. Unter anderem sollten die Zuschauerinnen und Zuschauer keine Verpflegung mitnehmen dürfen, wie es im Aztekenstadion eigentlich üblich ist. Ausserdem sollte ein Weiterverkauf der Tickets verboten werden und bei Widerhandlung das Recht auf Zutritt ins Stadion widerrufen werden. Die mexikanischen Gerichte erklärten diese Massnahmen aber als nicht rechtens.
Noch warten die Ticketbesitzer aber auf ihre Eintrittskarten, obwohl sie ihnen bis Mai versprochen wurden. Am Montag erklärte Roberto Ruano, Chef der AMTPP, dass ein Bundesrichter bereits einstweilige Verfügungen erlassen habe. Die FIFA und Ollamani müssten sich an die Einigung von 1966 halten. Ruano drohte gar, sich mit Gewalt Zugang zu verschaffen, falls dieser Entscheid nicht respektiert würde.
Nun erklärten die Stadionbetreiber gemäss mexikanischen Berichten, dass die 14'000 Tickets in den nächsten Tagen verschickt würden. Für die FIFA entsteht dadurch aber kein finanzieller Schaden. So muss Ollamani dem Weltverband die Kosten erstatten. Diese belaufen sich angeblich auf eine Milliarde Pesos oder umgerechnet gut 45,5 Millionen Franken.
Schon an der WM 1986, die ebenfalls in Mexiko stattgefunden hatte, versuchte die FIFA vergeblich zu verhindern, dass die Besitzer der Logen- und Tribünenplätze die Spiele kostenlos besuchen dürfen. Will sie das nicht erneut zulassen, sollte sie verhindern, dass vor 2065 ein weiterer Anlass in Mexiko-Stadt stattfindet. (nih)
