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Christian Schuler, Sven Schurtenberger und Joel Wicki, von links, an der Schlussfeier am Eidgenoessischen Schwing- und Aelplerfest (ESAF) in Zug, am Sonntag, 25. August 2019.  (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Eidgenossen: Sven Schurtenberger mit seinen Innerschweizer Kollegen Christian Schuler (links) und Joel Wicki (rechts). Bild: KEYSTONE

Kommentar

Tradition in allen Ehren, aber jetzt übertreibt es der Schwingerverband

Spitzenschwinger Sven Schurtenberger muss nächstes Jahr bei den grössten Festen zuschauen. Ein klitzekleines Logo auf seinen Schienbeinschonern ist dem Luzerner zum Verhängnis geworden. Die Strafe für den Verstoss gegen das Werbereglement ist zu hart.



Regeln sind Regeln und sie sind dazu da, dass sie eingehalten werden. Im «richtigen» Leben wie im Sport. Artikel 3.2 des Werbereglements des Eidgenössischen Schwingerverbands besagt, dass während der gesamten Gangdauer die komplette Bekleidung (ausgenommen sind «handelsübliche» Schuhe) vollständig werbefrei sein muss. Explizit ist festgehalten: «Auch Hersteller-Logos sind verboten.»

Sven Schurtenberger hat sich nicht an diese Regel gehalten. Beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug, diesem Mega-Event Ende August, sah man beim Luzerner im Sägemehl ein Sponsoren-Logo. Nicht prominent auf dem Hemd. Sondern nur mit Adleraugen, wenn sich das Hosenbein bei einem Schwung nach oben schob. Schurtenbergers Vergehen: Er liess es zu, dass der «Swoosh» von Hersteller Nike auf seinem Schienbeinschoner zu sehen war.

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Schurtenberger und der «Swoosh» des Anstosses in Zug. bild: keystone/srf

Opfer einer Verschwörung?

Die Schwinger müssen die Logos abkleben, übermalen oder abschneiden. Vielleicht hat es Schurtenberger vergessen, vielleicht fiel ein Kleber ab. Jedenfalls war es kaum sein Wille, dass die Hunderttausenden Zuschauer in Stadion und Fernsehen sehen, wer seinen Schoner hergestellt hat. Ein wachsamer Beobachter muss ihn verpfiffen haben. Ein erfolgreicher Schwinger als Opfer einer bösartigen Verschwörung? Hollywoodreif.

Der Verband sperrt Schurtenberger wegen des Vergehens für die grössten Feste des nächsten Jahres: Für die Bergfeste, das Innerschweizer Teilverbandsfest und für alle Kranzfeste ausserhalb der Innerschweiz. Also auch für das Jubiläumsschwinget zum 125-jährigen Bestehen des Eidgenössischen Verbands in Appenzell.

An Schurtenberger wird ein Exempel statuiert

Unwissen schützt vor Strafe nicht. Das ist umso bitterer für den 28-Jährigen, da er einer der besten Schwinger des Landes ist und überall, wo er antritt, gewinnen kann. In der Jahreswertung des Fachmagazins «Schlussgang» der Saison 2019 belegt er Rang 4. Beim Eidgenössischen war Schurtenberger lange aussichtsreich im Rennen um den Königstitel. Er gewann das Schwyzer Kantonale und holte insgesamt neun Kränze – eine starke Ausbeute.

Aber seine Erfolge tun gar nichts zur Sache. Die Sperre wäre auch bei einem weniger hoch dekorierten Schwinger übertrieben. Es ist zwar so, dass die Athleten vor dem Eidgenössischen nochmals besonders auf das Einhalten des Werbereglements hingewiesen wurden. Aber es ist wohl ebenso der Fall, dass Schurtenberger nicht absichtlich dagegen verstossen hat. Nike hat ihn wohl kaum dafür bezahlt, seine Schienbeinschoner zu tragen.

Erst mit der Lupe sieht man das Vergehen. Video: SRF

Dem Verband ist es wohl auch darum gegangen, ein Exempel zu statuieren, nach dem Motto: «Wehret den Anfängen!» Die Funktionäre geben sich alle Mühe, die Tradition ihres Sports zu bewahren, was auch seinen Teil zur momentanen Popularität des Schwingens beiträgt. Fast jeder findet es in der durchkommerzialisierten Welt des Sports cool, dass es beim Schwingen weder Werbebanden gibt noch Startnummern mit Sponsoren. Insofern ist es völlig richtig, Schurtenbergers Verstoss gegen das Reglement zu bestrafen; Absicht hin oder her.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen

Doch das Strafmass ist arg übertrieben. Geldbussen sind kein patentes Mittel, da nur wenige Schwinger mit ihrem Sport viel abkassieren. Ein Kompromiss könnte sein, dass Schurtenberger am Eidgenössischen disqualifiziert wird. Der gelernte Zimmermann aus Buttisholz müsste den begehrten eidgenössischen Kranz zurückgeben und die Gabe, die er für seinen Rang 7b erhalten hat. Das würde den ehrgeizigen Sportler schmerzen, ihm aber nicht die Chance nehmen, weiterzumachen. Ihn wegen dieses Vergehens ein Jahr lang aus dem Verkehr zu ziehen, nützt niemandem etwas.

Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Sven Schurtenberger hat gegen die Strafe Rekurs eingelegt. Wird sie nicht reduziert, gibt es nur Verlierer. Der Schwingerverband verliert wegen seiner Engstirnigkeit an Goodwill und einem seiner Aushängeschilder wird wegen einer Lappalie ein ganzes Jahr «gestohlen».

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Das ESAF 2019 in Zug in Bildern

Lebendpreis Greth büxt am Eidgenössischen Schwingfest aus

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39Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • dave1771 02.11.2019 09:15
    Highlight Highlight Hahaha wie peinlich vom Schwingerverband
  • In Albon Michael 02.11.2019 08:17
    Highlight Highlight Schurtenberger Sven. So heisst's!
  • So en Ueli 02.11.2019 07:37
    Highlight Highlight Wie der Artikel besagt, sind Regeln hier um eingehalten zu werden. Wer diese verstösst bewusst oder unbewusst, erhält eine Strafe. Aber als Aussenstehender zu bewerten, ob die Massnahme angebracht ist oder nicht, finde ich unpassend.
    • Izzyhard 02.11.2019 14:54
      Highlight Highlight Hallo? darf doch jeder seine Meinung sagen. Was ist denn deine Meinung dazu? Steht das im Reglement, wo genau?
    • So en Ueli 03.11.2019 09:01
      Highlight Highlight Meine Meinung? Die Regeln sind hier, der Schwinger hat sie nicht eingehalten, er erhält eine Strafe und nun meckern alle rum. What the f%@k ist falsch mit euch?
  • Der müde Joe 02.11.2019 05:24
    Highlight Highlight Den Verantwortlichen hat man doch ins Gehirn geschissen! Was haben die noch mit der Realität zu tun?!

    Verhältnismässiger Blödsinn wie er leibt und lebt!
  • Der Eggu 01.11.2019 23:10
    Highlight Highlight Das ist sooooo lächerlich, dass man es kaum glauben kann. Herr Sven Schurtenberger hat vollkommen recht damit, dass er sich wehrt. Bei der fairsten sportart, die es gibt, brauchen wir keine Korinthenkacker sondern FAIRE Verbands-Verantwortliche!
  • geissivara 01.11.2019 22:15
    Highlight Highlight Letztes Jahr wurde bei gleichem Vergehen die gleiche Strafe ausgesprochen. Jedoch war der Betroffene weniger Bekannt und es wurde daher kaum Notiz davon genommen. Für den Schwinger ist es eine (zu) harte Strafe, auch wenn Allen die Regeln sein sollten. Interessant wäre zu wissen wie die Kommission darauf aufmerksam wurde.... Insbesondere wenn Hinweise von Dritten als Grundlage dienen hat es einen faden Beigeschmack.
  • urs eberhardt 01.11.2019 20:02
    Highlight Highlight Macht, mit etwas Glück, weltweit Publicity für den Schwingsport hier in Schweden.
  • DerHans 01.11.2019 19:44
    Highlight Highlight Hauptsache werden die Besucher ausserhalb der Arena nur so mit Werbeartikel zu gemüllt.
  • Robi14 01.11.2019 19:35
    Highlight Highlight sollen sich seine kollegen zusammen tun und von nun an die logos an den schienbeimschonern nicht mehr abkleben... sie werden wohl kaum die ganze schwingelite für ein jahr sperren...
  • Alpepauli 01.11.2019 19:24
    Highlight Highlight Man kann sich zwar fragen ob die höhe der Strafe gerechtfertigt ist, aber jeder Schwinger kennt die Regeln und auch die Folgen einer Missachtung, ob absichtlich oder nicht, sind bekannt. Wenn ich mit 0.1 sec. bei rot über die Kreuzung fahre zahle ich auch Fr. 250.- Busse! Voll daneben wegen 0.1 sec könnte man sagen, aber es ist das Gesetz.
    • Coffeetime ☕ 01.11.2019 20:30
      Highlight Highlight Also vorher war Gelb und dann hast du dich bewusst entschieden, doch noch zu fahren...
    • SörgeliVomChristophNörgeli 02.11.2019 01:20
      Highlight Highlight Ähm ja, mein lieber Bünzli-Alpenpauli, aber das Gesetz unterscheidet in der Regel zwischen Vorsatz und Fahrlässigkeit.
    • B-Arche 02.11.2019 03:17
      Highlight Highlight Das ist so nicht ganz richtig, Alpepauli. Bei der Ampel gibt's vorher gelb.

      Als ich in Deutschland bei Rot drüber bin gab's nur eine Verwarnung weil angeblich die Ampel nur 5ms rot zeigte also ich knapp drüber war.

      Ist das in CH anders?
    Weitere Antworten anzeigen
  • dax80 01.11.2019 19:24
    Highlight Highlight Punkt. Mehr gibt es dazu eigenlicht nicht zu sagen. Ja, selbst mein Kommentar dazu ist zu viel.
  • Chäferfäscht 01.11.2019 18:58
    Highlight Highlight Hä.....?!!!! 🤦🏽‍♀️🤦🏽‍♀️🤦🏽‍♀️
  • kanu 01.11.2019 18:54
    Highlight Highlight Es gibt x andere Sportarten bei denen nix zu holen ist. Die Gabentempel sind nicht ohne.
    Da spielen sich gewisse Herren extrem auf.
  • Pasch 01.11.2019 18:39
    Highlight Highlight Oder halt eben eine perfekte Nike Werbung mit Drama und HappyEnd.
  • Heini Hemmi 01.11.2019 18:23
    Highlight Highlight Offenbar wird der Verband von Nike gesponsert. Deshalb machen sie so viel Wind.
  • Jakal 01.11.2019 17:50
    Highlight Highlight Angenommen, so ein Schwinger trägt Unterhosen von H&M und während eines Ganges ist kurz das weisse oder schwarze Zetteli des Labels hinten an der Unterhose sichtbar, weil selbiges sehr gross ist und mehrseitig und weil dem Schwinger hinten die Hose etwas runtergerutscht ist. Nur einen Augenblick und für das Publikum und die Zuschauer an den Fernsehgeräten kaum wahrnehmbar. Aber es gibt halt ein Einzelbild. Und nach zoomen und photoshoppen ist es genau und unnatürlich scharf zu sehen, das prominente Logo. Ist doch dasselbe. also bitte ...
  • Garp 01.11.2019 17:44
    Highlight Highlight Ein Tipp für andere Schwinger, tupft das Logo mit Farbe, z.B. Nagellack fein ab.

    Lächerlich dieses Exempel, das statuiert wird. Extremistisch würd ich das schon nennen.
    • Robi14 03.11.2019 11:15
      Highlight Highlight Die sind sicher froh um deinen Tipp, wahrscheinlich macht ein Screenshot deines Tips gerade die Runde in der CH-Schwingszene!
  • anundpfirsich 01.11.2019 17:28
    Highlight Highlight Vielleicht hat ist das Bild gephotoshoppt 🤣
  • länzu 01.11.2019 17:24
    Highlight Highlight Die spinnen ja. Das ist ja völlig unverhältnismässig, diese Sperre.
  • Leader 01.11.2019 17:10
    Highlight Highlight Wer profitiert bei dieser „Chausa“ am meisten?
    Richtig, noch Fragen?
    Unzeitgemässe Vorschriften, durchgesetzt von alten, eitlen Männern.
  • Lowend 01.11.2019 17:03
    Highlight Highlight Absolut lächerlich das ganze! Der hätte ja besser gedopt; Da fallen die Strafen fast geringer aus!
  • chuenel 01.11.2019 16:55
    Highlight Highlight Leute vom Schwinger-Verband habt Ihre zuviel Sägemehl geschluckt,oder seit Ihre immer noch voller Eifersucht das Heute mit Schwingen Geld verdient wird. ????? Und zu Eurer Zeit nicht.
  • Andy13 01.11.2019 16:49
    Highlight Highlight Währet den Anfängen
    • Staedy 01.11.2019 19:02
      Highlight Highlight So ist es leider. Das Schwingen wurde zum Hip-Anlass wo möchtegern Edelweisshemdli Träger mit Rolex am Handgelenk und seine Lady an der anderen plötzlich mitreden und bestimmen wollen, wie es geht.
  • Illuminati 01.11.2019 16:45
    Highlight Highlight Das Kuriose daran ist, dass dies wohl kaum Jemandem aufgefallen wäre, jetzt aber wegen dieser übertriebener Strafe und dem darauffolgenden Medienecho die Werbung für Nike perfekt ist...
    Ob die jetzt so enorme Werbung für Nike im Sinne des Schwingverbandes ist lasse ich mal im Raum stehen...
    • MaskedGaijin 02.11.2019 00:03
      Highlight Highlight Vorallem wird er wohl kaum von Nike gesponsert. Ich nehme mal an das er die Schoner selbst gekauft hat.
    • Bowell 02.11.2019 09:08
      Highlight Highlight Klassischer Streisand-Effekt.
  • Leader 01.11.2019 16:44
    Highlight Highlight Eitle, neidische alte Männer verhängen Strafen ohne nachzudenken.
    Man kann es, trotz Regeln, auch übertreiben.
  • Scaros_2 01.11.2019 16:42
    Highlight Highlight Würde ich so ein Urteil bekommen, ich würde sofort aufhören. Das Urteil ist viel zu extrem als das dies wirklich "Aktives Werben" war.

    Also ein gewisser Realitätsverlust ist hier deutlich merkbar.

    Vor allem ist das ja wie bei Bundesgerichtsurteilen bei neuen "Fällen". Diese sind Wegweisend für die Zukunft und somit müsste jeder für eine noch so kleine Sponsoring-fails genau so bestraft werden. Sonst wäre es ja nicht gleichheit vor dem Recht, resp. hier Regeln.
  • fools garden 01.11.2019 16:37
    Highlight Highlight Das hat im Stadion gewiss niemand gesehn, und im Fernseher wohl auch nicht, von Werbung kann ergo kaum die Rede sein.
    Ich bin auch gegen Werbung im Schwingsport, die Strafe ist echt übertrieben.
  • saukaibli 01.11.2019 16:34
    Highlight Highlight Es gibt nicht nur Verlierer, es gibt einen einzigen Gewinner: Nike. Denn ohne die lächerliche Sperre und der damit einhergehenden Medienberichterstattung hätte absolut niemand bemerkt, dass Schurtenberger einen Schienbeinschoner von Nike getragen hat. Nun steht der Verband saublöd da, der Schwinger wurde unnötig hart bestraft und Nike hat ohne einen Rappen auszugeben (vermutlich sogar ja noch Geld bekommen) Werbung bekommen.
    • dave1771 02.11.2019 09:16
      Highlight Highlight Kaufe mir gleich Adidas Schoner

Kommentar

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