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Ein Mitarbeiter von Teleclub filmt das Fussball Super League Spiel zwischen dem FC Vaduz und dem FC Sion, am Sonntag, 9. August 2015, im Rheinpark Stadion in Vaduz. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Bild: KEYSTONE

Kommentar

Warum sich «Blick TV» (für viel Geld) Schweizer Fussball- und Hockey-Rechte sichern sollte

Wie kann aus «Blick TV» mehr werden als «Lolek und Bolek machen CNN?» Die Lösung ist ganz einfach: durch Sport.



Der Zufall will es, dass in den nächsten zweieinhalb Jahren die Live-Rechte für die höchsten Fussball- und Hockey-Ligen neu vergeben werden. Was eigentlich die Macher von «Blick TV» elektrisieren müsste. Aber tief in der helvetischen DNA ist eingebrannt, dass Politik, Kultur und Wirtschaft wichtiger sind als Sport. Unvergessen bleibt, wie einst der «Blick» den Sport auf der Auftaktseite des zweiten Bundes durch die Kultur ersetzt hat.

Als Verbeugung vor dem grossen Universalgelehrten Frank A. Meyer, dem «Umberto Eco im Poschetli-Format». Die Einsicht reifte allerdings rasch, dass YB und ZSC, Ski und Formel 1 die Leser mehr beschäftigen als der Islam, die SP und das Opernhaus. Und der Sport bekam wieder seinen angestammten Platz und die Wichtigkeit, die ihm gebührt.

Sport ist der unentbehrliche Rohstoff für den gedruckten Boulevard und den gesendeten Boulevard (= Fernsehen). Nur Sport bietet diese unschlagbare, leicht verständliche Kombination aus Zerstreuung und Spannung, Leichtigkeit und doch Wichtigkeit. Erst Formel 1, Tennis und Fussball haben dem deutschen Privatfernsehen zum Durchbruch verholfen. Heute ist schon vergessen, dass einst die Zeitungen Sportanlässe erfunden haben, um über etwas berichten zu können, das die Leserschaft interessiert. So ist zum Beispiel die Tour de France entstanden.

epa02839725 The pack of riders cycles on Place de la Concorde during the 21st and final stage of the 98th Tour de France cycling race from Creteil to Paris, France, 21 July 2011. EPA/GUILLAUME HORCAJUELO

Die Tour de France: die Erfindung eines Journalisten. Bild: EPA

Inzwischen ist es möglich, Live-Bilder aufs Smartphone zu übertragen. Diese technische Revolution ist gerade daran, die TV-Landschaft umzupflügen, und wird bei der anstehenden Vergabe der Bildrechte erstmals eine wichtige Rolle spielen. Sport im Fernsehen über den Kasten in der Stube wird bald von gestern sein wie das Festnetztelefonieren.

Nichts entwickelt so viel Zugkraft wie Live-Übertragungen von Sportereignissen. Nur Sport macht «süchtig» und muss im Augenblick konsumiert werden. Alles andere wird dann geschaut, wenn es passt. Sport wird im Geschäft mit laufenden Bildern und Werbung eine so zentrale Rolle spielen wie das Erdöl in der Weltwirtschaft des 20. Jahrhunderts. Und wenn die Sport-Livebilder erst noch nach einem fixen Zeitplan über Monate hinweg im Rahmen einer dramatischen «Gesamtshow» (Meisterschaft) geliefert und für den Produzenten und Vermarkter berechenbar werden – wunderbar.

Spiele der heimischen Meisterschaft im Eishockey und Fussball sind das perfekte Produkt für die TV-Landschaft von morgen. Denn anders als die Aufführungen der Champions League oder die Rennen der Formel 1 überträgt kein ausländischer Sender das helvetische Spektakel. Exklusivität ist garantiert. Die Konkurrenz der vielen deutschsprachigen TV-Kanäle entfällt.

ARCHIV --- ZUR MELDUNG, DASS DIE WEKO FUER SWISSCOM EINE HOHE BUSSE FORDERT, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Un cameraman de la television, TV, Teleclub filme la rencontre de football de Super League entre le FC Neuchatel Xamax et FC Lucerne ce dimanche 17 juillet 2011 au Stade de la Maladiere a Neuchatel. La chaine privee suisse Cinetrade (Teleclub, Swisscom TV) a acquis pour environ 30 millions de francs par saison les droits de retransmission de l'Axpo Super League et de la Challenge League pour cinq ans a partir de la saiso 2012/2013.. Mais les chaines de la SSR pourront diffuser un match en direct par journee. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Noch hat Teleclub die Rechte an der Schweizer Super League. Bild: KEYSTONE

Unsere nationale Meisterschaft live – das wäre der «Big Bang» für «Blick TV». Aber eben: Reichweite und Beachtung sind gut, Geld verdienen ist besser. Die Live-Rechte für Eis und Rasen kosten je um die 30 Millionen. Pro Jahr. Wie im kleinen TV-Markt Schweiz, der bloss ungefähr jenem der Stadt München entspricht, refinanzieren? «MySports» dürfte mit den Eishockey-TV-Rechten um die 20 Millionen Minus machen. Pro Jahr.

Das Erfolgsgeheimnis der TV-Träume ist das Schmieden von strategischen Allianzen mit solventen Partnern über die Medienszene hinaus, um mit einer Kombination aus Kapital, Spektakel, Reichweite, Werbeeinnahmen, bezahlten und nicht zahlungspflichtigen Bildern auf verschiedenen Kanälen Geld zu verdienen. «Blick TV» käme dabei, auf aktuelle Verhältnisse übertragen, die Rolle eines «MySports light» zu.

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«Blick TV» könnte zu «My Sports light» werden. Bild: Screenshot Blick TV

Aber ohne eine aktivere Beteiligung der Klubs, die die Rechte-Inhaber nicht in erster Linie als Partner, sondern als Geldesel betrachten, geht es auch nicht. Es funktioniert nicht, wenn dieser Esel nur gesattelt, aber nicht liebevoll gehegt und gepflegt wird. Denkbar ist in der Medien-Landschaft von morgen sogar, dass die Liga und die Klubs das Produkt, das sie produzieren (die Spiele), selbst direkt an den Kunden bringen und zumindest einen Teil des Geschäftes selber machen. So oder so ist es möglich, den Preis für die laufenden Bilder der nationalen Meisterschaft im Eishockey und Fussball noch zu steigern.

Wir stehen in diesem Geschäft erst am Anfang einer Entwicklung, die noch vor ein paar Jahren unvorstellbar schien.

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