«Ein Schlag ins Gesicht»: Lazio blamiert sich im Pokal gegen Mantova
Was nach einem Neuanfang aussah, endet – zumindest vorerst – in einem Debakel: In der ersten Runde der Coppa Italia scheitert Gennaro Gattuso mit Lazio 0:2 am Zweitligisten FC Mantova. Die Niederlage kam für viele völlig überraschend, schliesslich hatte man mit dem Weltmeister von 2006 als Trainer ein anderes Resultat erwartet. Auch in der Serie A sind die Erwartungen an Lazio hoch, nachdem der enttäuschende neunte Tabellenplatz der vergangenen Saison für Unmut gesorgt hatte.
Francesco Ruocco brachte die Gäste in der 75. Minute in Führung, der eingewechselte Ismael Cajazzo erhöhte tief in der Nachspielzeit (90.+6) auf 2:0. Lazio ist damit der bislang einzige Serie-A-Klub, der in der noch laufenden ersten Runde des Coppa-Wettbewerbs bereits ausgeschieden ist.
🚨🇮🇹 DEU RUIM PRA LAZIO!
— SportyNet (@SportyNetBrasil) August 16, 2026
O Mantova CALOU a torcida e abriu o placar aos 75 minutos! Francesco Ruocco marcou o gol que, neste momento, vai ELIMINANDO A LAZIO DA COPA DA ITÁLIA! 😳🔥
E tem contexto pesado: esse é o primeiro jogo de Gennaro Gattuso no comando da Lazio, depois de… pic.twitter.com/OVNZRNmYKt
Enorme Schwächen im Angriff
Natürlich lässt sich eine solche Niederlage nicht allein dem Trainer anlasten – doch die Ausgangslage bei Lazio war schon vor dem Spiel angespannt. Insbesondere die Stürmersituation wird von Fans und Medien intensiv hinterfragt, die Schwächen im Angriff sind offensichtlich: Gerade einmal drei Torschüsse brachte die Mannschaft gegen den Zweitligisten zustande.
Gattuso selbst versuchte nach der Partie, den Fokus nach vorne zu richten: «Es gibt viele Aspekte, die wir verbessern müssen. Wir machen weiter.» Zum Thema Transfers wollte er nicht in Ausreden flüchten: «Wir dürfen jetzt keine Alibis suchen. Es ist zu einfach, heute Abend über den Markt zu sprechen. Das ist nicht der richtige Moment. Wir werden sehen, was wir in den kommenden Tagen noch bewirken können.»
«Ein Schlag ins Gesicht»
Deutlicher wurde der Trainer, als es um die Einordnung der Niederlage selbst ging: «Das ist eine Klatsche – jetzt heisst es: Mund halten und weiterarbeiten», so Gattuso. Die Verantwortung wollte er dabei klar bei sich selbst suchen: «Ich stelle mich dem, weil es richtig so ist. Ich übernehme die Verantwortung für diese Niederlage. Wir wussten, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Es tut weh, man muss sich entschuldigen.» Besonders bitter: Erst vor drei Monaten habe das Team im selben Stadion noch ein Finalspiel bestritten. «Wir sind gegen eine Mannschaft aus der Serie B ausgeschieden. Die Jungs geben alles – das reicht nicht.»
Coppa Italia Round Of 64 - Lazio 0-2 Mantova pic.twitter.com/VOXnYC1rNa
— AzzurriXtra🇮🇹 (@XtraAzzurri) August 16, 2026
Als Erklärung verwies Gattuso auf den laufenden Umbau der Mannschaft: Im Gegensatz zum Vorjahr, als mit seinem Vorgänger ein «Meister des 4-3-3-Systems» in Reihen gespielt habe, wolle man in dieser Saison etwas anderes aufziehen. Nach erst vierzig gemeinsamen Trainingstagen reiche die Zeit aber noch nicht aus, um die neuen Konzepte zu verinnerlichen. «Wir müssen diese bittere Pille schlucken. Ein Schlag ins Gesicht – den haben wir gespürt. Draussen sind die Leute nicht zufrieden, wir hoffen, auch diese Dynamik noch zu ändern.»
Ohnehin kein einfacher Einstand
Für Gattuso ist es kein einfacher Einstand – insbesondere weil ihm in Italien nicht nur Wohlwollen entgegenschlägt. Bei seiner letzten Trainerstation als Nationaltrainer Italiens hatte er sich nicht für die in den USA, Kanada und Mexiko ausgerichtete Weltmeisterschaft qualifizieren können.
Auch seine jüngeren Klub-Stationen im Ausland verliefen eher durchwachsen: Vom Sommer 2024 bis Ende Mai 2025 war Gattuso bei Hajduk Split tätig und beendete die Saison mit 20 Siegen, 14 Unentschieden und 9 Niederlagen auf dem 3. Platz. Zuvor betreute er von Ende September 2023 bis Februar 2024 Olympique Marseille und schloss die Zeit dort mit 9 Siegen, 8 Unentschieden und 7 Niederlagen auf Rang 8 ab.
Ob der Coppa-Italia-Fehlstart ein Ausrutscher bleibt oder sich als Vorzeichen für eine schwierige Saison entpuppt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Sein Vertrag läuft mit Lazio Rom voraussichtlich bis zum 30. Juni 2028. (car)
