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Guillermo Abascal würde gerne längerfristig FCB-Trainer bleiben.
Guillermo Abascal würde gerne längerfristig FCB-Trainer bleiben.Bild: keystone
Interview

FCB-Interimstrainer Guillermo Abascal: «Kontinuität würde dem Klub sicher helfen»

Guillermo Abascal ist Cheftrainer ad interim beim FC Basel – und möchte es gerne länger bleiben. Das verrät der 32-jährige Spanier im grossen Interview. Ausserdem erklärt er, wie sein Ideal von Fussball aussieht, was ihn inspiriert und wie er David Degen erlebt.
01.04.2022, 16:3502.04.2022, 18:12
Céline Feller / ch media

Konnten Sie in den letzten Tagen ein bisschen schlafen?
Guillermo Abascal: Ja (lächelt).

In den Tagen vor der Nati-Pause kamen Sie nach eigener Aussage auf zwölf Stunden in fünf Nächten.
Ja, zwischen den Partien in Marseille, gegen Servette, zu Hause gegen Marseille und dann zum Abschluss noch bei GC kam alles so sehr Schlag auf Schlag, dass du irgendwann so viele Dinge im Kopf hast, dass es schwierig ist, zu Schlaf zu kommen. Aber das ist ja auch logisch. Der Fussball heutzutage ist sehr schnelllebig. Wir hatten sieben Spiele in 21 Tagen. Daher war die Zeit jetzt wichtig. Nicht nur für mich, sondern auch für die Spieler, auch wenn viele in ihren Landesauswahlen waren und erst am Mittwoch zurückgekehrt sind.

Wichtig für Sie, für Ihre Erholung, oder um ein erstes Mal realisieren zu können, was seit Ihrer Beförderung passiert ist?
Wichtig war insbesondere, eine Selbstanalyse machen zu können. Über das, was passiert ist, die Schritte, welche das Team schon gegangen ist. Ein paar Tage reflektieren zu können, war für mich wichtiger, als dass ich mich erholen konnte. Und in den Trainings, die wir dennoch hatten, nicht zuletzt auch schon wieder etwas aufzubauen für die letzten Spiele. Immerhin kommen jetzt Wochen, die nicht englisch sind. Da können wir weiter neue Ideen und Methoden einstudieren. Solche Wochen sind sehr wichtig. Denn das Kennenlernen ist immer das, was Zeit braucht. Wir sind aber bereits an einem Punkt angekommen, an dem ein sehr gutes Arbeitsambiente herrscht.

Nicht alles lief in den letzten Tagen nach Wunsch.
Nicht alles lief in den letzten Tagen nach Wunsch.Bild: keystone

Also sind Sie zufrieden mit dem rund ersten Monat, in dem Sie den FC Basel als Cheftrainer führen?
Zufrieden, ja. Zufrieden auch mit dem Effort, den die Spieler leisten. Wir hatten Spiele, in welchen das Team sehr gute Momente hatte, andere aber auch, in denen das Team nicht dominieren konnte, aber dennoch reüssierte. Das Spiel in Lugano ist ein gutes Beispiel dafür. Da waren alle müde, haben sich aber dennoch aufgeopfert auf dem Feld und gezeigt, dass sie auch Spiele ohne Ball dominieren können. Daher bin ich zufrieden, wo wir sind. Aber es reicht noch nicht. Wir müssen nun die guten Dinge bestätigen. Die Mentalität, das Vertrauen, die müssen weiterwachsen. Dann kann das Team auch in jedem Spiel um den Sieg kämpfen.

Sie sprechen das Lugano-Spiel an. Aber auch die erste Halbzeit im Rückspiel gegen Marseille war stark. War das in etwa der Fussball, den Sie sich vorstellen?
Ja, absolut. Das Bild, das wir dort von uns abgegeben haben, ist am nächsten an dem Fussball, den ich spielen will. Dominanter Fussball, Ballbesitz-Fussball, bei dem das Team vertikal agiert und auch ohne Ball gegen ein starkes Team - wie das Marseille mit seiner unbestritten hohen Qualität war - ein hohes Pressing aufziehen kann. Obschon Letzteres ein grosses Risiko ist, aber die Mannschaft hat das sehr gut gelöst. Diese 45 Minuten waren ein Punkt, von welchem aus wir weitergehen und woran wir anknüpfen können. Es werden gute Tage kommen, aber es werden auch schlechte kommen. Aber: Das ist der Ausgangspunkt. Man kann nicht immer gleich gut spielen, die Identität des Spiels aber kann man beibehalten. Und dafür sind diese 45 Minuten exemplarisch.

Die Highlights des Rückspiels gegen Marseille.Video: YouTube/SRF Sport

War diese Halbzeit auch eine Bestätigung für Sie, dass die Mannschaft verstanden hat, welchen Fussball Sie spielen lassen möchten?
Die Mannschaft ist noch dabei, das alles zu verinnerlichen. Für sie ist das Resultat immer sehr wichtig. Wenn sie ein Resultat haben, welches eine gute Vorbereitung bestätigt, dass das Gelernte das Richtige ist, um zu gewinnen, dann wächst das Vertrauen der Spieler. Ohne gute Resultate ist es für die Spieler schwieriger. Sie müssen aber verstehen, dass die Resultate okay waren, wir uns verbessern müssen, aber dass der Weg, den wir gehen, stimmt.

Was fehlt denn noch, damit man sagen kann: Der FC Basel spielt zu 100 Prozent den Fussball von Guillermo Abascal?
Es fehlt noch das Wissen, wie man das Spiel in den unterschiedlichsten Situationen dominieren kann. Lassen Sie mich das erklären.

Guillermo Abascal ist Vollblut-Coach.
Guillermo Abascal ist Vollblut-Coach.bild: imago-images.de

Gerne.
Es gibt Momente, in denen das Team schnell spielen muss, es gibt aber auch Momente, in denen das Team mehr Geduld haben muss. Momente, in denen man den Ball länger bei sich behalten muss, weil das den Gegner nervös macht, wenn er nur zuschauen kann. Ich denke, was dem Team fehlt, ist schlicht, ein Spiel durchgehend zu dominieren und kontrollieren – und dies mit Ruhe zu tun. Denn wenn man zu eilig agiert, verliert man den Ball – im dümmsten Fall in der eigenen Hälfte. Dann kann es schnell gehen, wenn der Gegner nahe zu deinem Tor ist. Je mehr man aber selbst in der gegnerischen Hälfte ist, dort die Ruhe bewahrt, desto näher ist man an einem Angriff und umso weiter weg davon, ein Tor zu kassieren. Dieses Gefühl zu bekommen, ist das, was wir hinkriegen wollen. Und natürlich noch die Absprachen und Synergien zwischen den Spielern zu fördern und die Einheit zu festigen.

Sie haben zuletzt mehr und mehr eine erste Elf gefunden, weniger rotiert.
Ich sage gerne die Wahrheit – den Spielern, aber auch öffentlich: Es gibt sehr viele Positionen, die offen sind. Dieser interne Konkurrenzkampf auf gewissen Positionen ist das, was das Team und den einzelnen Spieler schliesslich stärker macht. Denn so gibt jeder immer das Maximum. Weil er weiss, dass, wenn er heute nur 70 Prozent gibt, er morgen nicht spielen wird. Wenn du dich also zu sehr auf eine erste Elf konzentrierst, den Zugang dazu fast verschliesst, fühlen sich die anderen Spieler aussen vor. Aber die Zeit hat gezeigt, in welche Richtung es gehen kann, ja.

Wenn man über Sie recherchiert, findet man oft den Begriff «Fútbol total», den Sie spielen lassen möchten - und handkehrum, dass Sie ein Bewunderer des Italienischen Calcio sind. Ist für Sie der Calcio der «Fútbol total», oder wie stehen diese zwei Begriffe zueinander?
Der Calcio gefiel mir schon, bevor ich in Italien Trainer war (bei Ascoli, Anm.d. Red.). Aber seit ich da war, gefällt er mir noch viel mehr. Nicht nur spezifisch der Fussball, der auf dem Feld gespielt wird. Sondern das ganze Drumherum, dieses Ambiente. Die Italiener sind super-fanatisch, leben den Fussball jeden einzelnen Tag in der Woche, auf den Strassen, in der Bäckerei, im Supermarkt, überall. Für einen Trainer und einen Spieler ist das sehr dankbar, weil diese Intensität dann auch in den Stadien mit den Kurven spürbar ist. Und mir gefällt auch einfach diese Spannung, diese Intensität zwischen Sieg und Niederlage. Aber in Italien hat man Angst zu verlieren und spielt, um nicht zu verlieren. Das wiederum ist jedoch der erste Schritt dazu. Und der Grund dafür, dass der italienische Fussball sehr defensiv ist.

Guillermo Abascal hat sich von verschiedensten Fussball-Stilen inspirieren lassen.
Guillermo Abascal hat sich von verschiedensten Fussball-Stilen inspirieren lassen.Bild: keystone

Was Ihnen als Spanier, der erst noch in der berühmten «La Masia»-Nachwuchsakademie Barcelonas gespielt hat, ja eigentlich nicht gefallen kann.
In Spanien ist es ganz anders, ja. Die Qualität und das vorhandene Talent in Spanien sind unfassbar. Die Spieler werden mit dem Ball am Fuss geboren. Das ist die Realität. Es ist ein ästhetischerer Fussball, der mehr die Melodie des modernen Fussballs spricht. Und der Fussball in Spanien hat nun auch dieses hohe Tempo. Das, gepaart mit der schon zuvor vorhandenen hohen Qualität und dem Talent, ergibt für mich den «Fútbol total».

Der spanische Fussball ist für Sie also die aktuelle Idealvorstellung?
Auf dem Platz, ja, wahrscheinlich. Aber auch der englische Fussball spricht mich sehr an. Er lockt den Zuschauer an. Der spanische Fussball ist vielleicht der, der mich mehr inspiriert. Innerlich. Und er ist der, den ich mehr in mir habe. Aber dadurch, dass ich in verschiedenen Ländern arbeiten durfte, habe ich verschiedene Fussball-Stile am eigenen Leib erlebt. Jenen hier in der Schweiz, der mit offenen Türen, Tempo und auf Konter gespielt wird. Diese Arbeit in Italien. Aber der spanische Fussball löst einfach diese Freude in mir aus. Diese Freude, schönen Fussball zu sehen, offensiv, mit viel Ballbesitz.

Sie haben in Spanien, Italien, Griechenland und der Schweiz gearbeitet. Was war das Beeindruckendste, was Sie bislang gesehen haben?
Das beeindruckendste Gefühl hatte ich hier in Basel. Am Tag des Marseille-Rückspiels war das ganze Drumherum einfach fantastisch. Es war eine Magie in der Luft, etwas ganz anderes. In Italien, in Griechenland und Lugano hatte ich auch schöne Momente. Ich erinnere mich an ein 4:4 gegen PAOK, das sehr speziell war. Oder an ein Spiel, das wir in der 91. Minute gegen Piräus verloren haben. Aber atmosphärisch waren die schönsten Momente hier, im St.-Jakob-Park. Hier zu Hause spielen zu können, ist speziell. Was jeweils mit der Kurve entsteht, dieses Ambiente - das macht Basel zu einem grossen Team Europas.

Kriegen Sie dann keine Lust, wieder zu spielen?
(lacht) No, no, no! Nach fünf Minuten müsste ich mich ohnehin auswechseln lassen (lacht erneut). Nein, aber im Ernst: Die Lust, die es in mir auslöst, ist jene, auf das Publikum eingehen zu können. Der Mannschaft Inputs geben zu können, damit die Fans von den Sitzen aufstehen, applaudieren, und wenn sie nach Hause gehen, dort ihren Kindern, Frauen oder Freunden sagen: Unsere Mannschaft macht Spass, es war ein schöner Sieg mit der richtigen Einstellung.

Seine Spielerkarriere beenete Abascal bereits vor seinem 20. Geburtstag.
Seine Spielerkarriere beenete Abascal bereits vor seinem 20. Geburtstag.Bild: keystone

Gibt Ihnen das mehr, als damals selbst ein Tor schiessen zu können?
Ja. Das habe ich schon gemerkt, als ich noch gespielt habe. Das hat mir Sorgen gemacht. Dass für mich nicht mehr wichtig war, einen persönlichen Torerfolg zu feiern, sondern alles, was davor passiert. Das adaptiere ich jetzt als Trainer und versuche, den Spielern zu vermitteln, dass es genauso wichtig ist, ein Duell in der Mitte des Feldes zu gewinnen, wie zu treffen. Gleiches gilt für den letzten Pass, den ersten Pass nach vorne, die Fähigkeit, auf dem Feld reden sowie die Bewegungen und Wege eines Kollegen antizipieren zu können. Wenn sie das verstehen, merken sie, dass kleine Details grosse Unterschiede machen können.

Haben Sie das in «La Masia» gelernt?
Was man dort vor allem lernt, sind Werte.

Was für Werte?
Kollegialität. Denn am Ende ist der Fussball zwar ein Spiel, aber eines, das man zu elft spielt. Um an den Ball zu kommen, reicht nicht ein Spieler. Du brauchst jeden. Diese Bedeutung von Kameradschaft ist sehr wichtig. Ausserdem wird vermittelt, dass auch beim Verteidigen einer allein nicht reicht. Du musst kollektiv den Ball klauen. Und du lernst ausserdem, einen Klub zu respektieren, zu ehren, und dass der Verein immer das Wichtigste ist. Nicht du bist der Schlüssel zu allem, sondern schlicht ein Teil davon. Diese zwei Werte, Respekt und Kameradschaft, begleiten mich seit je her.

Das klingt nach einer prägenden Zeit. Trotzdem entschieden Sie sich, mit nur 19 Jahren Ihre aktive Karriere zu beenden.
Ja, es war nur eine Etappe für mich. Schauen Sie: Als Junge muss man spielen. Ich hatte aber solch starke Konkurrenz auf so hohem Niveau, dass ich nicht glücklich war. Am Ende ist es immer noch nur ein Spiel. Wenn du dieses spielst, aber keinen Spass daran hast, oder diese intrinsische Motivation nicht spürst, dann musst du aufhören. Deshalb habe ich das getan. Nicht, weil mir der Fussball nicht gefällt, sondern weil ich zu viel nachgedacht habe. Ich fühlte mich erschöpft und habe mich ständig gefragt: Für was trainiere ich? Für was spiele ich? Diese Unruhe, die ich in mir spürte, zwang mich zum Nachdenken und brachte mich zu Schluss, dass es besser ist, als Spieler aufzuhören.

Wie schwer fiel das dennoch?
Anfangs sehr. Du bist ein Junge, der mit 13 sein Zuhause verlassen hat, nach Barcelona gegangen ist, und einer, der jedes Mal, wenn er mit 16 nach Hause kommt, für die Familie und die Freunde der Junge ist, der bei Barça spielt. Vielleicht war es auch dieser Druck, der dazu führte, dass ich so nicht glücklich war. Als ich dann sagte, dass ich aufhören wollte, war erst Unverständnis da. «Geh doch zu einem anderen Team», sagten alle, aber ich war einfach nicht glücklich in diesem Zeitraum. Das war ein bisschen hart. Aber das war ein Jahr. Danach wusste ich, was ich will. Ich wusste, dass ich den Fussball liebe, mich dieser Sport verzaubert, aber dass ich ihn von einer anderen Perspektive aus erleben will. Meine ganze Erfahrung - diese guten, aber eben genau auch die schlechten Momente - kann ich jetzt wieder anwenden im Umgang mit jungen Spielern. Auch deshalb war die Zeit in «La Masia» insgesamt eine grossartige Erfahrung.

«La Masia» gilt noch immer als beste Fussball-Talentschmiede der Welt.
«La Masia» gilt noch immer als beste Fussball-Talentschmiede der Welt.Bild: EPA/EFE

Waren es Ihre Eltern, die sagten, Sie sollen das Team wechseln?
Das familiäre Umfeld, aber die Freunde noch mehr. Die spielten in der Nachbarschaft, ich bei Sevilla, und dann möchte ich aufhören? Sie hatten nicht mal Bälle. Es ist klar, dass man das nicht versteht. Aber am Ende muss man selbst glücklich sein. Meine Eltern haben glücklicherweise nie Druck ausgeübt, sie wollten mich nur verstehen. Es gibt viele Jungs, die eine solche Situation erleben, und nicht so viel Verständnis bekommen. Sie haben es mir aber einfacher gemacht, weil sie sagten: Es ist deine Entscheidung, triff sie, wie sie für dich richtig ist. Genau gleich war es, als ich mit 13 nach Barcelona gehen wollte - und es dann tat. Dafür bin ich ihnen bis heute sehr, sehr dankbar.

Sie sind ohnehin ein grosser Familienmensch, oder?
Sehr ja, obschon ich schon so lange weg von zu Hause bin. Wenn ich aber da bin, bin ich gerne mit meinen Eltern und meinen Brüdern zusammen. Ich habe einen älteren Bruder und einen Zwillingsbruder, sie sind beide auch sehr sportbegeistert, wir haben eine gute Beziehung. Diese Sport-Affinität liegt in der Familie. Auch, weil es Werte vermittelt und uns viele schöne Momente geschenkt hat. Aber auch schlechte - die Terrasse zu Hause hat zum Beispiel sehr gelitten (lacht).

Kommt die Leidenschaft zum Fussball von Ihrem Vater?
Von der Familie im Allgemeinen. Bei uns macht jeder alles, was er tut, und damit auch seine Arbeit, mit Leidenschaft. Mein Bruder, der Anwalt ist, mein anderer Bruder, der Koch ist, und ich als Trainer auch.

Bei Ihnen geht es meist so weit, dass man Sie gar als Fussball-Besessenen bezeichnet.
Besessen würde ich es nicht nennen. Eher zeitlich gebunden. Das beginnt von klein an, oder spätestens dann, wenn du als Trainer oder Spieler deine Stadt verlässt. Das wiederum, in meinen Augen, muss man machen. Es gibt sehr wenige, die in ihrer eigenen Stadt Trainer sind. Auf Spanisch gibt es ein Sprichwort, das heisst: So ist man im Hause des Schmieds ein Holzmesser. Deshalb muss man weg gehen, aus seiner Komfortzone. So verlierst du zwar viel Zeit mit deiner Familie, deiner Freundin und Freunden und deiner Freizeit im Allgemeinen, aber es ist Teil des Jobs.

Was machen Sie denn mit Ihrer raren Freizeit?
Mit meiner Freundin Zeit verbringen, Kaffee trinken, mal entspannen, an den Rhein gehen. Ich war an vielen Orten am Meer, hier hat es den Fluss. Das ist etwas, was mir sehr gefällt und wichtig ist.

Unter dem aktuellen Villarreal-Trainer Unai Emery war Abascal in der Saison 2013/14 bei Sevilla als Videoanalyst und Co-Trainer tätig.
Unter dem aktuellen Villarreal-Trainer Unai Emery war Abascal in der Saison 2013/14 bei Sevilla als Videoanalyst und Co-Trainer tätig. Bild: keystone

Und es gibt noch etwas, was Sie sehr mögen. Den Karneval, oder?
Mucho! Der Karneval ist das, was mir am meisten auf der ganzen Welt gefällt. Mehr als der Fussball? Okay, der Fussball und der Karneval gleichermassen. Der Karneval von Cádiz ist einer, bei dem es viel Musik gibt, viel soziale und politische Kritik, aber auch Themen des Lebens: Krankheiten, familiäre Themen, Liebe. Es geht aber auch um Spass. Es ist etwas, womit ich mich identifizieren kann, weil ich es kenne und lebe, seit ich ganz klein bin. Dank meinem Grossvater, der uns das näher gebracht hat. Für mich ist es eine Inspirations- und Motivationsquelle. Es ist etwas sehr Emotionales für mich.

Von wem lassen Sie sich fussballspezifisch inspirieren? Sie sagten einmal, dass Pep Guardiola, Unai Emery und Marcelo Bielsa Referenzen für Sie sind.
Das sind Referenzen für alle im Fussball. Jeder auf seine Art. Pep hat es geschafft, seine Idee von Fussball in verschiedenen Ländern zu implementieren und Siegertypen zu formen. Unai durfte ich in Sevilla erleben. Er hat drei Mal in Serie die Europa League gewonnen, das ist auf europäischem Niveau etwas, was sich kaum wiederholen wird und für seine Arbeit spricht, seine Konstanz und die Fähigkeit, seine Spieler tagtäglich überzeugen zu können, mehr zu geben. Und darüber hinaus seine Kritiker zum Schweigen zu bringen. Und Bielsa, weil er die Leute berührt. Teil des Trainer-Jobs ist genau das: Leute zu bewegen. Bielsa ist darin ein Meister.

Wie sind Sie als Trainer? Man hört, Sie schauen sich die Spiele für die Aufarbeitung immer nur mit der «Tactical cam» an.
Das stimmt, weil mir diese Kamera die Möglichkeit gibt, alle 22 Spieler zu sehen. Es ist einfach eine Hilfe. Von oben auf der Tribüne sieht man den Fussball am besten. Man sieht, wo der Ball ist, die Distanzen zwischen den Linien, wie ein Spieler auf links verschiebt, wenn der Ball rechts ist. Ich zeige auch den Spielern so gewisse Szenen. Aber ich bin ein Feldtrainer. Ich bin gerne mittendrin, rede viel auf dem Feld, gebe Anweisungen, korrigiere und unterbreche während einer Übung. Die Technik ist ein toller Zusatz, ein Supplement. Man muss sie verwenden, aber man muss auch wissen, wie man sie verwendet.

Sie haben von den Besten gelernt, hospitierten unter anderem einmal bei Manchester City, oder?
Genau. Ich hatte die Möglichkeit, weil Guardiolas Assistent mein Trainer bei Barça war. Und sein Athletiktrainer war der Bruder meines Nachbars in Sevilla. Sie haben mir die Tür geöffnet, und ich konnte fünf Wochen lang dort zuschauen. Auch in Leeds bei Bielsa konnte ich über Kontakte hospitieren. Das war eine gute und wichtige Zeit, vor allem auch, weil sie gleich nach dem Ende meiner Zeit bei Lugano war. Damals war ich auf der Suche nach Ideen, habe mich analysiert, wollte neue Ligen kennen lernen.

Bielsa und Guardiola – Abascal hat von den Besten gelernt.
Bielsa und Guardiola – Abascal hat von den Besten gelernt.Bild: keystone

Jetzt sind Sie aber bereits in Ihrem dritten Amt in der Schweiz.
Ich bin aus einem Grund zurück in die Schweiz gekommen. Ich fühle mich sehr wohl hier, hatte das Gefühl, in der Schweiz meine Arbeit gut umsetzen zu können und dass ich dem Fussball hier guttun könnte und er mir. Hier denke ich, kann ich bestätigen, was ich kann und dass ich ein guter Trainer sein kann.

In Basel sind Sie das aktuell ad interim bis im Sommer. Was hat Ihnen David Degen in Aussicht gestellt? Die Chancen, auch darüber hinaus bleiben zu können?
Die Situation ist, wie Sie sagen: Im Moment bin ich bis Sommer als Interims-Coach angestellt. Die Beziehung, die ich zu David habe, ist sehr gut. Auch, weil wir aufrichtig zueinander sind. Er ist der Hauptverantwortliche im Sport und der, der fordert. Er will eine Identität und Dominanz auf dem Platz, und diese Dinge versuche ich, mit dem Team umzusetzen.

Die Saison dauert nicht mehr lange. Will man langfristig planen, wäre es gut, Ihnen zu signalisieren, wie es weitergeht.
Es sind in der Tat nur noch neun Spiele. Dann folgt eine kurze Pause, und die neue Saison beginnt. Wir können jetzt in dieser letzten Phase bis zur Sommerpause eine gute Basis schaffen. Eine Basis, auf der man aufbauen kann, wenn man den Weg kontinuierlich geht. Die letzten Handlungen in dieser Saison wären dann auch bereits Aufbau für die kommende Spielzeit.

Sie würden also gerne bleiben?
Ja, würde ich gerne. Weil ich denke, dass ich die richtige Person für den Job hier in Basel sein kann, um das Team wieder zur ersten Referenz in der Super League zu formen. Das ist das grosse Ziel. Der Verein verleiht mir auch sehr viel Motivation und ich wäre gerne Teil dieses neuen Projektes hier. Wenn ich den Weg weitergehen darf, würde eine gewisse Konstanz hineinkommen. Und, zumindest meiner Meinung nach, würde Kontinuität dem Klub sicher helfen. Auch den sehr vielen guten Ideen und klaren Ansichten, die David hat und die sich sehr am heutigen Fussball orientieren.

Reden Sie jeden Tag mit ihm?
Er ist sehr präsent. Er kommt in die Kabine, ins Training. In anderen Klubs sind Personen in diesen Positionen meist so, dass man sie nur am Spieltag sieht und sie sehr weit weg sind vom «daily business». Aber David ist einer, der sich fast täglich zeigt. Er möchte sehen, wie seine Spieler arbeiten und auch wissen, wie es in der Garderobe läuft.

Stört Sie das nicht, dass er in der Garderobe ist?
Wir reden immer offen und ehrlich und mit Respekt miteinander. Wenn er mir dann direkt in der Garderobe oder auf dem Platz sagt, was er denkt, ist mir das lieber. Und am Ende ist auch er der, der mich beurteilt, sich für mich entscheidet und mir einen allfälligen Vertrag gibt.

Wenn Sie bleiben, müssten Sie Deutsch lernen. Sie sagten einst, Fussball sei Kultur und da gehöre eine Sprache dazu.
Ich habe angefangen! Aber ganz ehrlich: In den letzten drei Wochen hatte ich keine Zeit mehr. Aber ich möchte jetzt wieder beginnen. Drei Mal die Woche. Ich finde, dazu ist man verpflichtet, es ist eine Form von Respekt. Ich verstehe schon viel, zumindest auf Hochdeutsch. Die Fussball-Sprache kann ich schon mehr oder weniger, jetzt kommen die Verben dran. Das einzige Problem ist: In der deutschen Sprache gibt es Wörter, die zwanzig verschiedene Dinge bedeuten. Es ist unglaublich (lacht). Aktuell machen wir aber 90 Prozent der Kommunikation auf Englisch.

David Degen thront beim FCB über allem.
David Degen thront beim FCB über allem.Bild: keystone

Reden wir noch über den Rest der Saison. Wie sehen die Ziele aus?
Es ist wie eine Mini-Saison. Jedes Spiel wird ein Final. Also stehen neun Finalspiele an. Es ist alles noch offen. Sowohl gegen oben als auch gegen unten. Auch wenn Zürich einen gewissen Vorsprung hat: Solange es Punkte zu erkämpfen gibt, muss man daran glauben. Und es hat auch noch Teams hinter uns wie Lugano, YB oder St.Gallen, das kein Spiel verloren hat dieses Jahr.

Wichtig ist aber auch, wie die Mannschaft auftritt, oder?
Absolut. Denn es geht darum, die angesprochene Basis für die kommende Saison zu schaffen. Vertrauen ist wieder da, jetzt müssen die Automatismen hinzukommen.

Sie sagen aber selbst, dass Zürich schon einen gewissen Abstand hat.
Ja, sie sind stark, haben eine Idee, eine Einheit. Sie konnten entscheidende Spiele für sich entscheiden, oder zumindest etwas mitnehmen, wie bei diesem 3:3 gegen Basel. Ausserdem zeigt sich an ihrem Beispiel sehr gut, was Ruhe und Stabilität einem Verein geben kann. Ebenso wie wenn der Klub daran glaubt, was der Trainer macht. All das in der Summe macht für mich den momentanen Unterschied aus.

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quelle: keystone / georgios kefalas
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