Weshalb Norwegen seine Stars gegen Frankreich auf der Bank liess
Weltfussballer Ousmane Dembélé war die grosse Figur beim 4:1-Sieg von Frankreich gegen Norwegen. Der Ausnahmekönner von Paris Saint-Germain schoss noch in der ersten Halbzeit die ersten drei Tore der Bleus – jedes einzelne war eine Pracht.
Norwegen und Frankreich war der Einzug in die Sechzehntelfinals schon nach zwei Runden nicht mehr zu nehmen. Doch ein echtes Duell um den Gruppensieg gab es in Foxborough bei Boston nicht.
Der norwegische Trainer Stale Solbakken entschied sich, all seine Stars um Tormaschine Erling Haaland und Spielmacher Martin Ödegaard draussen zu lassen. Auf zehn Positionen veränderte er seine Startelf. Nur der rechte Verteidiger Fredrik Aursnes durfte – oder musste? – erneut in die Hosen. Haaland und Ödegaard sassen 90 Minuten lang auf der Bank. «Das war ein No-Brainer», sagte Solbakken nach der klaren Niederlage beim norwegischen Fernsehsender NRK. Das einzige Argument dagegen wäre gewesen, dass die Fans Haaland und Ödegaard hätten sehen können. «Aber das würde die Weltmeisterschaft auch nicht verlängern.»
Nächstes Spiel schon am Dienstag
Entweder glaubte Solbakken nicht daran, dass auch sein bestes Team gegen einen der WM-Topfavoriten eine Chance hat. Oder er hat den Turnierbaum studiert und Rang 2 als annehmbar taxiert. Nun kommt es zum Auftakt in die K.o.-Phase zum Duell mit der Elfenbeinküste, im Falle eines Siegs warten Brasilien oder Japan. Der Gruppensieger Frankreich trifft auf einen Gruppendritten (wohl Schweden), im Achtelfinal könnte es zum Duell mit Deutschland kommen.
Diese nächste Partie Norwegens findet bereits am Dienstag statt, also nach bloss drei Ruhetagen. Zudem steht eine vierstündige Flugreise von Boston nach Dallas an. Diese verhältnismässig kurze Pause war der Hauptgrund dafür, dass Solbakken sein Team derart umgekrempelt hat. Die Stammspieler sollten sich erholen können, um bereit zu sein, wenn es wirklich zählt. Dafür kamen Akteure der zweiten Garde zum Handkuss.
Am Ende entscheidet der Totomat
Die Veränderungen hatte Solbakken gleich direkt nach dem 3:2-Sieg gegen Senegal angekündigt. «Alle Spieler waren in den letzten zehn Minuten fast vor Krämpfen am Boden», sagte er. Angesichts der Strapazen werde er «hundert Prozent sicher einige Wechsel» vornehmen müssen.
Stale Solbakkens Entscheidung kann ebenso hundertprozentig nachvollzogen werden. Geht die Taktik mit der Schonung auf, hat er alles richtig gemacht. Wenn nicht, werden die Kritiker rasch zur Stelle sein: Haaland und Co. sei unnötig der Rhythmus gebrochen worden; ein WM-Spiel nicht ernst zu nehmen, sei eine Todsünde; und sich den nächsten Gegner aussuchen zu wollen, sei höchst arrogant.
Um es mit Sion-Präsident Christian Constantin zu sagen: Am Ende entscheidet der Totomat. Frankreich war nur ein Testspiel. Ernst gilt es für Norwegen am Dienstag (19 Uhr, Schweizer Zeit) gegen die Elfenbeinküste. Dann mit ziemlicher Sicherheit wieder mit allen Stars.
