Wie Roger Federer bei seinem Laver Cup Superreiche zur Kasse bittet
Manche Bilder brennen sich tief in unser Bewusstsein. Vor vier Jahren war die O2-Arena eine Bühne für einen Abschied, wie ihn der Sport nur selten erlebt. Roger Federer weinte, Rafael Nadal weinte, sie hielten sich an den Händen. Mirka Federer, ihre Kinder, die Eltern – alle hatten Tränen in den Augen. Für eine Nacht wurde der Laver Cup zur Kathedrale der Emotionen.
Nun ist vieles anders. Roger Federer ist nicht mehr da, auch Rafael Nadal und Andy Murray haben ihren Rücktritt gegeben. Und Novak Djokovic, der im Spätherbst seiner Karriere steht, fehlt beim Laver Cup erneut.
Mit Alcaraz und Zverev
Schon vor Federers Abschied stellte sich die Frage, wie viel Strahlkraft der Laver Cup ohne ihn noch besitzt. Zwar sind fünf von zehn Spielern aus den Top Ten der Weltrangliste in London dabei, darunter der zweifache Grand-Slam-Sieger Alexander Zverev und der siebenfache Major-Sieger Carlos Alcaraz. Doch die Aura Federers und seiner Rivalen fehlt ihnen (noch).
Mit dem Abschied der grossen Namen steht der Laver Cup wirtschaftlich vor einer neuen Realität. Nachdem das Turnier zuletzt Millionenverluste schrieb, setzen die Organisatoren verstärkt auf zahlungskräftige Gäste. Das exklusivste Hospitality-Paket kostet umgerechnet rund 41'000 Franken.
Günstigste Tickets ab 40 Franken
Wer den Laver Cup das ganze Wochenende erleben will, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen als noch vor vier Jahren. Das günstigste Komplettpaket verteuerte sich von rund 204 auf 288 Franken – ein Plus von mehr als 40 Prozent. Nur bei den Einzeltickets gibt es eine kleine Entlastung: Der günstigste Platz kostet heute rund 50 statt 66 Franken. Für die Logenplätze werden erneut über 3200 Franken verlangt.
Richtig viel Geld verdienen wollen die Organisatoren mit Superreichen. Sie werden mit exklusiven Angeboten umgarnt: Logenplätze direkt am Spielfeld, VIP-Lounges, All-inclusive-Verpflegung, separate Eingänge und Treffen mit Tennisgrössen wie Andy Murray, John McEnroe oder Jim Courier.
Tennisplausch mit Federer persönlich?
Das teuerste Angebot, die «Ultimate Experience», kostet rund 41'000 Franken. Dafür gibt es einen Platz in der ersten Reihe, vier Nächte im Fünfsternehotel, in dem auch die Teams logieren, VIP-Transfers sowie ein 30-minütiges Training mit einer Tennislegende. Vielleicht sogar mit Roger Federer himself? Sicher ist: Das Paket ist bereits ausverkauft.
Im vergangenen Jahr in San Francisco kostete das Rundum-sorglos-Paket für Superreiche «nur» rund 30'000 Franken. In London müssen sie dafür also noch einmal deutlich tiefer in die Tasche greifen.
Zweimal Millionenverluste
Die Jagd nach Superreichen ist kein Zufall. Denn hinter den Kulissen kämpft der Laver Cup mit wirtschaftlichen Problemen. Zuletzt resultierten zweimal in Folge Millionenverluste. 2023 in Vancouver waren es 1,8 Millionen Pfund, 2024 wies die Bilanz zwar eine schwarze Null auf, allerdings nur, weil der Verlust von 1,5 Millionen durch «Einnahmen des Unternehmens ausserhalb des Turniers» ausgeglichen wurde. Wie das Ergebnis im vergangen Jahr ausfiel, ist derzeit noch nicht einsehbar.
Ausgetragen wird der Laver Cup seit 2017 von der in London domizilierten Trident 8, einer britischen Tochtergesellschaft der Agentur Team 8 Global, an der Federer beteiligt ist. Vorbild für den Teamwettbewerb war der Ryder Cup im Golf. Alimentiert wird er er vom australischen und amerikanischen Tennisverband und dem früheren Davis-Cup-Spieler und Milliardär Jorge Paulo Lemann. Die Partner und Sponsoren? Die gleichen wie bei Federer selbst, also: Rolex, UBS, Mercedes, Moët & Chandon, Uniqlo und On.
Geistiger Vater und Gesicht des Laver Cups ist Roger Federer. Er ist sein Vermächtnis ans Tennis, das seine eigene Karriere weit überdauern soll.
Einbruch beim Ticketverkauf
Als er vor vier Jahren letztmals selber als Spieler antrat, machte der Laver Cup 28,4 Millionen Pfund Umsatz (zirka 31 Millionen Franken), davon 17,5 Millionen aus dem Ticketverkauf. Der Gewinn belief sich auf 3,5 Millionen.
Seither brachen die Einnahmen aus dem Ticketverkauf von rund 20,6 auf 14,8 Millionen Franken und jene aus dem Merchandising von 2,2 auf 1,2 Millionen Franken ein. Das zeigt, wie stark der Laver Cup von Federers Strahlkraft abhängig ist. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben zwischen 2021 und 2023 um rund 8,3 Millionen Franken. Der Grund: Der Wettbewerb findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt – mit unterschiedlich grossen Stadien sowie variablen Kosten für Aufbau und Infrastruktur.
London soll die Trendwende bringen und eine «historische Profitabilität» ermöglichen. Vier Jahre nach der Nacht der Tränen kehrt der Laver Cup an den Ort seiner grössten Emotionen zurück. Die Hoffnung: Roger Federers Vermächtnis weckt nicht nur Erinnerungen, sondern füllt auch die Kassen. (schweizheute.ch)

