Warum Sascha Amhof die perfekte Besetzung als Schiedsrichter-Experte ist
Praktisch jeder Fussballfan kennt es: Nach einer strittigen Strafraumszene gehen die Meinungen auseinander. Jeder ist überzeugt, recht zu haben.
Zum Glück gibt es Sascha Amhof. Der ehemalige Spitzenschiedsrichter und heutige Leiter des Ressorts Schiedsrichter beim Schweizerischen Fussballverband ist zum vierten Mal an einem grossen Turnier für das SRF als Schiri-Experte dabei. An der laufenden Weltmeisterschaft kommt Amhof aber deutlich öfter zu Wort als früher.
Da ausser Sascha Ruefer noch kein weiterer SRF-Kommentator in Nordamerika ist, arbeitet der 46-Jährige in derselben Kabine wie der Reporter, der die Partie kommentiert.
Das ermöglicht schnelle Einordnungen unmittelbar nach strittigen Szenen. Innert Sekunden ordnet Amhof die Entscheidungen des Schiedsrichters ein. Auch wenn ein Kommentator sich nicht ganz sicher ist, kommt der Schiri-Experte zu Wort und begründet in wenigen und einfachen Sätzen, was gerade passiert ist.
Amhof ist die perfekte Besetzung für diesen Job, nicht nur, weil er seine Erfahrung und sein Wissen verständlich vermittelt. Statt mit Fachbegriffen um sich zu werfen, formuliert Amhof so, dass auch ein Zuschauer, der sich nicht oft mit Fussball beschäftigt, versteht, weshalb so und nicht anders entschieden wurde.
Der wohl grösste Pluspunkt bei Amhof ist aber, dass er auch die Leistungen und Entscheidungen der Unparteiischen auf dem Platz neutral bewertet. Anders als manche Schiri-Experten scheut sich Amhof nicht, auch Fehlentscheide klar zu benennen.
Das jüngste Beispiel ist das frühe deutsche Tor im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador. Wenige Sekunden, bevor Leroy Sané souverän verwandelt, wird ein Spieler von Ecuador vom Schuh von Alexander Pavlovic im Gesicht getroffen. «Das geht nicht, das ist ein klares Vergehen», sagt Amhof, als die Zeitlupe gezeigt wird. Seine Prognose: «Ich denke, dieses Tor wird nicht zählen.» Doch es zählt.
In der Halbzeitpause wird die Szene nochmals analysiert und Amhof kann nicht verstehen, warum der Treffer zählt. «Es war für mich ein sonnenklares Foul. Zwei Dinge sind dabei entscheidend: Die Schiedsrichterin hat eine gute Sicht auf die Szene. Sie muss das sehen und entsprechend sanktionieren. Und dann gibt es den VAR: Wo dieser war, ist mir schleierhaft», sagt der ehemalige Super-League-Schiedsrichter.
Es ist ein Paradebeispiel dafür, weshalb Sascha Amhof an dieser Weltmeisterschaft überzeugt. Er erklärt den Fall schnell, einfach und sympathisch – und die Diskussionen mit den Freunden sind vorbei. Rein theoretisch jedenfalls …
