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Gruppensieg an der WM: Was die Kritik an der Nati wirklich verrät

Warum das Gemotze über die Nati eigentlich ein Kompliment ist
«Ich verstehe nicht, warum er Itten bringt und nicht Okafor mit seinem Speed!»Bild: imago/watson
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Warum das Gemotze über die Schweizer Nati eigentlich ein Kompliment ist

Die erste Klippe ist geschafft: Die Schweiz steht an der Fussball-WM in den USA, Kanada und Mexiko in der K.o.-Phase. Das ist ein Erfolg – ohne wenn und aber.
25.06.2026, 17:0025.06.2026, 17:46

Nur ein 1:1 gegen den Fussballzwerg Katar. Gegen Bosnien-Herzegowina beim 4:1-Sieg lange Mühe. Und gegen Kanada beim 2:1-Sieg am Ende beinahe eingebrochen. Die Schweiz ist mit mehr Mühe als erwartet in die WM-Sechzehntelfinals eingezogen.

Das ist eine Betrachtungsweise, sie ist durchaus legitim, denn es war nicht alles gut. Aber eben nicht die einzige. Denn man kann auch festhalten: Die Schweiz hat ihre Vorrundengruppe gewonnen, obwohl noch nicht alles gepasst hat. Genau das erklärt die aktuelle Kritik: Die Nati hat den Massstab verschoben.

Ewig gleiche Debatten …

Auf die Resultate kommt es bei Turnieren an. Sie entscheiden, wer bleibt und für wen es nach Hause geht. Dass das nächste Spiel das Wichtigste ist, ist ein abgedroschener Spruch – aber er stimmt. Wer K.o.-Spiele gewinnt, dem verzeiht man vieles, was in der Gruppenphase noch kritisiert wurde. Was ist von der EM 2021 noch besser in Erinnerung: Das chancenlose 0:3 in der Vorrunde gegen Italien oder der glorreiche Achtelfinalsieg gegen Weltmeister Frankreich?

Dass die Schweizer Nationalmannschaft und ihr Trainer Murat Yakin nun für die bisherigen Leistungen teils recht scharf kritisiert werden, hat verschiedene Gründe. Da wären einerseits Debatten, die die Nati seit Jahren begleiten. Noch immer stören sich manche daran, dass viele Nationalspieler Wurzeln auf dem Balkan oder in Afrika haben. Der Doppeladler-Jubel oder dass nicht jeder die Nationalhymne mitsingt, beschäftigt manche bis heute mehr als ein gelungener Spielzug.

Die schärfste Kritik der Gegenwart hat aber einen anderen Ursprung. Sie ist sportlicher Natur – und Folge des Erfolgs der letzten Jahre.

KEYPIX - Team Switzerland celebrates after the World Cup Group B soccer match between Switzerland and Canada at the BC Place stadium in Vancouver, Canada, Wednesday, June 24, 2026, during the 2026 FIF ...
Die Nati feiert den Sieg über Kanada mit ihren Anhängern in Vancouver.Bild: keystone

… und ein schönes, selbst verursachtes «Problem»

Um das zu verstehen, lohnt sich ein Blick zurück. In den 1980er-Jahren hatte die Schweiz ein Nationalteam, das eine «ehrenvolle Niederlage» nach der anderen kassierte und sich nie für eine EM- oder WM-Endrunde qualifizieren konnte. Bis 1994 der Bann gebrochen wurde, als die Schweiz in den USA nach 28 Jahren des Wartens wieder an einer Weltmeisterschaft antrat.

Seither hat sie sich in der erweiterten Spitze etabliert. Mit einer Ausnahme (EM 2012) war die Nati in den letzten zwanzig Jahren an jedem grossen Turnier dabei. Eine Nation, die jahrzehntelang zuschaute, ist längst ein selbstverständlicher Teilnehmer. An der letzten EM scheiterte die Schweiz erst im Penaltyschiessen gegen England am Einzug in den Halbfinal. Nun in Nordamerika gelang ihr zum vierten Mal in Folge der Sprung in die K.o.-Phase einer WM.

Die Schweiz ist eine Fussballnation geworden

Das sind Erfolge. Ohne wenn und aber, denn es zählen nicht nur Titel. Und die Erfolge haben nicht alleine mit der Aufstockung der Teilnehmerfelder zu tun. In den letzten zehn Jahren gehörte die Schweiz permanent zu den Top 20 der Weltrangliste. Angesichts der Tatsache, dass der Fussball fast überall auf dem Globus die wichtigste Sportart ist und rund 100 Länder mehr Einwohner haben als die Schweiz, ist das mehr als beachtlich.

epa12863057 Players of Italy react during the penalty shoout-out in the FIFA World Cup 2026 European playoff match between Bosnia and Herzegovina and Italy in Zenica, Bosnia and Herzegovina, 31 March  ...
Kein Grosser mehr: Italien verpasste die WM zum dritten Mal in Folge.Bild: keystone

Aller gutschweizerischen Zurückhaltung zum Trotz dürfen wir sagen: Wir sind eine Fussballnation geworden. Die Kritik fällt auch deshalb teils scharf aus, weil sich die Ansprüche geändert haben. Einst diskutierte man, ob die Schweiz überhaupt mit den Grossen mithalten kann. Heute diskutiert man darüber, warum sie nicht noch besser ist.

Xhaka und Co. lassen Erfolge selbstverständlich erscheinen

Wenn hier und dort über Aufstellung, Taktik und Chancentode gelästert wird, sagt das weniger über die Qualität der Nati aus, sondern mehr über die gestiegenen Erwartungen ihrer Fans. Längst ist die Schweiz so gut, dass ordentliche Leistungen als Enttäuschung abgetan werden.

Das ist vielleicht die grösste Errungenschaft der Nati-Generation um Captain und Rekordnationalspieler Granit Xhaka: Sie lässt ihre Erfolge selbstverständlich erscheinen. Deshalb wird heute nach einem Gruppensieg gemeckert, auf den man vor zwanzig Jahren noch lange stolz gewesen ist.

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Die beliebtesten Kommentare
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hanspi007
25.06.2026 17:13registriert Januar 2023
Daran gibt‘s nichts auszusetzen, ich hätt‘s nicht besser schreiben können. Du hast in Worte gefasst, was ich seit langem schon denke. Irgendwie haben wir die Relation zur Grösse unseres Landes und zur Stärke unserer Liga verloren. Nichts von alledem ist selbstverständlich, auch wenn trotzdem immer so tun.
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BigMic
25.06.2026 18:49registriert Januar 2014
Und hier die Liste der europäischen Teams welche bei den letzten 7 Grossturniere die K.O. Phase erreicht haben:
Frankreich
Schweiz

fertig!!!
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SBP
25.06.2026 18:03registriert Mai 2018
Die Schweiz ist ein Topteam, ohne Zweifel. Jetzt kommt das Aber 😁 Für ganz nach vorne wird es aber wirklich nur dann reichen, wenn jeder Spieler - egal ob Hell, Dunkel, Stürmer, Verteidiger, Captain, Leader oder Bankdrücker - sein Ego in der Kabine lässt und alles für dieses Team gibt. Und genau dort haben sie noch so einiges an Potential nach oben 👍 Das ist es was die Menschen sehen wollen und erst dann werden auch die Dauernörgler 🤐
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