Mutmacher für Musiala: Skispringer holte mit Epilepsie Olympiagold
Nach gleich zwei Zusammenbrüchen auf dem Platz machte Jamal Musiala reinen Tisch. Am Dienstagabend meldete sich der Spieler des FC Bayern München bei Instagram und teilte mit: «Es wurden bei mir temporär kurz auftretende, aber gut behandelbare Absencen festgestellt, welche auf eine neurologische Dysfunktion zurückzuführen sind.» Heisst: Der 23-Jährige leidet an einer Form der Epilepsie.
Kurz zuvor war Musiala beim Testspiel gegen den 1. FC Heidenheim wenige Minuten nach seiner Einwechslung auf dem Platz zusammengebrochen. Schon wenige Tage zuvor war dies auch im Spiel gegen RB Leipzig vorgekommen. Die Absencen «können zu den zuletzt vorgekommenen Momenten führen, wie gegen Leipzig oder auch jetzt in Heidenheim», erklärte Musiala. Er sei «in bester medizinischer Behandlung», es bestehe «kein darüberhinausgehendes gesundheitliches Risiko», schrieb Musiala.
Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete, soll der Verein aktuell aber kein Karriereende Musialas fürchten. Dass eine erfolgreiche Sportkarriere auch mit Epilepsie möglich ist, bewies in der Tat schon ein anderer Deutscher: der Skispringer Severin Freund.
Freund wurde in der Saison 2014/2015 Gesamtweltcupsieger, gewann dreimal WM-Gold und 2014 bei den Olympischen Spielen ebenfalls Gold im Team. Erst nach seinem Karriereende im Jahr 2022 machte Freund öffentlich, dass er an fokaler Epilepsie leidet.
«An dem Tag war ich in einer Art Schockstarre»
«Ich hatte meinen ersten Anfall im Sommer 2004, nachts, mit 16 Jahren», sagte Freund 2024 im Interview mit der «Welt». «Meine Eltern und mein Bruder bekamen es mit, und dann war helle Aufruhr. Keiner wusste, was los war. Unser Hausarzt kam von nebenan schnell rüber und bekam noch die Phase mit, in der ich nicht sofort reagibel war», so Freund weiter. «An dem Tag und danach war ich in einer Art Schockstarre, fühlte mich verloren. Auf so etwas ist man nicht vorbereitet.»
Freund fürchtete um seine Karriere. Nach einem weiteren Anfall wurde er im Jahr 2006 erneut untersucht. «Im Krankenhaus in München fiel dann ein Satz, der sich eingebrannt hat: ‹An Leistungssport ist überhaupt nicht zu denken. Bei Herrn Freund geht es darum, dass er ein geregeltes Leben führen kann›», erinnerte sich der Ex-Skispringer. Doch nach weiteren umfangreichen Tests sei herausgekommen, dass ein Anfall tagsüber sehr unwahrscheinlich sei und er Sport machen dürfe.
Dennoch begleitete ihn die Krankheit die ganze Karriere hindurch: «Ich hatte immer wieder Anfälle, allerdings nur aus dem Schlaf heraus. Es scheint bei mir so zu sein, dass ich im Abstand von sechs bis 24 Monaten ein Fenster von etwa zwei Wochen habe, in denen ich Anfälle habe. Dann ist es einer oder sind es bisher maximal drei. Danach habe ich wieder Ruhe», beschrieb es Freund.
«Wollte nicht permanent danach gefragt werden»
Öffentlich gemacht hat Freund die Erkrankung bewusst erst nach der Karriere. «Einerseits, weil es etwas sehr Persönliches ist und es mir immer wichtig war, dass es um den Sport geht. Und auch, weil bei schlechteren Leistungen vielleicht immer die Vermutung gewesen wäre, dass es an der Erkrankung liegt», erklärte Freund seine Beweggründe. «Ich wollte zudem nicht permanent danach gefragt werden. Es nimmt dann den Fokus weg von Sachen, die du eigentlich machen solltest.»
Für Bayern München beginnt die Pflichtspiel-Saison am Samstag. Im Supercup (20.30 Uhr) wird der Meister von Borussia Dortmund herausgefordert. Ob Jamal Musiala spielt, ist noch offen. Klar ist: Bei seinem nächsten Einsatz werden alle Augen auf ihn gerichtet sein. (ram/t-online)

