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EM 2024: 5 Dinge, um die wir Deutschen die Schweiz beneiden

Torhueter Yann Sommer, aufgenommen bei einer Pressekonferenz der Schweizer Fussball Nationalmannschaft im Vorbereitungscamp zur Europameisterschaft, am Sonntag, 2. Juni 2024, in St. Gallen. (KEYSTONE/ ...
Hat die Haare schön: Nati-Goalie Yann Sommer.Bild: keystone

5 Dinge, um die wir Deutschen die Schweiz beneiden – was wir natürlich nie zugeben würden

Die Schweiz trifft bei der EM am Sonntag (21 Uhr) auf Deutschland. Aus sportlicher Sicht hat unser Kollege von watson.de Mitleid mit uns. Er will aber ein guter Gastgeber sein. Und schickt mit diesem Text herzliche Grüsse!
22.06.2024, 06:21
Sven Fröhlich / Watson.de
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Der deutsche Satiriker Jan Böhmermann meinte einmal, dass man, «wenn es hart auf hart kommt», mit einem Panzer in 30 Minuten in Salzburg sei. Dieser Satz ist aus gleich mehreren Gründen eine Frechheit.

Denn die Schweiz ist natürlich nicht Österreich, das wissen sogar wir ignoranten Deutschen, und logischerweise haben unsere beiden lieben Nachbarn ein unverletzliches Recht auf ihre Souveränität. Und trotzdem bleibt hierzulande der Eindruck – don't shoot the messenger! –, dass die Schweiz ja irgendwo auch nur der kleine, reiche, schrullige und konservative Bruder Deutschlands ist.

«Wenn Deutschland wieder mal verkackt, dann bin ich für die Schweiz», singt der deutsche Content-Creator Paulomuc in «Füllkrug», einem unserer vielen inoffiziellen EM-Songs, und das Schweizer Exportprodukt Aditotoro antwortet: «Wenn die Schweiz es nicht geschissen kriegt, zieh' ich nach Österreich.» Wir lernen: Potato, potato; tomato, tomato.

Stichwort «Potato»: DFB-Star Florian Wirtz bewertet Kartoffeln.Video: YouTube/NeviiX™

Tatsächlich aber, und vielleicht ist das der Grund für unsere Arroganz, sind wir auf manche Sachen von euch einfach nur neidisch. Nicht nur auf die Wes-Anderson-Landschaften und Schokolade. Ihr seid für uns mehr als die billige Pointe eines schlechten Gags über Steuervermeidung.

Hier kommen fünf Dinge, um die wir Deutschen euch Schweizer wirklich beneiden. Auch wenn wir es natürlich nie zugeben würden.

Schweizerdeutsch

Letztens hat uns ein Video über die binneneuropäische Grenze erreicht, das schon etwas älter ist, aber das braucht hier bei uns manchmal etwas länger wegen Netzausbau und Digitalisierung und so. Dieses Video, das euch bereits hinlänglich bekannt sein dürfte, hat doch einige Fragen aufgeworfen. An der WM 2022 hatte die Schweiz mit 1:6 gegen Portugal verloren und Manuel Akanji, den wir wiederum um sein Kopfrechnen beneiden, verstand die Frage des SRF-Reporters Jeff Baltermia partout nicht. «Erliechterig?» «Ernüchterig?» «Erniechterig?» Ah. «Ernüchterung!» Erst durch den kleinsten gemeinsamen Nenner Deutsch konnte der Basler Dialekt von Baltermia dechiffriert werden.

Nun könnte man sagen: Warum nicht gleich so? Wir aber sagen: toll! Die beiden sind knapp 100 Kilometer voneinander entfernt geboren, sprechen aber völlig verschiedene Sprachen. Musik für unsere Ohren, die als Dialekte mit hemdsärmeligem Bayerisch oder bräsigem Sächsisch vorliebnehmen müssen. Schweizerdeutsch klingt liebenswert und knuffig. Auch und gerade als Dialekt im Deutschen. Kann man überhaupt auf Schweizerdeutsch schimpfen?

Gregor Kobel

Wir können uns hierzulande einfach nicht darauf einigen, ob unser Torwart Manuel Neuer nun noch Luftschutz oder schon Luftikus ist, und ob nicht vielleicht doch Marc-André ter Stegen, der König Charles unter den Rückhalten, die ewige Nummer Eins entthronen sollte. Wenn sich zwei streiten, freut sich für gewöhnlich der Dritte, allerdings ist der Leistungsabfall dahinter doch zu gross, deswegen würden wir uns gerne Gregor Kobel wünschen, den besten Torwart der Bundesliga. Bei euch spielt er ja sowieso nicht. (Und warum regt sich in der Schweiz niemand deshalb auf?)

epa11403515 Switzerland goalkeepers Gregor Kobel, front, and Yann Sommer participate during a training session of the national team in Stuttgart, Germany, 11 June 2024. The Swiss national soccer team  ...
Sommer schaut zu, wie sich Stellvertreter Kobel anstellt.Bild: keystone

Die Schweizer Lebensart

Die Schweizer, das entnehmen wir der Lektüre der «NZZ», bei Martin Suter und Christian Kracht, scheinen doch ein recht konservatives Völkchen zu sein, deswegen aber ein tugendhaftes (und obendrein ein zumindest bilinguales).

Wir sind neidisch, manche sprechen hier ja nicht einmal richtig Hochdeutsch (siehe oben). Auch wir würden uns zudem manchmal mehr von dem Selbstverständnis wünschen, das man wohl nur durch direktdemokratische Mitgestaltung bekommt. Ein bisschen mehr Dezenz und protestantische Bescheidenheit, mit einem antiquierten Charme in all der Niedlich- und Beschaulichkeit.

Swiss fans celebrate before during a Group A match between Scotland and Switzerland at the Euro 2024 soccer tournament in Cologne, Germany, Wednesday, June 19, 2024. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Zurückhaltung? Schweizer Fans mit klaren Ansagen in Richtung Schottland.Bild: keystone

Die Flagge

Quadratisch, praktisch, gut. Ein zeitloser Klassiker. Das Rote Kreuz als Gegenstück, gute Sache. Einfach ein grosses Plus.

Tourismus-Werbung mit Trevor Noah und Roger Federer

Gleich zwei deutsche Sehnsüchte werden hier in einem einzigen Werbespot für die Schweizer Tourismusbehörde bedient. Der Kosmopolitismus des ehemaligen US-Talkshow-Host Trevor Noah. Und die Eleganz des Tennis-Gentlemans Roger Federer. Der Oscar-prämierte Regisseur Tom Hooper inszenierte diesen knapp dreieinhalb Minuten langen Film unter dem Titel «The Grand Train Tour of Switzerland – The Ride of a Lifetime».

Federer und Noah zeigen der Welt, wie schön die Schweiz ist.Video: YouTube/MySwitzerland

Auch Anne Hathaway und Robert De Niro hatten zuvor mit Roger Federer für die Schweiz geworben. Wir fragen uns: Warum wollen eigentlich keine Hollywood-A-Lister für Deutschland Werbung machen? Und wieso muss eigentlich noch Werbung für euer so lächerlich schönes Land gemacht werden?

Jetzt ist es raus, wir sind blass vor Neid. Neidisch auf den Reichtum und die Sicherheit. Auf die hohen Löhne, auf die guten Arbeitsbedingungen, die stabile Wirtschaft und die Haare von Yann Sommer. In dem Sinne möchten wir uns auch einfach einmal bedanken, von Herzen. Für Hazel Brugger, die lustigste Frau in Deutschland, für Wilhelm Tell und Heidi, Bruno Ganz und Albert Einstein.

Und für die drei Punkte am Sonntag.

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51 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Habedi
22.06.2024 07:00registriert Januar 2016
In dem Werbeclip wird suggeriert, dass man im falschen Zug einfach das richtige Ticket kaufen kann. Liebe Touristen: ihr werdet als poilitische Gefangene enden, wenn euch das passiert. Lasst euch nicht täuschen!
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Chuchichäschtli
22.06.2024 06:58registriert März 2022
Definitiv nicht genug Sülze dass die Schweiz am Sonntag den Schwoben freiwillig drei Punkte abgeben wird.
Schliesslich haben wir ja über die Hälfte Söldner aus der Bundesliga im Repertoire.
Zu den Fluchwörtern hatten wir sogar mal einen Troubadour der konnte sogar singend fluchen.
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Ovolover
22.06.2024 08:20registriert März 2016
Apropos Sprache: Ich kann die Angst vor dem "oh mein Gott, ich hab einen Akzent" nicht verstehen. Wie Sven sagt, Schwaben haben einen, Bayern haben einen, wir haben einen.

Liebe Miteidgenossen, quatsch drauf los und traut euch Hochdeutsch zu sprechen, die Deutschen lieben es!
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