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Jan Cadieux über Vater, Weg zum Nationaltrainer und Patrick Fischer

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Nationaltrainer Jan Cadieux vor der Saison.Bild: www.imago-images.de
Interview

«Die Entlassung von Patrick Fischer hat mir sehr, sehr weh getan»

Eishockey-Nationaltrainer Jan Cadieux (46) blickt zurück – auf die WM, aber auch auf den langen Weg, den er bis zur Nachfolge von Patrick Fischer gegangen ist.
07.11.2026, 14:3207.11.2026, 16:03
Etienne Wuillemin
Etienne Wuillemin

Die Videos sind ausgewertet, die Analysen gemacht, die Enttäuschung nach dem verlorenen WM-Final vom 31. Mai gegen Finnland (0:1 n.V) ist nach gut 20 Wochen überwunden: Nationaltrainer Jan Cadieux kann durchatmen und beginnt an diesem Wochenende die neue Saison mit dem Vierländer-Turnier in Helsinki (Euro Hockey Tour) mit Finnland, Schweden und Tschechien. Ein Gespräch über seine erste WM als Nachfolger von Patrick Fischer, aber auch über seinen langen Weg vom Spieler bis zum Klub- und Nationaltrainer im Schatten eines Vaters, der gut dreissig Jahre lang zu den prägenden Persönlichkeiten des Schweizer Eishockeys gehörte.

Wie hat eigentlich alles angefangen?
Jan Cadieux:
Ich war drei Jahre alt, als ich mit meinen Eltern zum ersten Mal auf einer Eisbahn war. Nach zehn Minuten hatte ich genug. Es gefiel mir nicht und ich wollte nur noch nach Hause und nie mehr auf eine Eisbahn. Sechs Monate später war die Leidenschaft da und hat seither nie mehr aufgehört.

Was ist passiert?
Die Leidenschaft fürs Eishockey liegt mir wahrscheinlich im Blut. Nur am Anfang eben noch nicht.

Ihre Mutter ist Eiskunstlauflehrerin und es gibt einige grosse Spieler, die Eiskunstlauf trainiert haben. Sie auch?
Ja, nicht nur ich, unter anderem auch Christoph Bertschy oder Tristan Scherwey haben in Fribourg vom Training mit meiner Mutter profitiert. Sie hat in ihre Arbeit auch eingebaut, was ich später in Kanada über Powerskating gelernt habe.

Das ist Jan Cadieux
Jan Cadieux (*17.03.1980) ist kanadisch-schweizerischer Doppelbürger, verheiratet und hat zwei Kinder: Timothy (17) und Hayden (10). Er wohnt mit seiner Familie in Genf.

Junior bei Gottéron, 651 Spiele (82 Tore/111 Assists) für Lugano, Servette und Gottéron. – Gewinn des Memorial Cup mit Rimouski - (nordamerikanischer Junioren-Meister) 2000. – Neuling des Jahres in der NLA (2001), Meister mit Lugano (2003).

Seit 2013 Trainer: Nachwuchs Gottéron, Ticino Rockets, ab 2019 Assistent und ab November 2021 Cheftrainer bei Servette (2023 Meister, 2024 Gewinn Champions League). Nach der Entlassung im Dezember 2025 Assistent von Patrick Fischer und U 20-Nationaltcoach. Seit 15. März 2026 Nationaltrainer mit Vertrag bis 2028. – WM-Silber 2026 bei seiner ersten WM als Nationaltrainer.

Sein Vater Paul-André Cadieux (2024 im Alter von 77 Jahren verstorben) ist eine Hockey-Legende. Der 1982 eingebürgerte Kanadier hat ab 1971 als Stürmer, Verteidiger, Spielertrainer, Coach und Sportchef u.a. in Bern (Meister 1974, 75 und 76), Davos (Aufstieg 1979), Fribourg (Final 1992, 93 und 94) Langnau, Biel, Martigny Basel, Ajoie, La Chaux-de-Fonds, Lausanne und Neuenburg gearbeitet.

War der berühmte Name ihres Vaters zu Beginn Ihrer Karriere eine Hilfe oder eher eine Bürde?
Am Anfang musste ich als Junior in Fribourg hören, ich sei nur dank meinem Vater im Team. Es war die Zeit, als Gottéron die Qualifikation dominiert, aber dreimal hintereinander den Final verloren hat. Elf Monate lang waren in der Schule alle nett mit mir, aber nach dem verlorenen Final änderte sich das deutlich. Mein Vater stand als Trainer in der Kritik, und auch ich bekam das verbal zu spüren. Mein Vater war als Trainer der Sündenbock. Nach ein paar Wochen war dann jeweils wieder alles gut.

Was hat Ihr Vater dazu gesagt?
Ich habe mit ihm nie darüber gesprochen. Kinder sind halt ehrlich und meine Schulkameraden haben mir bloss zugetragen, was sie zuhause am Mittagstisch gehört haben.

«Ich hoffe, dass mein Vater vom Himmel aus gesehen hat, wie Gottéron Meister geworden ist.»

Eigentlich eine ganz gute Vorbereitung auf eine sportliche Karriere.
Die perfekte Vorbereitung. Ich habe früh erlebt, wie die Sportwelt tickt.

EHC Basel Trainer Paul-Andre Cadieux feuert sein Team an am Dienstag, 16. Maerz 2004, im NLA Playout Spiel zwischen dem EHC Basel und dem HC Lausanne in der St. Jakobsarena in Basel. (KEYSTONE/Markus  ...
Der legendäre Paul-André Cadieux.Bild: KEYSTONE

Wollten Sie ein Spieler werden wie Ihr Vater?
Mir war schon sehr früh klar, dass ich nicht ein besserer Spieler als mein Vater werden kann. Er war technisch und läuferisch einfach zu gut. Also habe ich mir vorgenommen, einmal ein besserer Coach als er zu werden.

War seine Heimat eigentlich Bern, wo er seine grössten Erfolge gefeiert hat oder Fribourg?
Beide Orte, anfänglich Bern, dann aber Fribourg. Ich hoffe, dass er vom Himmel aus gesehen hat, wie Gottéron Meister geworden ist.

Sie sind also zweisprachig aufgewachsen.
Ja, zu Hause hat meine Mutter mit mir immer Deutsch gesprochen.

Haben Sie Ihren Vater im Stadion als Spieler erlebt?
Nein, nie so richtig. Aber ich kenne natürlich ein paar seiner Tore aus TV-Bildern. Beispielsweise den Treffer, den er damals als Spielertrainer in Davos im letzten Meisterschaftsspiel gegen den SCB erzielt und die Berner um den Titel gebracht hat. Er ist neben dem eigenen Tor gestartet und hat die ganze gegnerische Mannschaft ausgespielt. Aber ich habe ihn als Trainer erlebt. Wenn ich aufgewacht bin, sass er bereits vor dem Fernseher und hat die Videoaufnahmen vom vorangegangenen Spiel analysiert. Ich habe mich schon mit sechs, sieben Jahren neben ihn gesetzt und war begeistert und beeindruckt, dass er schon so früh und so akribisch gearbeitet hat.

Jan Cadieux, links, vom HC Lugano Eishockey Spieler zusammen mit seinem Trainer Jim Koleff in der Resega Eishalle von Lugano waehrend einnes Trainings, aufgenommen am 24. August 2000. (KEYSTONE/Karl M ...
Cadieux als Jungspund in Lugano an der Seite des legendären Trainers Jim Koleff.Bild: KEYSTONE

Also gab es für Sie schon sehr früh nur Eishockey …
… wenn ich mit 15 mit Eishockey aufgehört und einen anderen Sport gewählt hätte, dann hätte mich mein Vater unterstützt. Er hat mich nie zum Eishockey gedrängt. Er wollte einfach, dass ich für meine Leidenschaft alles gebe und dafür lebe. Aber ich hatte die freie Wahl.

Sie waren Profispieler. War es für Sie gegen Ende Ihrer Spielerkarriere klar, wie es weitergehen würde?
Nein. Ich hatte nie einen Karriere-Plan. Während meiner Zeit als Spieler in Genf arbeitete ich mit einem 30-Prozent-Pensum bei einer Bank. Für diese Erfahrung bin ich sehr dankbar. Nun wusste ich, dass ein Bürojob nichts für mich ist und dass ich unbedingt einen Weg finden musste, um als Trainer im Eishockey bleiben zu können.

«Ich kam in eine andere Welt und der Anfang war ein Schock.»

Was macht diese Faszination aus?
Die Emotionen, das Leben in der Kabine. Das ist etwas ganz anderes als ein Grossraumbüro.

Sie haben zwei Söhne, Timothy und Hayden. Timothy gehört bereits zum Kader des U-18 Nationalteams.
Ich bin bei meiner Beurteilung noch kritischer als mein Vater damals bei mir. Also enthalte ich mich einem Urteil. Dass Hayden unbedingt Torhüter sein will, war für mich anfangs nicht ganz einfach (lacht). Aber er hat seinen eigenen Kopf, genau wie ich, und weiss ganz genau, was er will. Für ihn kommt nur die Position als Torhüter infrage, was ich auch unterstütze.

Er hat recht: Gute Torhüter sind sehr gesucht.
Wir werden sehen.

Sie spielten fünf Jahre in Kanada als Junior, zuletzt auf höchstem Niveau und gewannen mit Rimouski den Memorial Cup, die Meisterschaft. Haben Sie von einer NHL-Karriere geträumt?
Ja, aber für die NHL war ich nicht gut genug. Ich habe als Junior beim internationalen Pee Wee-Turnier in Quebec die Eishockey-Leidenschaft der Kanadier erlebt und wollte unbedingt in Kanada spielen. Mein Vater sorgte dafür, dass ich mit 15 einen Platz in einem College in Wilcox, einer kleinen Gemeinde in der kanadischen Provinz Saskatchewan bekam. Meine Vorbereitung war ein zweiwöchiger Englisch-Intensivkurs. Ich kam in eine andere Welt und der Anfang war ein Schock. Ich bin zwar nicht verwöhnt worden. Aber zu Hause hatte ich ein eigenes Zimmer. Nun teilte ich mit drei Schulkameraden einen Raum, der kleiner war als zuvor mein Kinderzimmer, und als Neuling musste ich mit einem oberen Etagenbett vorliebnehmen.

Aus 80 Bewerbern kamen bloss 17 ins Hockeyteam und mein Name hat mir dabei nicht mehr geholfen. Ich habe es geschafft und war auch in der Schule gut genug: Denn du durftest nicht mehr spielen, wenn die Leistungen in der Schule ungenügend waren. Im Winter wurde es Minus 30 Grad und die Kälte fühlte sich im Wind noch schlimmer an. Nach einem Jahr hat es mir sehr gut gefallen und ich blieb drei Jahre dort und zu meinen Mitspielern gehörten die späteren NHL-Stars Vincent Lecavalier und Brad Richards.

Ziemlich flach, dieses Wilcox.Video: YouTube/OurRetiredLife

Sie sind also aus der heimischen Komfortzone vertrieben worden.
Oh ja. Daheim in Fribourg habe ich vom Fenster aus die Alpen gesehen und jetzt war da nur noch eine windgepeitschte Ebene und das Essen war natürlich auch nicht mehr so gut wie daheim bei Mama. Jeden Morgen haben wir vor Unterrichtsbeginn die kanadische Hymne gesungen und der Messebesuch am Sonntag war obligatorisch.

«Es wäre das Meistertor gewesen und es tut immer noch weh, wenn ich daran denke.»

Sie sind eigentlich schon mit 15 in die Rekrutenschule eingerückt.
So ungefähr – und meine echte RS war vergleichsweise bequem. Zwar gab es die Sportler-RS noch nicht. Aber ich war damals in Lugano und rund um meinen Militärdienst als Büroordonnanz war auch regelmässiges Training möglich.

Sie wechselten nach Ihrer Juniorenzeit in Kanada zu Lugano und haben für Lugano, Servette und Gottéron über 600 Spiele bestritten. Wo hatten Sie ihre beste Zeit?
Eine gute Frage. Mit Lugano bin ich zwar 2003 Meister geworden, war aber häufig verletzt und überzählig und spielte eigentlich eine untergeordnete Rolle. Es sollte mein einziger Titelgewinn bleiben, ich habe mit Lugano, Servette und Gottéron vier Finals verloren.

Die intensivste Erfahrung als Spieler ist die Finalniederlage 2001 mit Lugano in meinem ersten Jahr als Profi in der Schweiz: Der Teamgeist unter Trainer Jim Koleff war einfach unglaublich. Einen solchen Zusammenhalt habe ich erst wieder mit der Nationalmannschaft erlebt. Und dann haben wir den Titel in der Verlängerung durch das Tor von Morgan Samuelsson verloren. Ich werde diesen Moment nie mehr vergessen. Ich hatte noch während der regulären Spielzeit bei einem Konter den Siegestreffer verpasst. Es wäre das Meistertor gewesen und es tut immer noch weh, wenn ich daran denke. Ich sass auf der Spielerbank neben Flavien Conne, als Samuelsson traf und sagte zu ihm, das sei doch nicht möglich und ich kann es auch heute noch fast nicht glauben. Dabei hatten wir gegen die ZSC Lions im Final 3:1 geführt.

Sie wussten nach Ihrem Praktikum bei einer Bank in Genf, dass ein Bürojob nichts für Sie ist. Wie sind Sie dann Trainer geworden?
Ich war 33, mein Vertrag bei Gottéron lief aus, ich war nach allerlei Verletzungen nicht mehr dazu in der Lage, auf höchstem Niveau zu spielen, trainierte aber noch mit der Mannschaft. Im November fiel der Coach des U13-Teams aus und ich habe ausgeholfen. Bei der Arbeit mit den Kindern habe ich viel gelernt. Kinder können schwieriger sein als Profis und du lernst, geduldig zu sein. Ich war praktisch von 8.00 bis um 21.00 Uhr auf dem Eis und es hat mir Spass gemacht, den Kindern auch beim Binden der Schlittschuhe zu helfen. Wir haben die U13-Meisterschaft der Westschweiz gewonnen.

Als es beim U20-Team zu einem Trainerwechsel kam, fragte mich der Nachwuchschef, ob ich die Aufgabe übernehmen wolle. Ich stand vor dem wegweisenden Entscheid, Profitrainer zu werden und bat um Bedenkzeit, um alles zu überschlafen und mit meiner Frau zu besprechen. Dann sagte ich zu und wir retteten die Saison. So bin ich definitiv Trainer geworden.

Dann haben Sie als Nachfolger von Luca Cereda bei Ambris Farmteam ihren ersten Job als Profitrainer bekommen.
Auch dort lernte ich Geduld. Ich wollte mit den Ticino Rockets die Playoffs erreichen. Aber während zwei Jahren haben wir bloss neun Spiele gewonnen. Das Ziel war sowieso nicht in erster Linie der sportliche Erfolg. Es ging darum, die Spieler weiterzubringen, ein paar Prozent besser zu machen und die Leidenschaft fürs Eishockey weiterzugeben. Zehn aus dem damaligen Team haben es in die National League geschafft, unter anderem Benjamin Baumgarnter und Dario Rohrbach.

«Mein Paradies ist in der Kabine. Dort bin ich ein anderer Mensch.»

Eine missglückte Saison eines Juniorenteams retten, beim ersten Job bei den Profis zwei Jahre lang fast nur Niederlagen: Als Coach ist Ihnen nichts geschenkt worden.
Dass ich alles erkämpfen musste und aus Fehlern lernen konnte, ist wohl einer meiner Stärken. Ich habe meine Trainerlaufbahn von Grund auf aufgebaut, sämtliche Ausbildungsstufen durchlaufen und dabei auch die einfachsten Laufübungen absolviert. Darauf bin ich stolz.

From left Rocket's Head Coach Cadieux Jan and Rocket's Assistent Coach Dominick Tanfal talk during the round of 16 game of the Swiss ice hockey Cup between Biasca Ticino Rockets and HC Serve ...
Cadieux (links) mit Assistent Tomas Tamfal 2017 bei den Ticino Rockets.Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Sie wirken auf den ersten Blick eher zurückhaltend, eigentlich nicht wie ein Bandengeneral.
Ausserhalb der Kabine würde ich mich als eher scheu und vielleicht auch ein bisschen reserviert bezeichnen und habe ein wenig Mühe, auf Menschen zuzugehen. Mein Paradies ist in der Kabine. Dort bin ich ein anderer Mensch.

Bei Servette sind Sie während der Saison vom Assistenten zum Cheftrainer befördert worden. Wie war das?
Ich hatte am Montag einen Arzttermin und mein Telefon abgestellt. Als ich mein Telefon wieder einschaltete, sah ich, dass Sportchef Marc Gautschi und meine Frau mehrmals versucht hatten, mich anzurufen. Ich rief zurück, Gautschi forderte mich auf, sofort ins Stadion zu kommen. Dort hat er mir eröffnet, dass er mich zum Nachfolger von Patrick Emond machen will. Anders als damals bei der Möglichkeit, Gottérons U13-Team zu übernehmen, zögerte ich keine Sekunde und sagte zu.

Keine Zweifel?
Nein, keine. Ich wollte unbedingt Meister werden und wusste, dass wir dieses Ziel mit harter Arbeit erreichen werden. Vorerst ging zwar noch vieles schief, aber in der darauffolgenden Saison konnten wir den Titel bereits realisieren.

Schnell Meister, schnell Sieger der Champions League – und dann schnell entlassen. Wie heben Sie Ihre Entlassung erlebt?
Komischerweise sehr gut. Ich hatte getan, was ich konnte, die Meisterschaft und die Champions League gewonnen und auch mein letztes Spiel konnte ich siegreich gestalten. Ich war nach der Entlassung enttäuscht, aber nicht mutlos und sicher, dass sich eine Türe öffnen würde.

Le coach Jan Cadieux brandit le troph
Cadieux stemmt den Meisterpokal in die Höhe.Bild: keystone

Ohne diese Entlassung wären Sie jetzt wahrscheinlich nicht Nationaltrainer. Etwas mehr als einen Monat später standen Sie beim Länderspiel gegen Finnland in Langnau bereits als Assistent neben Patrick Fischer.
So ist es. Das Schwierigste war, meinen Kindern die Entlassung zu erklären. Für meine beiden zwei Buben war jeder Besuch in der Kabine ein Fest. Und nun musste ich ihnen sagen, dass sie nie mehr mit Papa in die Kabine dürfen und beide haben geweint. Ich wohnte nur sieben Minuten weg vom Stadion, wir hatten die Nähe gewählt, damit ich meine Kinder oft sehen kann.

«Ich wollte, dass wir im Staff nun alle fünf Prozent mehr tun und ‹Fischi› so ersetzen.»

Dann sind Sie von einem Augenblick auf den anderen während einer Länderspielreise in der Slowakei Nationaltrainer geworden.
Sportdirektor Lars Weibel hat mich nicht gefragt, ob ich den Job übernehmen möchte. Er hat mir vielmehr gesagt: Wir wollen, dass du bereits jetzt übernimmst!

Die Amtsüberahme war logisch. Sie wussten ja bereits, dass Sie nach der WM Patrick Fischers Nachfolger werden würden.
Ja, Patrick Fischer und der Verband glaubten an mich und wir hatten schon bei der vorangegangenen WM in Herning erste Gespräche darüber geführt. Der Nachfolgeprozess hat eigentlich schon damals angefangen.

Aber die Amtsübernahme war dann doch ungewöhnlich. Von einer Sekunde auf die andere heisst es: Nun musst Du!
Der Wechsel kam so überraschend, dass zwei Wochen lang gar niemand so richtig realisiert hat, was da passiert ist. Niemand war auf einen Wechsel zu diesem Zeitpunkt vorbereitet und niemand wusste, wie die Reaktion sein würde. Zwei Wochen lang haben wir in Gesprächen einen gemeinsamen Weg gesucht. Wir dachten nur an das Team und wollten das Beste auch für alle, die sich auf diese WM gefreut haben. Die Entlassung von Patrick Fischer hat mir sehr, sehr weh getan. Ich wusste ja, was diese WM für ihn bedeutet hat, und es tut mir heute noch leid für ihn.

Head Coach Patrick Fischer, links, und Assistant Coach Jan Cadieux, rechts, beim Training der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft vor der Euro Hockey Tour, am Mittwoch, 10. Dezember 2025 in der Swi ...
Fischer (links) und Cadieux im Dezember 2025.Bild: keystone

Wann haben Sie gemerkt, dass es funktioniert?
Ziemlich früh. Ich spürte in den Gesprächen, wie sehr alle motiviert sind, den Weg weiterzugehen und ich wollte, dass wir im Staff nun alle fünf Prozent mehr tun und «Fischi» so ersetzen.

Gab es einen Schlüsselmoment im Turnier?
Ja, das erste Spiel. Es war noch wichtiger als bei anderen Turnieren, dieses erste Spiel zu gewinnen. «Fischi» hatte so viel Erfolg gehabt. Es gab vor der WM auch gewisse kritische Stimmen. Bin ich der richtige Mann? Ich will immer das Beste, ich fühlte mich nicht unter Druck. Aber die Erwartungen waren sehr hoch. Wir mussten das Publikum für uns gewinnen und deshalb war es so wichtig, dass wir mit einem Sieg gestartet sind. Wir haben sofort gespürt, dass sich die Energie vom Publikum auf die Mannschaft übertrug und umgekehrt. Der Viertelfinal gegen Schweden war dann der zweite spezielle Moment im Turnier. Weil viele dachten, es sei nicht möglich, gegen die Schweden zu gewinnen.

Würden Sie jetzt im Rückblick beim Final etwas anders machen?
In der ersten Drittelspause, als wir über die Fünf-gegen-Drei-Situation gesprochen haben, haben wir vielleicht etwas «übercoacht». Das würde ich retrospektiv anders machen.

Zu verkrampft?
Nein, das nicht. Wir waren trotz allem locker und wir spürten die Mannschaft wie bei allen vorangegangenen Spielen, auch in den Pausen und vor der Verlängerung. Wir vertrauten auf unsere Stärke und es gab keine Zweifel. Wir dachten es sei unser Moment. Wir waren bereit, wir waren nicht nervös, die Vorbereitung war richtig, die Lockerheit und die Sicherheit waren da. Wir haben alles getan, was möglich war. Nach der WM habe ich mit allen Spielern gesprochen und sie haben das auch so erlebt.

Es ist ein schönes Zeichen, dass alle weitermachen und nicht drei, vier aufhören.
Ja, ich bin sehr dankbar, dass alle weitermachen und stolz auf unseren Verband, auf unser Hockey, auf die Werte, die wir über Jahre entwickelt haben, angefangen von Ralph Krueger bis heute und dass alle an unsere Nationalmannschaft glauben. Und es freut mich, dass ich der Trainer dieser Nationalmannschaft sein darf.

DANKE FÜR DIE ♥
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Diese Nationen wurden schon Eishockey-Weltmeister
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Diese Nationen wurden schon Eishockey-Weltmeister

Kanada: 28 × Gold, 16 × Silber, 9 × Bronze; zuletzt Weltmeister: 2023.

quelle: keystone / pavel golovkin
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