Liebe Nati, dank euch bin ich ein verwöhntes WM-Kind
Schnell sind wieder vier Jahre vergangen und auch in diesem Jahr ist die Schweiz an der Weltmeisterschaft dabei. «Selbstverständlich ist die Nati dabei», möchte ich schon fast sagen, denn ich kenne es nicht anders. Seit ich bei der WM 2006 zum ersten Mal mit Fussball in Verbindung kam, war die Schweiz an jeder Weltmeisterschaft vertreten und verpasste einzig die Europameisterschaft 2012.
Ein Blick zurück zeigt, dass dies alles andere als selbstverständlich ist. Nach der Weltmeisterschaft 1966 musste sich die Schweiz bis zur nächsten Teilnahme 28 Jahre lang gedulden. So kommt es, dass mein Redaktionskollege Peter Blunschi mit Jahrgang 1963 aktiv nur eine Weltmeisterschaft mehr miterlebte, bei der die Schweiz auch mitspielte, als ich.
Klar, in den letzten Jahrzehnten vergrösserte sich das Teilnehmerfeld kontinuierlich, aber gerade das Beispiel von Italien (zum dritten Mal hintereinander nicht dabei) zeigt, dass die WM-Qualifikation kein Selbstläufer ist.
Es darf auch nicht vergessen werden, wie konstant die Fussball-Nati in den letzten Jahren an den grossen Turnieren immer ordentliche Leistungen zeigte. Seit 2006 verpasste die Schweiz an Weltmeisterschaften nur einmal (2010) die K.o.-Phase. Dass die Schweiz seit über zwanzig Jahren fast immer zu den besten Ländern der Welt gehört, ist alles, aber nicht selbstverständlich. Einzig Frankreich, Brasilien und Argentinien überstanden neben der Schweiz seit 2014 jedes Mal die WM-Gruppenphase.
Auch ich kritisiere und nörgle rasch, wenn die Nati mal wieder zu langweilig spielt oder eine kleine Formkrise hat, und ja, ein WM-Achtelfinal wurde seit 72 Jahren nicht mehr gewonnen. Dabei sollte ich eigentlich gar nicht berechtigt sein, mich zu beschweren, wenn ich nur schon 24 Jahre in die Vergangenheit schaue.
Trotzdem möchte ich gar nicht darüber nachdenken, wie es wäre, 28 Jahre auf eine WM-Teilnahme zu warten. Wahrscheinlich (es sind zwar nur fünf Siege, die fehlen) wird die Schweiz auch in diesem Jahr nicht Weltmeister, aber ich werde bis zum Schluss daran glauben und bin einfach froh, durfte ich eine weitere WM mit meiner Nati erleben.
Vielen Dank an die Nationalmannschaften von 2006, 2010, 2014, 2018, 2022 und 2026, dass ihr die WM jedes Mal noch spezieller gemacht habt, als sie es eh schon ist!
