SFV-Präsident Knäbel über Xhaka: «Hat gezeigt, wie ein Captain reagieren sollte»
Am heutigen Montagmorgen hat Nati-Captain Granit Xhaka zugegeben, dass er sich im Jahr 2022 eine Impfbestätigung erworben habe. Der 33-jährige Fussballer habe damals «tiefes Misstrauen gegenüber dem Impfstoff» empfunden und sei «von Ängsten und Verunsicherung geprägt» gewesen. Deshalb habe er sich zu dem Schritt entschieden. «Heute sehe ich klar, dass dieser Weg nicht richtig war», erklärte Xhaka in einem Statement, «es war ein Fehler. Das tut mir leid.»
Bei den vier Nations-League-Partien in den nächsten beiden Wochen wird der Mittelfeldspieler der Schweiz deshalb nicht zur Verfügung stehen. Dies haben Xhaka und der Schweizerische Fussballverband (SFV) gemeinsam entschieden. SFV-Präsident Peter Knäbel lobte den Schweizer Rekordspieler nun gegenüber dem SRF im Trainingslager im türkischen Belek für sein Verhalten.
«Er hat gezeigt, wie ein Captain auf so etwas reagieren sollte», erklärte Knäbel auf die Frage, ob Xhaka als Nati-Captain noch tragbar sei. Am Sonntag habe Xhaka die SFV-Verantwortlichen über den Vorfall informiert und gesagt, dass er das am heutigen Montag öffentlich machen wolle, berichtete Knäbel gegenüber dem Blick. Danach hätten die beiden Seiten das weitere Vorgehen besprochen. Xhakas Zukunft im Nationalteam werde hingegen erst zu einem späteren Zeitpunkt besprochen. «Wir haben das bewusst so entschieden, um alle Möglichkeiten offen zu halten.»
Am Freitag wurde bekannt, dass die Luzerner Staatsanwaltschaft gegen Xhaka wegen eines womöglich gefälschten Corona-Zertifikats ermittelt. Sein Sprecher erklärte in der Folge, dass Xhaka eine Bestätigung von der Ärztin habe, zweimal geimpft worden zu sein. Am heutigen Montag gab er dann hingegen zu, dass er diese Bestätigung illegal erworben hatte.
Auch Nati-Direktor Pierluigi Tami stärkte Xhaka den Rücken: «Ich bin froh, zu sehen, wie Granit heute reagiert und dass er die Verantwortung übernommen hat. Das war sehr wichtig.» Es sei auch für das Team wichtig gewesen, damit es das Thema nun vorerst abhaken könne und dieses während der nächsten beiden Wochen rund um die wichtigen Partien in der Nations League, die auch einen Einfluss auf die Auslosung der EM-Qualifikation haben werden, nicht dominieren werde.
Dass der Fall von Patrick Fischer als Vergleich herangezogen wird, ist für Knäbel nicht ganz verständlich. Fischer wurde im April als Eishockey-Nationaltrainer entlassen, nachdem er gestanden hatte, mit einem gefälschten Covid-Zertifikat zu den Olympischen Spielen 2022 gereist zu sein. Zunächst hielt der Verband noch an ihm fest, aufgrund des öffentlichen Sturms wurde Fischer dann vor seiner letzten WM als Nati-Trainer doch noch entlassen.
«Ich sehe vor allem grosse Unterschiede», befand Knäbel nun und führte aus: «Granit hat die Impfbestätigung nicht gebraucht, um bei einem Turnier wie den Olympischen Spielen teilzunehmen. Auch für die Länderspiele benötigte er es nie.» Der SFV habe damals eine Impfempfehlung, aber keine Impfpflicht, vorgegeben. «Der Fall ist völlig anders gelagert», so Knäbel. Als Fischer mit der Schweiz nach Peking gereist war, setzte Olympia-Gastgeber China eine vollständige Impfung voraus. Alternativ konnten die Athletinnen und Athleten auch mehrere Wochen in Quarantäne verbringen, um teilnehmen zu können.
Tami betonte ebenfalls: «Sein Entscheid, sich nicht impfen zu lassen, war Privatsache.» Weder vom SFV, noch in der Premier League oder bei der WM 2022 wurde die Impfung als Pflicht vorgegeben. «Sein Fehler war es, dass er gelogen hat», erklärte Tami, wiederholte aber: «Wichtig ist, dass er sich jetzt entschuldigt hat.»
Tami ist schon lange ein Weggefährte Xhakas. 2011 war der Tessiner Trainer der Schweizer U21-Nati um Xhaka, die den EM-Final erreichte. Ende Monat tritt er von seinem Amt beim Schweizer Fussballverband zurück. (nih)
