Wer ersetzt Granit Xhaka? Das sind die fünf Kandidaten
«Wenn ich mir auf einer Position keine Sorgen machen muss, dann im zentralen Mittelfeld.» Das sagte Murat Yakin vor einer Woche noch bei der Kaderbekanntgabe. Seither ist jedoch einiges passiert: Captain Granit Xhaka hat seinen Impf-Schwindel eingeräumt und setzt deshalb in den ersten vier Spielen der Nations League aus. Ein möglicher Ersatz, Denis Zakaria, musste sich wegen einer Verletzung kurzfristig abmelden.
Klassisch «schlecht gealtert» ist Yakins Aussage trotzdem nicht. Noch immer stehen dem Schweizer Nationaltrainer mehrere Spieler zur Verfügung, die an der Seite des normalerweise gesetzten Remo Freuler auflaufen können. Gesucht ist einer, der wie Xhaka stets die Übersicht behält und die Bälle verteilen kann. Das sind die Kandidaten:
Ardon Jashari – der Gebremste
Er gilt schon lange als prädestinierter Nachfolger von Granit Xhaka – spielerisch, aber auch in Bezug auf dessen Leaderrolle. Ardon Jashari machte 2024 den Schritt ins Ausland und brillierte bei Brügge derart, dass er gleich mehrere Auszeichnungen gewann. Unter anderem wurde er zu Belgiens Spieler des Kalenderjahres 2025 gekürt, obwohl er im Sommer zur AC Milan gewechselt war.
Allerdings konnte sich der 24-Jährige seit seinem Wechsel in die Serie A nicht wie gewünscht weiterentwickeln. Zunächst wurde er von einem Wadenbeinbruch ausgebremst, doch auch danach konnte er sich nie über längere Zeit als erste Wahl etablieren. Der 41-jährige Luka Modric steht ihm weiterhin im Weg. Auch in dieser Saison stand Jashari nur im ersten Spiel in der Startelf, zuletzt blieb er gar zweimal ohne Einsatz.
An der WM in Nordamerika setzte Yakin im Achtelfinal gegen Kolumbien von Beginn an auf Jashari, allerdings in einer offensiveren Rolle. Zur Pause wechselte er ihn wieder aus. Dennoch hatte der Trainer schon vor den Ereignissen rund um Xhaka angekündigt, Jashari, der «sehr weit ist und im Training immer volle Leistung gibt», in der Nations League auch einmal von Beginn an einsetzen zu wollen.
Michel Aebischer – die Allzweckwaffe
Er gehört meistens zu den Kandidaten für die Startaufstellung – fast egal, auf welcher Position. Auf den stets teamorientiert arbeitenden Michel Aebischer ist Verlass, das schätzt Murat Yakin am Freiburger und vertraut ihm immer wieder in wichtigen Spielen. So übernahm Aebischer an der EM in Deutschland eine wichtige Rolle und schaffte es auch beim Startspiel der WM im Sommer in die Startaufstellung.
Gegen ihn spricht, dass Yakin die Nations League gerne nutzt, um Neues zu testen. Beim 29-Jährigen, der neu für Union Berlin in der Bundesliga spielt, weiss der Nationaltrainer hingegen genau, was er bekommt.
Djibril Sow – der Flexible
Ähnlich verhält es sich bei Djibril Sow, der wie Aebischer 29 Jahre alt ist. Auch der Zürcher, der seit dieser Saison bei Genua in der Serie A tätig ist, ist polyvalent einsetzbar. An der WM setzte Yakin ihn mehrmals als flexiblen Spieler auf der Seite ein, der immer wieder ins Zentrum rücken sollte, um dort eine Überzahl zu generieren. So auch im Viertelfinal gegen Argentinien, als Ruben Vargas angeschlagen war.
Vargas ist aufgrund einer Verletzung bei diesem Zusammenzug nicht dabei. Möglich also, dass Sow wieder eher eine Rolle wie an der WM zukommt, als dass er im defensiven Mittelfeld eingesetzt wird.
Fabian Rieder – der Suchende
Wie Djibril Sow wäre auch Fabian Rieder eine Option für die Seite. Der Berner hat mehrmals bewiesen, dass er diese Rolle ausfüllen kann. Doch bei Augsburg hat sich inzwischen klar gezeigt, wo er sich am wohlsten fühlt: im Zentrum. Seit der 24-Jährige von der offensiveren Rolle als Zehner eine Position zurückgenommen wurde, hat er sich als Leistungsträger mit der Captainbinde am Arm etabliert. So war er auch beim Auftakt in diese Bundesliga-Saison mit drei Assists und einem Tor in jeder Partie mindestens einmal an einem Treffer beteiligt.
Im Nationalteam hatte Rieder bisher stets eine der offensiveren Rollen inne, konnte sich aber in keiner nachhaltig etablieren. Vielleicht wird Yakin nun auch versuchen, Rieder im Zentrum zu lancieren.
Vincent Sierro – der Rückkehrer
Er gehörte bei der Bekanntgabe des WM-Kaders zu den grossen Verlierern: Vincent Sierro, der seit März 2024 bei jedem Zusammenzug dabei war, wurde nicht mit nach Nordamerika genommen. Ihm dürfte letztlich der Wechsel in die saudi-arabische Liga zum Verhängnis geworden sein.
Seit September steht Sierro beim Serie-A-Klub Parma unter Vertrag und ist somit wieder in einer europäischen Liga tätig. Mit diesem Argument hat es der bald 31-Jährige zurück ins Nationalteam geschafft – wenn auch verspätet. Er wurde nachnominiert, nachdem die Ausfälle von Xhaka und Zakaria bekannt geworden waren.
Für Yakin, der immer wieder die Spielintelligenz des Wallisers hervorhebt, ist Sierro eine sichere, wenn auch weniger zukunftsorientierte Variante. Er wiederum möchte dem Trainer beweisen, dass seine Nicht-Nomination im Sommer ein Fehler war. (riz/sda)
