«Sollte noch mehr aus meinem Alltag zeigen»: Wie Sinisha Lüscher die Fan-Herzen erobert
Bei Sinisha Lüscher ist auf den Schwingplätzen längst nicht mehr sein Erscheinungsbild das Markenzeichen. Im Vordergrund stehen seine sportlichen Leistungen – aber auch sein Image als ungemein fokussierter Athlet, der gezielt in seine Aussenwirkung investiert. Sei es an den Schwingfesten, wo er sich nach den Wettkämpfen stets gerne Zeit für seine Fans nimmt. Sei es in den sozialen Medien, wo der 20-Jährige viel Zeit in seinen Auftritt investiert. Mit Erfolg.
Hinter Samuel Giger (48'200 Follower) hat Sinisha Lüscher unter allen aktiven Schwingern mit 32'800 Leuten alleine auf Instagram die zweitgrösste Gefolgschaft. Mehr als Schwingerkönig Armon Orlik (20'200) und die anderen Topshots wie Werner Schlegel (18'800), Fabian Staudenmann (25'500) oder Michael Moser (18'400). Selbst von den mittlerweile zurückgetretenen Königen hat nur Joel Wicki (37'400) mehr Anhänger in den sozialen Medien als Lüscher.
Aber weshalb diese Popularität? Zumal der Aargauer Eidgenosse, der für den Schwingklub Olten-Gösgen in die Zwilchhosen steigt, das Rampenlicht gar nicht zwingend sucht. Er sagt: «Ich bin eigentlich nicht so gerne in der Öffentlichkeit. Ich bin nicht unbedingt ein Medienmensch, aber es gehört halt dazu.» Trotzdem: Seit Sinisha Lüscher im vergangenen Jahr in Mollis in den erlauchten Kreis der Eidgenossen aufgestiegen ist, hat seine Bekanntheit nochmal massiv zugenommen. Plötzlich tauchte er zu besten TV-Sendezeiten in Werbespots auf, war bei verschiedenen, zum Teil reichweitenstarken Podcasts zu Gast. Und hat so sein öffentliches Profil nochmal geschärft.
So akribisch und professionell Sinisha Lüscher mittlerweile in sportlichen Belangen aufgestellt ist, so perfektionistisch ist sein Anspruch auch punkto Öffentlichkeitsarbeit. Er sagt: «Ich denke, dass der Aufbau einer persönlichen Marke ein total wichtiges Thema ist. Das gehört heute auch zum Marketing dazu.» Der Mann aus Muhen investiert entsprechend selber viel Zeit in seine Social-Media-Beiträge. Sein Credo dabei: «Ich versuche, mich auf mich selbst zu fokussieren, authentisch zu sein und Dinge zu posten, die mir gefallen.»
Man spürt: Er würde sogar gerne noch mehr investieren, vor allem in Videoformate, kommt diesbezüglich aber punkto zeitlichem Engagement an seine Grenzen. Outsourcing an eine PR-Firma kommt für Lüscher allerdings (noch) nicht in Frage: «Ich mache das alles gerne selbst, damit es meinen persönlichen Touch hat.» Neben der klassischen Aufarbeitung seiner sportlichen Leistungen an den Schwingfesten gibt Lüscher auch regelmässige Einblicke in sein Leben abseits des Sägemehls, meist unterlegt von Musik, die ihm persönlich viel bedeutet. Er sagt sogar: «Eigentlich sollte ich noch mehr aus meinem Alltag zeigen.»
Mit seinem Musikstil, gepaart mit der Kleidermode, die er trägt, spricht der Aargauer in Solothurner Diensten selbstredend auch Leute ausserhalb der klassischen Schwinger-Bubble an. Was ihm natürlich auch bei der Akquise von Werbepartnern zugute kommt. Der Blick auf das Sponsoren-Portfolio von Sinisha Lüscher zeigt, dass er offensichtlich eine hochinteressante Werbefigur ist. Drei «Visionspartner», vier «Kranzpartner», neun «Partner» und zusätzlich das Kantonsspital Aarau als «Medical Partner» sind auf der professionell gestalteten Homepage sinisha.ch aufgelistet.
Auch diese Deals hat Sinisha Lüscher quasi in Eigenregie ausgehandelt. Genauso ist er es, der entscheidet, ob eine Partnerschaft für ihn infrage kommt oder nicht. «Mit Blick auf die Vorbildfunktion und die eigene Positionierung gibt es für mich gewisse Dinge, die absolute No-Gos sind», unterstreicht er. Was im Umkehrschluss heisst, dass ihm auch schon die eine oder andere, hoch dotierte «unmoralische» Offerte reingeflattert ist: «Ich hatte überhaupt kein Problem damit, das Angebot abzulehnen.»
Zusammen mit Claudio Flückiger, der ihn in vertragstechnischen Belangen berät und auch für den Fanklub – dessen Mitgliederzahl sich in den letzen zwei Jahren vervierfacht hat – und die Kommunikation zuständig ist, sowie Jürg «Jürgli» Monhart, der das sportliche Coaching verantwortet, bildet Lüscher ein eingespieltes, kleines Team mit kurzen Kommunikationswegen. Der Jung-Eidgenosse versucht laufend, die Abläufe zu optimieren – auf und neben dem Sägemehl. Er selber sagt, dass er sich mittlerweile im «semi-professionellen Bereich» bewegt.
Bei der Raiffeisenbank, wo er im Sommer 2025 seine KV-Lehre erfolgreich abgeschlossen hat, arbeitet Sinisha Lüscher in einem 30-Prozent-Pensum. Könnte er sich vorstellen, wie der Thurgauer Eidgenosse Sämi Giger, auch als Vollprofi Sport zu treiben? Er winkt ab: «Das Schwingen macht mir so viel Spass, ich mache es nicht wegen des Geldes. Vollprofi ist bei mir aktuell noch kein Thema. Mir gefällt mein jetziger Alltag», sagt Lüscher, fügt aber an, dass er eine Kursänderung diesbezüglich nicht prinzipiell ausschliesst: «Vielleicht kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem ich sage: ‹Jetzt setze ich voll auf den Sport.›» (schweizheute.ch)
