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Wicky führt YB zum Titel, so richtig zufrieden ist Bern trotzdem nicht

Raphael Wicky, coach of BCS Young Boys, looks his players, during the Super League soccer match of Swiss Championship between Servette FC and BSC Young Boys, at the Stade de Geneve stadium, in Geneva, ...
Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis Wicky mit YB den Gewinn der Meisterschaft klarmacht.Bild: keystone

Raphael Wicky führt YB zum Titel, so richtig zufrieden ist Bern trotzdem nicht

Heute Abend kann YB mit einem Sieg bei GC Schweizer Meister werden. Für Raphael Wicky, wäre es der erste Titel in seiner Trainer-Karriere. Trotzdem überwältigendem Vorsprung hält sich die Kritik am YB-Fussball hartnäckig. Warum ist das so? Nun verteidigen ihn die YB-Spieler.
25.04.2023, 06:35
Etienne Wuillemin / ch media
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Vielleicht fällt die Geburtstags-Feier für Raphael Wicky diesmal etwas feuchtfröhlicher aus als auch schon. Am Mittwoch wird Wicky 46 Jahre alt. So unüblich es auch ist, bereits vor Mitternacht mit den Feierlichkeiten zu beginnen, die Chancen stehen ziemlich gut, dass sich Wicky tatsächlich schon am Dienstag um kurz vor 22:30 Uhr in einer wilden Meute von Feierwütigen befinden wird. Dann nämlich, wenn YB heute Abend mit einem Sieg auswärts bei GC Schweizer Meister wird.

Der vorzeitige Meistertitel wäre das schönste Geburtstagsgeschenk für Wicky. Es wäre sein erster Titel bei den Profis. Ein lang ersehnter. Und einer, der viel Genugtuung mitbringt. Gleichwohl bleibt eine Frage vorerst unbeantwortet: Wird dieser Meistertitel das Ansehen von Wicky nachhaltig zum Positiven verändern? Noch immer hallt nach, dass er beim FCB ohne Titel entlassen wurde.

Die Eigenheiten dieser Super-League-Saison bringen es nun mit sich, dass die Leistungen von YB nicht durchwegs als berauschend empfunden werden. Ganz nach dem Motto: 19 Punkte Vorsprung nach 29 Runden? Ist doch easy, weil sonst ja niemand wirklich durchgehend überzeugt.

Wicky erfährt gerade, was früher in den grossen Basler Zeiten (achtmal Meister in Serie zwischen 2010 und 2017) viele FCB-Trainer durchmachen mussten. Gewinnen alleine genügt nicht, überzeugend muss es sein, gerne auch noch mit ­etwas Spektakel gewürzt. Zwei Unentschieden in Serie reichen schon zur gefühlten Krise. Christian Fassnacht sagt: «Das hat mich teilweise genervt. Wir dominieren die Liga, überzeugen im Cup und doch wurde begonnen, nach Problemen zu suchen. Da fragte ich mich manchmal: Ist das euer Ernst?»

YBs Jean-Pierre Nsame, links, und Christian Fassnacht im Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen den Berner Young Boys und dem FC Winterthur, am Sonntag, 29. Januar, im Wankdorf Stadion ...
Christian Fassnacht (rechts) könnte mit YB zum fünften Mal Schweizer Meister werden. Bild: keystone

Man sollte die Rolle des YB-Trainers gerade in einer Saison wie dieser nicht unterschätzen. Weil YB im Playoff um die Teilnahme an der Conference League gegen Anderlecht (im Penaltyschiessen) scheiterte, blieben die budgetierten europäischen Spiele aus. Darum musste Wicky plötzlich schauen, wie er all die hoch veranlagten Spieler bei Laune hielt.

Wie ist ihm das gelungen? Liga-Topskorer Cedric Itten sagt: «Wicky hat es menschlich sehr, sehr gut hingekriegt. Es ist nicht einfach, so viele Spieler zu haben, die alle gerne mehr Einsatzzeit hätten. Er nahm jeden auf seine Art und es gelang ihm, ein echtes Team zu kreieren.» Dazu sei es ihm gelungen, einen Mix zwischen Ernsthaftigkeit und Lockerheit zu pflegen.

YBs Cedric Itten jubelt nach seinem Tor zum 0-1, im Halbfinale des Schweizer Fussball Cups zwischen dem FC Basel 1893 und dem BSC Young Boys Bern, im Stadion St. Jakob-Park in Basel, am Dienstag, 4. A ...
Cedric Itten führt die Skorerliste der Super League an.Bild: keystone

Christian Fassnacht ergänzt: «Wicky ist ein Fussball-Fanatiker im positivsten Sinn des Wortes. Er ist nicht besessen, aber will alles verstehen. Die geringe Anzahl Gegentore zeigt, wie gut er uns auf die Gegner eingestellt hat. Zudem will er stets auch unsere Meinung hören und sich selbst verbessern. Er ist interessiert am Menschen hinter dem Spieler, will wissen, wie wir empfinden und denken.»

Wer das hört, wäre nicht überrascht, wenn Wickys Vertrag (läuft bis Sommer 2024) bald vorzeitig verlängert wird. (aargauerzeitung.ch)

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quelle: keystone / peter klaunzer
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32 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Tarek
25.04.2023 07:20registriert November 2015
Dem Titel kann ich als Berner deutlich widersprechen. Bern ist zufrieden mit Wicky. Es sind lediglich die Medien, welche irgendwelche Problem heraufbeschwören.
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Raber
25.04.2023 08:42registriert Januar 2019
Kann nicht bestätigen,dass Wicky bei den Fans auf grosse Kritik stösst. Klar, Anfang Saison gabs durchaus harzige Spiele,die kein Augenschmaus waren und da gabs sicher auch kritische Stimmen zum System,dass er spielen lässt (Raute). Aber die sind längst Verflogen. Wie der Bericht richtig feststellt, überzeugt auch sein Einsatzplan für seine Spieler. YB hat 4 sehr gute Stürmer,4 exellente Aussenbahn Spieler und auch sonst ein Kader,dass auf Doppelbelastung ausgerichtet ist. Er rotiert sehr gut,dass sich sicherlich rund 16 Spieler zum festen Kern mit Spielpraxis zählen können.
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Überdimensionierte Riesenshrimps aka Reaper
25.04.2023 08:35registriert Juni 2016
YB soll ja nicht Anfangen zu Baslern und Erfolgreiche Trainer in die Wüste zu schicken
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