Nati alleine in Amerika? So wenige Fans reisen aus der Schweiz an die WM-Spiele
Wenn sich eine Fangruppe die Reise an die WM 2026 in die USA leisten kann, dann jene aus der Schweiz, oder? Nun, die Lust auf den Übersee-Trip, um Xhaka und Co. live vor Ort zu unterstützen, hält sich im viertreichsten Land der Welt (BIP pro Kopf) in Grenzen. Auch aus finanziellen Gründen, schliesslich ist das Gesamtpaket aus Flügen, Hotels und Tickets für alle Gruppenspiele nicht unter einem fünfstelligen Betrag zu haben. Aber nicht nur: Bei der Reiseagentur des Schweizer Fussballverbandes verzichteten viele Stammkunden, bei denen Geld keine Rolle spielt, auf eine Buchung. Wegen der komplizierten Einreise, den riesigen Distanzen, Sicherheitsbedenken und moralischen Zweifeln wegen Donald Trumps Innen- und Aussenpolitik.
Kurz vor dem ersten Gruppenspiel gegen Katar werden die offiziellen Zahlen bekannt: Nach San Franciso, Schauplatz des ersten Schweizer WM-Ernstkampfs, sind gemäss Schweizer Fussballverband (SFV) 1600 Nati-Unterstützer aus der Schweiz angereist. Darunter die Familien und Freunde der Spieler und Nati-Betreuer, SFV-Angestellte und Sponsoren. Wie viele der 1600 «nur» Mitglied des Fanclubs sind und keine persönliche Beziehung zur Nati haben, ist nicht bekannt – es dürften etwas mehr als die Hälfte sein.
1600: Der SFV ordnet die Zahl auf Nachfrage von CH Media im Bereich ein, den man nach der Anzahl und Art der Rückmeldungen in den vergangenen Monaten erwarten konnte. «Immerhin», lautet die Devise. Bilder wie an der EM 2024, als die Nati-Fans in Deutschland teilweise das halbe Stadion in ein rot-weisses Meer verwandelten, waren sowieso Wunschdenken. Aber an die WM 2022 in Katar, die wegen Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberland schwer in der Kritik stand, reisten mehr Nati-Fans als dieses Jahr.
Alle 1600 Anhänger aus der Schweiz haben ihre Karten via SFV gekauft. Pro Partie erhielt der Fussballverband zwischen 3000 und 4000 Tickets zum Verkauf, je nach Grösse des jeweiligen Stadions. Rund die Hälfte ging wegen Nicht-Gebrauch zurück an die FIFA.
Bei der Frage, was das für die Stadion-Auslastung der Schweizer Spiele bedeutet, tappt auch der SFV im Dunkeln: Weder gibt es Anhaltspunkte, wie viele der 40'000 Exil-Schweizer in Kalifornien sich die Spiele an der Westküste anschauen werden. Noch gibt die FIFA bekannt, wie viele Tickets insgesamt für die einzelnen Spiele verkauft wurden. 68'500 Plätze fasst das Levi's Stadium in San Francisco – volle Ränge bei Schweiz-Katar wären eine grosse Überraschung.
Für die weiteren Spiele gegen Bosnien-Herzegowina (in Los Angeles) und Kanada (in Vancouver) reisen gemäss SFV 2200 beziehungsweise 2000 Personen aus der Schweiz an. Und interessant ist auch, wieviele Tickets der Verband für allfällige K.o.-Spiele der Nati verkauft hat: 5300. Das tönt angesichts von bis zu fünf möglichen K.o-Varianten nach mehr, als es effektiv ist. Aber es bedeutet auch, dass praktisch alle Nati-Fans, die schon beim WM-Aufakt gegen Katar im Stadion dabei sind, mit dem Weiterkommen rechnen. (aargauerzeitung.ch)
