«Wer so handelt, taugt nicht zum Vorbild» – das schreiben die Medien zum Fall Xhaka
«Tages-Anzeiger»
«Tages-Anzeiger»-Journalist Dominic Wuillemin wertet Xhakas Geständnis nicht als echte Reue, sondern als reine Schadensbegrenzung unter Druck – schliesslich habe er die Öffentlichkeit 2022 wissentlich belogen («Ja, ich bin geimpft»). Im Vergleich zu Novak Djokovic, der offen zu seiner Impfskepsis stand und Konsequenzen trug, habe Xhaka den feigeren Weg gewählt, obwohl ihm kaum echte Nachteile gedroht hätten.
Als Nationalspieler verdiene Xhaka eine zweite Chance, als Captain sei er wegen der beschädigten Vorbildfunktion aber nicht mehr tragbar.
Blick
Blick-Sportchef Emanuel Gisi anerkennt, dass Xhaka spät, aber immerhin von sich aus zu seinem Fehler steht – betont jedoch, dass eine Urkundenfälschung keine Bagatelle sei.
Zur Captain-Frage argumentiert er differenziert: Eine Vorstrafe disqualifiziere nicht automatisch, und Xhaka sei ohnehin der natürliche Chef der Mannschaft, ob mit Binde oder nicht – die Captain-Frage allein sei daher zu klein gedacht. Die eigentlich entscheidende Frage laute vielmehr, ob Xhaka überhaupt noch Teil der Nati sein soll, was Yakin und Sportchef Jurendic klären müssten.
Gisi erinnert zudem an Xhakas Solidaritätsbekundung mit dem wegen Kriegsverbrechen verurteilten Ex-Präsidenten Thaci und macht klar: Ein Instagram-Statement allein genüge nicht – Xhaka müsse mit Demut und Taten beweisen, dass die Negativschlagzeilen der Vergangenheit angehören.
NZZ
NZZ-Sportchef Sebastian Bräuer wählt einen gänzlich anderen Ansatz. Sein Kommentar dreht sich nicht im Grundsatz darum, ob Xhaka richtig oder falsch handelte oder ob er mit seinem Verhalten weiterhin eine Zukunft in der Nati hat.
Stattdessen kritisiert er, wie mit Impfskeptikern während der Pandemie umgegangen worden sei. Xhakas Aussage, dass er gegenüber dem Impfstoff tiefes Misstrauen empfand, sei keine Aussenseitermeinung gewesen. So wie dem Nati-Captain sei es vielen ergangen. Es wäre höchste Zeit für eine Aufarbeitung der Kommunikation während der Pandemie, die gesellschaftliche Gräben aufgerissen habe, findet Bräuer.
Auch wenn der NZZ-Sportchef findet, es sei richtig, dass Xhaka nun wohl verurteilt werde, hofft er, dass der Mittelfeldspieler weiterhin für die Nati auflaufen darf: «Es wäre aus sportlicher Sicht zu begrüssen und aus menschlicher Sicht zu respektieren.»
Internationale Presse
Die Meldung von Granit Xhakas Zertifikatsbetrug macht natürlich auch in den internationalen Medien die Runde. Die deutsche «Bild» schreibt davon, dass der Schweizer für einen «gewaltigen Paukenschlag» gesorgt hat.
Die britische «Sun» nimmt es wie so oft nicht besonders genau mit den Fakten. «Xhaka-Schock», titelt sie dramatisch und schreibt dann davon, dass dem Schweizer bis zu fünf Jahre Gefängnis drohen könnten. Auch wenn Urkundenfälschung in der Schweiz mit diesem Mass bestraft werden könnte, so ist das im Fall Xhaka äusserst unwahrscheinlich. Der Nati-Captain ist nicht vorbestraft und das Vergehen ist wohl geringfügig genug, dass er mit einer Busse davonkommt.
Im Podcast «Sports Uncensored» von Piers Morgan erhält Xhaka zudem Unterstützung vom englischen Fussballer Andros Townsend (ehemals Crystal Palace und Everton). Dass man «quasi gezwungen» worden sei, sich impfen zu lassen, egal wie die eigenen Überzeugungen oder eigenen Recherchen ausgesehen hätten, sei «bestenfalls fahrlässig» gewesen.
🫀 “I played for six months after the vaccine and got an irregular heartbeat!”
— Sports Uncensored (@SportsUncensrd) September 21, 2026
💉 “Did you get the jabs, Andros?”
🤐 “I plead the fifth!”
The panel discusses players being “forced” to get vaccines during COVID.
📺https://t.co/AR9oDuDgc0@andros_townsend | @jaybothroyd pic.twitter.com/FmvDmF4S73
(car/abu)
