Lobalu läuft zu Silber – Sprintstaffel der Frauen dramatisch zur Medaille
4x100 m Frauen
Géraldine Di Tizio-Frey, Fabienne Hoenke, Léonie Pointet und Salomé Kora haben Geschichte geschrieben. Zum ersten Mal überhaupt hat eine Schweizer Staffel eine Medaille an einem Grossanlass errungen. Über 4x100 m wurde es Silber hinter dem souveränen Grossbritannien.
Pointet und Schlussläuferin Kora machten die Angelegenheit mit einem sehr schlechten Wechsel ungemein spannend. Kora musste abbremsen, um den Stab noch in der erlaubten Zone greifen zu können, danach setzte sie zur erfolgreichen Aufholjagd an. Die Schweiz setzte sich schliesslich um drei Hundertstel gegenüber Polen durch.
Hoenke ersetzte im Final Ajla Del Ponte. Den Halbfinal am Nachmittag gewannen die Schweizerinnen souverän, im anderen Halbfinal waren nur zwei Teams schneller.
10'000 m Männer
Dominic Lobalu hat die Silbermedaille gewonnen. Der St.Galler musste sich nur dem hoch überlegenen Schweden Andreas Almgren geschlagen geben, der mit EM-Rekord von 27:23.44 triumphierte. Bronze ging an den Franzosen Jimmy Gressier. «Ich bin sehr, sehr zufrieden», hielt Lobalu im SRF-Interview fest.
Lobalu, der beinahe 20 Sekunden auf den Sieger verlor, glückte damit nach dem enttäuschenden 7. Rang über 5000 m die Revanche. Nach Gold und Bronze in Rom 2024 hat er nun einen kompletten Medaillensatz an der EM gewonnen. Der Zürcher Jonas Raess schaffte es eine Minute hinter Almgren auf Rang 8.
Das Rennen nahm einen anderen Verlauf als erwartet. Statt zu bummeln, ging es nach 2 km gleich zur Sache. Almgren, im Endspurt nicht der Schnellste, zog das Feld in die Länge und sorgte dafür, dass nach 5 km nur noch eine Fünfergruppe an der Spitze lag, darunter Lobalu. Nach 6 km waren es noch vier Läufer und nach 7 km lag Almgren alleine vorne.
Lobalu zeigte im Gegensatz zum 5000-m-Lauf eine taktisch reife Leistung: Er spürte genau, wann und wie schnell er die Lücken zu Almgren schliessen musste, und erkannte auch, ab welchem Zeitpunkt es galt, Platz 2 abzusichern. «Ich habe aus dem Rennen am Montag gelernt», sagte Lobalu.
Siebenkampf Frauen
Annik Kälin hat das Podest im Siebenkampf verpasst. Ein beherzter Auftritt zum Abschluss im 800-m-Rennen reichte nicht, um sich noch zu verbessern. Die Bündnerin wurde Vierte. «Jemand muss ihn belegen, aber es ist natürlich ein undankbarer Platz», sagte Kälin.
Einer der Hauptgründe war der Speerwurf: Kälin, die mit Knieprobleme zu kämpfen hatte, büsste rund fünf Meter auf ihre Bestweite ein.
Gold ging an Kate O'Connor. Die Irin triumphierte vor dem niederländischen Duo Emma Oosterwegel und Sofie Dokter. Für Bronze fehlten Kälin, die auf ein Total von 6630 Punkten kam, 34 Zähler.
«Es wäre viel drin gelegen», ärgerte sich Kälin im SRF-Interview, «schade, dass es nicht aufging.» Dass es nicht für eine Medaille gereicht habe, zeige, wie hoch derzeit das Niveau im Siebenkampf sei. «Die anderen hatten keinen Patzer und holten sich die Medaillen verdient. Das spornt aber nur an, an den Schwächen zu arbeiten und noch mehr Punkte zu holen.»
Mit den 6819 Punkten ihres Schweizer Rekords, den sie vor sechs Wochen aufgestellt hatte, hätte Kälin den EM-Titel gewonnen. Diese Marke ist die beste einer Europäerin in diesem Jahr, weswegen Kälin als Mitfavoritin an die Titelkämpfe in England reiste und nun eine Enttäuschung verdauen muss.
Die weiteren Bewerbe
Der Sieg in der Staffel über 4x100m bei den Männern geht an Grossbritannien. In 38,45 s gewannen Jeremiah Azu, Louie Hinchliffe, Zharnel Hughes und Romell Glave klar vor Deutschland und Belgien.
Gold über 400 m geht hochüberlegen an Henriette Jäger. Die Norwegerin gewann mit neuem Landesrekord von 49,04 s und war damit eine Sekunde schneller als die nächstbeste, Titelverteidigerin Natalia Bokowiecka. Bronze ging hinter der Polin an Lieke Klaver aus den Niederlanden.
Der Europameister über 1500 m heisst Stefan Nillessen. Der Niederländer gewann vor dem Schweden Samuel Pihlström, der eine phänomenale Zielgerade zeigte. Der Ire Andrew Coscoran sicherte sich Bronze und verwies zur Enttäuschung des Heimpublikums ein englisches Trio auf die Ränge 4 bis 6.
Mit einem brillanten Wurf auf 90,40 m im letzten Versuch – ein neuer EM-Rekord – krallte sich Julian Weber die Goldmedaille im Speerwurf. Der Deutsche nahm der Konkurrenz über sechs Meter ab und fing damit noch Landsmann Nick Thumm ab. Bronze ging an den Letten Patriks Gailums.
Mit der viertbesten Weite der Geschichte holte Andy Diaz Hernandez den Titel im Dreisprung. Der Italiener kam 18,15 m weit. Zum Weltrekord des Briten Jonathan Edwards fehlten Diaz Hernandez, dem ein Rückenwind von 1,7 m/s half, 14 Zentimeter.
Zum dritten Mal in Folge heisst die Europameisterin im Hochsprung Jaroslawa Mahutschich. Die 24-Jährige aus der Ukraine übersprang als einzige 1,97 m. (ram/sda)
