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Olympische Sommerspiele 2024: Diese 5 Probleme beschäftigen Paris

Activists stage a protest against Paris 2024 Olympics, one showing a leaflet reading "No withdrawal of the pension reform, no Olympic Games", in Paris, Monday, May 1, 2023. Olympic contestat ...
Nur ein Problem von vielen: Gewerkschaftliche Drohung gegen die olympischen Spiele 2024.Bild: keystone

Diese Probleme beschäftigen Paris ein Jahr vor den Olympischen Sommerspielen

Vor den olympischen Sommerspielen in gut einem Jahr häufen sich in Paris die Spannungen und Probleme. Die Präsidentin des französischen Komitees, Brigitte Henriques, trat zurück.
31.05.2023, 22:1802.06.2023, 10:27
Stefan Brändle / ch media
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Die Russenfrage

Bis heute ist offen, ob russische und weissrussische Sportler trotz des Aggressionskrieges gegen die Ukraine an den Spielen mitmachen dürfen. Das IOK empfiehlt zwar eine «neutrale» Beteiligung ohne Hinweis auf die Nationalität; zudem dürfen sie sich nicht für den Krieg ausgesprochen haben. Der deutsche und als prorussisch geltende IOK-Vorsitzende Thomas Bach warnt für den Fall eines Ausschlusses vor einer Spaltung der olympischen Organisation, was zu getrennten Spielen einzelner Machtblöcke führen könnte.

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskyj fordert seinen französischen Amtskollegen Emmanuel Macron dagegen auf, (weiss-)russischen Athleten keine Einreisebewilligung zu erteilen. Sein Land, wie auch Polen und die Balten, drohen mit einem Olympiaboykott, falls das IOK Russen in Paris zulässt. Einzelverbände handeln bisher unterschiedlich: Russische Fechter können an den Qualifikationsturnieren teilnehmen, Leichtathleten hingegen nicht.

14.05.2023, Berlin: Wolodymyr Selenskyj, Pr�sident der Ukraine, singt die ukrainische Hymne als er von Bundeskanzler Scholz vor dem Bundeskanzleramt mit milit�rischen Ehren begr��t wird. Der ukrainisc ...
Selenskyj fordert den Auschluss russischer und belarussischer Athleten bei Olympia 2024.Bild: keystone

Überrissene Ticket- und Wohnpreise

Massive Kritik gibt es über Frankreich hinaus an den hohen Eintritts- und Wohnungspreisen. Tickets für Leichtathletikanlässe kosten bis zu 995 Euro pro Sitzplatz. Für die Abschlussfeier muss man zwischen 50 und 1600 Euro hinblättern, für die grandiose Eröffnungszeremonie mit Schiffen in der Seine zwischen 90 und 2600 Euro. In den sozialen Medien hagelt es Proteste.

Die belgische Siebenkämpferin Nafissatou Thiam teilte über Twitter mit, zu diesen Bedingungen könne ihre Familien nicht an die Spiele fahren. Die französische Judoka Amandine Buchard erklärte, ihre Familie werde einen Bankkredit aufnehmen müssen. Olympiasportler erhalten für Angehörige jeweils zwei Gratistickets. Insgesamt sind 6,8 Millionen der insgesamt zehn Millionen Tickets verkauft. Nach den Losentscheiden der zweiten Verkaufsphase beginnt die dritte Verkaufsphase im Sommer.

FILE - Paris officials unveil a display of the Olympic rings on Trocadero plaza that overlooks the Eiffel Tower, after the vote awarding the 2024 Games to the French capital, in Paris, Wednesday, Sept ...
Olympische Spiele vor dem Eiffelturm: In Paris wird es Teuer für Athleten und Fans.Bild: keystone

Astronomische Ausmasse erreichen auch die Logierpreise in Paris und Umgebung. Einzelne Wohnungsbesitzer vermieten ihre Bleibe für bis zu 2000 Euro pro Nacht. Preise von 800 bis 1000 Euro pro Nacht für eine vierköpfige Familie sind nichts Aussergewöhnliches. Nach heftiger Kritik verlangt das französische Olympiakomitee von den Pariser Wohneigentümern eine «Mässigung». Dessen Präsidentin Brigitte Henriques gab vor wenigen Tagen überraschend ihren Rücktritt bekannt.

«Auslagerung» von Obdachlosen und Migranten

Humanitäre Verbände und Linkspolitiker werfen der Regierung zudem vor, sie versuche Obdachlose, «Sans-Papiers» und Migranten aus dem Strassenbild der Lichterstadt zu verbannen. Im April hatte die Polizei schon eine verlassene Zementfabrik geräumt, die sich neben einem Teil des olympischen Dorfes im Norden von Paris befindet. 400 Zuwanderer vorwiegend aus Nordafrika wurden abtransportiert und auf Auffanglager im ganzen Land verteilt.

Vor einigen Tagen teilte der Bürgermeister des kleinen Dorfes Bruz in der Bretagne, Philippe Salmon, in Fernsehinterviews mit, er sei vom Innenministerium informiert worden, dass Pariser Obdachlose auf einem Brachland der Eisenbahn in seiner Gemeinde angesiedelt würden. Wohnbauminister Oliver Klein bestreitet diese Darstellung, doch Salmon bekräftigt, ihm sei gesagt worden, die Auslagerung geschehe «wegen der olympischen Spiele».

Fehlendes Sicherheitspersonal

Die Anwerbung von 30'000 Sicherheitsleuten für die Spiele weist massiven Rückstand auf. In Paris, wo generell Mangel an Wachleuten herrscht, alarmierte der Branchenverband GES die Regierung, 20'000 Stellen könnten unbesetzt bleiben. Sorgen macht den Olympiaorganisatoren vor allem die Eröffnungsfeier. Sie findet erstmals an olympischen Spielen nicht in einem Stadion statt, sondern entlang der Seine mit schätzungsweise 800'000 Besuchern.

This computer generated image provided Tuesday May 23, 2023 by Paris 2024 shows an aerial view of Paris with the Eiffel tower and the Seine river during the opening ceremony of the Paris 2024 Olympic  ...
Eröffnungsfeier entlang der Seine – so soll das aussehen.Bild: keystone

Das wirft gewaltige Sicherheitsprobleme auf. Innenminister Gérald Darmanin schliesst – wie bei den olympischen Spielen von London 2012 – Armeeeinsätze nicht aus. Die Überwachung der Massen soll mit neuartigen Kamera-Algorithmen die Vorbeugung von Anschlägen verhindern. Beide Massnahmen sorgen für Kritik.

Angst vor Störmanövern der Gewerkschaften

Radikale Gewerkschaften wie die CGT drohen damit, die olympischen Spiele als Plattform für ihre Anliegen zu missbrauchen. Die CGT verlangt weiterhin den Rückzug von Emmanuel Macrons Rentenreform mit der Erhöhung des Rentenalters von 62 auf 64 Jahren. Die Gewerkschaft bedroht das Sportevent mit der Parole: «Kein Rückzug – keine Spiele.»

In den letzten Wochen wurden schon diverse Baustellen wie etwa die des Olympia-Schwimmbeckens bestreikt. Beim französischen Fussball-Pokalendspiel von April verteilte die CGT Trillerpfeifen und rote Karten. Die Protestaktion gegen die Rentenreform und Macron wurde allerdings wenig befolgt – was als Zeichen gewertet wird, dass die Franzosen durchaus zwischen Politik und Sport unterscheiden. (aargauerzeitung.ch)

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