70-Millionen-Transfer Manzambi – plötzlich gehen die Gegner ganz anders auf ihn los
Als sich der Abend in Luzern dem Ende zuneigt, macht sich Johan Manzambi an die Aufarbeitung dieses 2:1 gegen Slowenien. Im Hintergrund wummern die Bässe, manch ein Schweizer Fan gönnt sich noch einen Siegestrunk.
Der erste Auftritt der Nati auf heimischem Boden seit der WM ist vorbei. Berauschend war er nicht. Aber erfolgreich. Das ist die eine Hauptsache. Und die andere: Manzambi ist gesund. Das ist nach dieser Partie nicht ganz selbstverständlich. Denn Manzambi muss gegen die Slowenen einige rüde Fouls einstecken. So, wie er das schon am letzten Dienstag in Schottland erlebte.
«Alles gut!», versichert der 20-Jährige darum als Erstes mit breitem Lachen. Und antwortet auf die Frage, ob er denn noch an sein Knie denke, das er sich an der WM verletzte und darum Achtel-, wie Viertelfinal verpasste: «Non, non, non! Das Knie ist gut geheilt, ich kann ohne jegliche Schmerzen spielen. Und selbst wenn ich Schläge erhalte, denke ich nicht mehr an die Verletzung.»
Gegner sehen Manzambi mit anderen Augen
Manzambi erlebt gerade, wie ihn die Gegner plötzlich mit anderen Augen sehen. Er ist nicht mehr der unbekannte Emporkömmling. Sondern der 70-Millionen-Transfer, der Schweizer Unterschiedsspieler. Und darum auch: der Mann, den es besonders in die Mangel zu nehmen gilt. Es ist eine spannende Frage, wie er damit in Zukunft umgeht.
Klar ist: Seine Spielweise, die vielen Dribblings, auch auf engstem Raum, birgt die Gefahr, von Gegnern hart angegangen zu werden. So sehr, dass auch der Nationaltrainer manchmal Angst um Manzambis Gesundheit hat?
Als Murat Yakin nach dem Sieg zu Manzambi befragt wird, sagt er: «Johans Spielstil ist es, die Dribblings zu provozieren, so kommt er an den Gegnern vorbei. So begeistert er die Zuschauer und auch uns. Er ist ein begnadeter Spieler. Ich denke, dass er von den Schiedsrichtern geschützt werden muss. Klar, er ist noch jung. Er muss Erfahrungen machen, seinen Weg finden und sich nicht provozieren lassen.»
Yakins Antwort hat eine Kernbotschaft: Manzambi soll seine Spielart auf keinen Fall ändern. Gefordert sind die Schiedsrichter. Seine Gegenspieler dürften gerne in Zukunft auch einmal eine rote Karte erhalten. Und nicht wie Schotten und Slowenen mit Gelb davonkommen. Gleichwohl wird Manzambi einen Weg finden müssen, nicht zur permanenten Zielscheibe der Gegner zu werden. Heisst: Dribblings ja, aber so, dass es nicht aufreizend oder gar arrogant wirkt. Und im Zweifel lieber schnell wieder aufstehen, ohne sich allzu lange am Boden zu wälzen.
Hätte die Schweiz den WM-Viertelfinal mit Manzambi gewonnen?
Wer Manzambi in diesen Tagen zuschaut, der kommt nicht herum, noch einmal an die WM zurückzudenken. Und einen Fluch in Richtung Himmel auszustossen: Warum nur diese Knieverletzung ausgerechnet vor den grössten Spielen der Schweizer Fussballgeschichte? Was wäre gegen Argentinien im Viertelfinal mit Manzambi noch möglich gewesen?
Wie denkt Manzambi selbst darüber? Er wiegelt ab: «Ich habe kein Bedauern, was an der WM war. Verletzungen kommen häufig zu einem schlechten Moment – so ist das im Fussball. Ich habe trotzdem versucht, die Mannschaft zu pushen und bin positiv geblieben.»
Die gute Nachricht: Es muss nicht die letzte Gelegenheit gewesen sein, Grosses zu erreichen. Auch Manzambi selbst sieht das so. Auf die Frage, welche Ziele er mit der Schweiz denn verfolge, antwortet er mit dem Schalk eines 20-Jährigen: «Das Ziel ist doch immer, jeden Titel zu gewinnen, den es gibt.»
Bei Aston Villa hat Manzambi bereits einen Fansong
Nach der Nati-Pause geht es für Manzambi darum, sich bei Aston Villa festzubeissen. «Es haben mich alle sehr gut aufgenommen», erzählt er, «nun hoffe ich, eine ähnlich erfolgreiche Saison zu haben wie mit Freiburg.» Mit seinem alten Team bestritt er den Europa-League-Final gegen sein neues Team.
Man darf gespannt sein, ob Manzambi die Anpassung ans neue Umfeld auf Anhieb gelingt. Über die Premier League sagt er: «Eine Liga mit sehr viel Intensität.» Der Start ist jedenfalls geglückt. Gleich im ersten Spiel von Beginn an gegen Tottenham glückten Manzambi ein Tor und ein Assist. Und die Fans widmen ihm bereits einen eigenen Song.
In den ersten vier Liga-Spielen ohne ihn (als die Knieprellung noch nicht ganz ausgeheilt war) gewann Aston Villa hingegen nur einen Punkt. Der Druck auf das Team wird darum in den kommenden Wochen hoch sein. Gleich neun Spiele stehen in den vier Wochen bis zum nächsten Nati-Zusammenzug an. Sie werden einen ersten deutlichen Hinweis darauf geben, ob Manzambis Weg weiterhin so steil aufwärts geht wie bis anhin.
Zunächst einmal steht am Dienstag aber noch ein weiteres Nations-League-Spiel an. Nordmazedonien gastiert in Luzern. Für Manzambi die vielleicht perfekte Gelegenheit, um noch einmal gute Gefühle zu sammeln vor dem «echten» Start bei Aston Villa. (schweizheute.ch)
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