Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
GC Trainer Thorsten Fink verfolgt das Training seiner Mannschaft Grasshopper Club Zuerich auf dem Campus, aufgenommen am Dienstag, 8. Januar 2019 in Niederhasli. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Thorsten Fink beobachtet aufmerksam das Training seiner Mannschaft. Bild: KEYSTONE

Interview

GC-Trainer Fink: «Bei uns verkennt keiner die Abstiegsgefahr»

Thorsten Fink, der Unverwüstliche: Während bei den Grasshoppers auf Führungsebene das nächste Beben wütet, gibt sich der Trainer vor dem Rückrunden-Auftakt enthusiastisch wie eh.



Die Lage ist prekär, finanziell wie sportlich. Von Tabellenplatz 9 aus und mit einem kolportierten Millionen-Loch in der Kasse starten die Grasshoppers am Sonntag gegen Basel zur Rückrunde in der Super League. An Thorsten Fink scheinen die Probleme abzuperlen.

Während auf Führungsebene gerade die nächste Umwälzung vollzogen wird und Gerüchte über den drohenden Konkurs die Runde machen, versprüht der Trainer vor dem Saisonstart Zuversicht und Enthusiasmus. Er wolle nicht alles schönreden, sagte der 51-jährige Deutsche, er sei aber überzeugt, dass die Saat für eine rosige Zukunft in der Mannschaft gelegt sei. Was es dafür braucht – «Zeit, Ruhe und Geduld» –, steht allerdings gerade wieder auf wackligem Fundament.

Thorsten Fink, am Sonntag startet GC gegen Basel in die Rückrunde. Als Neunter, aber immer noch mit der Ambition, sich für den Europacup zu qualifizieren?
Man könnte tiefstapeln und sagen, wir konzentrieren uns nur noch auf den Abstiegskampf. Wir haben aber beides im Blick und wissen, dass wir noch nach oben kommen können. Dass in dieser Liga alles möglich ist, hat Luzern in der letzten Saison mit dem Vorstoss vom 9. auf den 3. Platz nach der Winterpause gezeigt. Wir haben jetzt Anpassungen am Kader vorgenommen und werden noch ein, zwei weitere Dinge tun. Von daher können wir nicht einfach rausgehen und sagen, wir wollen nicht absteigen. Blauäugig sind wir aber nicht. Die Richtung hängt auch davon ab, wie wir aus den Startlöchern kommen.

Heute Pressekonferenz mit Anliker

GC-Präsident Stephan Anliker hat für heute 14 Uhr eine Medienkonferenz einberufen. Dort beantwortet der 62-jährige Langenthaler zur aktuellen Situation der Grasshopper Fussball AG und den Neuerungen im Aktionariat. (pre)

Warum glauben Sie, ist GC besser als die Hälfte der Liga?
Ich glaube an mein Kader. Wir verfügen über viel Schnelligkeit und technisch gute Spieler. Ich glaube, meine Mannschaft kann den Unterschied ausmachen, zumal noch die eine oder andere Verstärkung dazustossen dürfte. Sie hat Charakter, ist voller Emotionen, Leidenschaft und Visionen. Sie hat eine gute Zukunft vor sich. Im Sommer sind viele neue Spieler dazugekommen, die Mannschaft brauchte deshalb Zeit, um zusammenzuwachsen. Nun hat sie sich gut auf die Rückrunde eingeschworen. Keiner will noch einmal erleben, was im letzten Jahr passiert ist. Um mehr zu punkten, sind wir bereit, noch einmal zehn Prozent draufzulegen.

Die bisherigen GC-Transfers des Winters:

Zuzüge:

Aly Mallé, ausgeliehen von Udinese Calcio.
Rifet Kapic, Leih-Ende, von Sheriff Tiraspol.
Djibril Diani, von GC-U21.

Abgänge:

Souleyman Doumbia, für 3 Mio. Euro zu Stade Rennes.
Jeffren, ablösefrei zu AEK Larnaka.
Numa Lavanchy, für unbekannte Summe zum FC Lugano.
Michal Fasko, ausgeliehen an MFK Karvina.
Nemanja Antonov, vereinslos.

abspielen

Neuzugang Ally Mallé stellt sich vor. Video: YouTube/Grasshopper Club Zürich

«Neben einem Linksverteidiger werden wir sicherlich auch noch in der Offensive nach einer Verstärkung suchen.»

GC-Sportchef Mathias Walther.

Die Tabellenplätze der letzten zwei Saisons und in dieser Hinrunde sprechen eine andere Sprache. 2016/17 war GC Achter, dann Neunter, und jetzt liegt der Klub erneut an vorletzter Stelle. Auf Aussenstehende wirkt es, als ob man die Abstiegsgefahr verkennt.
Bei uns verkennt keiner die Abstiegsgefahr. Das behaupten die Leute, aber gesagt hat von uns keiner etwas in diese Richtung. Wie gesagt, wir schauen nicht blindlings nach oben, sondern auch nach unten. Wir haben vor der Saison unsere Ziele ausgegeben und sind dann da reingerutscht, wo wir jetzt sind. Zum Teil lag das an den Verletzungen, es gab aber auch andere Gründe. Viele Spieler stiessen erst spät zur Mannschaft, andere kamen aus Verletzungen zurück. Einigen jungen Spielern fehlte die Erfahrung, andere brachten nicht das, was wir uns erhofft hatten. Folglich brauchte das Team Zeit, um zusammenzuwachsen – was allerdings erschwert wurde, weil ich wegen den Verletzungen ständig wechseln musste. Dass die Fitness teilweise ein Grund für die Verletzungen war, bestreite ich nicht. Daran haben wir gearbeitet und arbeiten wir weiterhin.

Sie sind überzeugt, dass es nun aufwärts gehen wird.
Diese Mannschaft hat sehr gute Perspektiven. 2012 ist GC mit einer ebenfalls sehr jungen Mannschaft fast abgestiegen, nur dank dem Rückzug von Xamax und dem Punktabzug von Sion nicht. In der darauffolgenden Saison hat sie in nur leicht veränderter Zusammensetzung Platz 2 erreicht. Das Problem in jüngster Vergangenheit war, dass die Spieler und Führungskräfte immer wieder ausgetauscht wurden. In den letzten drei Jahren waren es 64 Spieler. So konnte nichts wachsen.

Wie beeinflusst die Unruhe auf Führungsebene Sie und die Mannschaft?
Gewisse Dinge sind noch nicht genau geklärt da oben. Aber mich und die Mannschaft lässt man damit in Ruhe. In einem guten Betrieb arbeiten kreative Leute, in schlechten entscheidet die Politik. Ich glaube, bei uns sind kompetente Leute am Werk, die das regeln.

GC-Praesident Stephan Anliker, Mitte, und CEO Manuel Huber, links, und Grossaktionaer Heinz Spross, rechts, beim Fussballspiel der Super League Grasshopper Club Zuerich gegen den FC St. Gallen  
im Stadion Letzigrund in Zuerich am Samstag, 14. April 2018. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Der Ausstieg von Mitbesitzer Heinz Spross hat GC mal wieder durchgerüttelt.  Bild: KEYSTONE

Sie sind seit April letzten Jahres bei GC im Amt. An der Tabellensituation hat sich nichts geändert. Wie lautet ihre Zwischenbilanz nach gut neun Monaten?
Ich spreche hier als Tabellenneunter, da lässt sich nicht alles schönreden. Wir haben vieles entwickelt, hinzugeholt und angestossen für eine gute Zukunft. Von heute auf morgen geht das aber nicht. Was wir jetzt brauchen, ist Zeit und etwas mehr Glück bei den Verletzungen, weniger verletzte Leistungsträger. Ich habe hier einen tollen Verein vorgefunden und spüre, dass alle etwas erreichen und nicht gleich wieder alles über den Haufen werfen wollen. Ich habe ein super Team um mich herum, von der Mannschaft bis zum Präsidenten, dazu professionelle Strukturen, die sich manch anderer Super-League-Verein auch wünschte. Gemeinsam haben wir eine Basis geschaffen, auf der sich aufbauen lässt. Es macht mir richtig Spass, mit den Jungen zu arbeiten, diese weiter- und mitzuentwickeln. Eine junge Saat muss aber Zeit bekommen, um zu reifen.

Sie sprechen von einer Mannschaft, der die Zukunft gehört, und davon, dass Sie die Saat auch ernten möchten. Ob Sie den Reifeprozess auch nächste Saison begleiten, ist indes offen. Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Wie ist der Stand der Dinge?
Wir werden sehen, in welche Richtung es gehen wird. Ich bin gerne hier, klammere mich aber nicht an meinen Job. Wenn man mich gerne hält, dann mache ich auch gerne und voller Euphorie weiter. Die tolle Nachwuchsarbeit, die hier mit jungen Spielern aus der Region geleistet wird, sagt mir zu, und damit können sich auch die Fans identifizieren. Die Vorstellung, dass ein Anderer die Früchte meiner Arbeit ernten wird, gefällt mir nicht.

Raphael Holzhauser, links, und Nedim Bajrami vom Grasshopper Club Zuerich im Training auf dem Campus, aufgenommen am Dienstag, 8. Januar 2019 in Niederhasli. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Fink ist mit den Fortschritten im Training zufrieden. Bild: KEYSTONE

Wie weit ist die Mannschaft noch von dem Spiel entfernt, das Sie sich vorstellen?
Weit, weit ... Wir reagieren zurzeit nur, können nicht selbst agieren. Im Trainingslager machten wir aber gute Fortschritte, und bis zum Ende der Transferperiode werden wir noch nachlegen und im Sommer noch einmal. Dann haben wir wirklich ein Topteam beisammen. Im Moment fehlt uns im Offensivbereich noch die Durchschlagskraft und die Möglichkeit, auf Verletzungen zu reagieren. Auf den Aussenbahnen wurden zu wenig Flanken geschlagen und zu viele Gegentore zugelassen. Wir machten generell zu viele leichte Fehler, weil eben die Automatismen fehlten. (pre/sda)

Die unendliche GC-Saga

Unvergessene Schweizer Fussball-Geschichten

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

Link zum Artikel

Die «Nacht von Sheffield» – Köbi Kuhn sorgt für den grössten Skandal der Nati-Geschichte

Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

Link zum Artikel

Jörg Stiel stoppt den Ball an der EM mit Köpfchen – weil er es kann

Link zum Artikel

Elf kleine Schweizer liegen 0:2 zurück und sorgen dann für Begeisterung in der Heimat

Link zum Artikel

Im Heysel-Stadion werden 39 Menschen zu Tode getrampelt

Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

Link zum Artikel

Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

23 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Bullet-Tooth-Joni
01.02.2019 10:50registriert September 2015
"Ich habe ein super Team um mich herum, von der Mannschaft bis zum Präsidenten, dazu professionelle Strukturen, die sich manch anderer Super-League-Verein auch wünschte."
Ich lach mich Tot! Der Witz des Tages! Danke Thorsten dafür!
476
Melden
Zum Kommentar
23

Kommentar

Das Ende der Berner Sportwelt wie wir sie kannten

Die Berner Kantonsregierung verbietet bis auf Weiteres Grossveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen. Es ist das Ende des Berner Sportes mit den SCL Tigers, dem SC Bern, Biel und YB. Dieser Alleingang der Berner lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Eine Regierung dreht durch.

Zuerst einmal ein paar Reaktionen auf den Alleingang der Berner. Hockey-Ligadirektor Denis Vaucher ist fassungslos. «Wir haben alle Schutzkonzepte umgesetzt und es hat bei den Spielen nicht das kleinste Problem gegeben. Weil die Berner Regierung den Ausbau des Contact-Tracing verschlafen hat, gibt es nun diese Regelung.»

Wie es weiter geht, wird erst im Laufe des Montags bekannt. Die Klubs brauchen Zeit, um zu entscheiden, wie sie mit diesem Verbot von Fussball und vor allem von Hockey auf Berner …

Artikel lesen
Link zum Artikel