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EM Birmingham ein Erfolg – darum ist die Schweizer Leichtathletik so gut

Gold medalist Audrey Werro of Switzerland celebrates with Swiss fans after the women's 800 meters final at the European Athletics Championships, in the Alexander Stadium, Birmingham, United Kingd ...
800-Meter-Königin Audrey Werro lässt sich von den Schweizer Fans feiern. Bild: keystone

Dank dieser einzigartigen Stärken erobert die Schweizer Leichtathletik Europa

Das Fördersystem bei Swiss Athletics ist in der Schweiz einmalig. Der Erfolg zwingt den Verband, es laufend zu optimieren. Und das kostet Geld.
17.08.2026, 07:0617.08.2026, 07:06
Rainer Sommerhalder
Rainer Sommerhalder

Zwei EM-Medaillen weniger als vor zwei Jahren in Rom. Ein Rückschlag? Von wegen.

Die Schweizer Leichtathletik surfte auch in Birmingham auf der Erfolgswelle. Es gab historische Meilensteine, Rekorde und imposante Bestmarken. Sowie die Erkenntnis, dass man dank der immer breiter werdenden Spitze inzwischen selbst fünf vierte Plätze verkraftet.

Neben sieben Podestplätzen holte die Schweiz 20 Platzierungen in den Top 8. Das ist ein qualitativer Rekord. Die 67 für die EM qualifizierten Athletinnen und Athleten sind ein quantitativer Bestwert. Der Vergleich zu den neun Medaillen an der EM in Rom hinkt auch deshalb, weil der Event 2024 für viele europäische Topsportler nur ein Zwischenhalt auf dem Weg zum grossen Ziel Olympische Spiele darstellte. Birmingham hingegen war heuer das Saison-Highlight der Leichtathletik.

Leichtathletik-EM 2026 in Birmingham: Der Medaillenspiegel am Ende, Montag 17. August
Die Top-10 des Medaillenspiegels nach Ende der EM.Bild: european-athletics.com

Als sporthistorische Momente bleiben die erste Staffel-Medaille für die Schweizer Leichtathletik, drei Schweizerinnen gleichzeitig in einem EM-Final (800 m) sowie Starts in so vielen verschiedenen Disziplinen wie nie. Erfreulich auch, dass sich die Topleistungen bei den Geschlechtern seit Jahren ziemlich die Waage halten. Und bemerkenswert, dass nach der damals 23-jährigen Ditaji Kambundji als Weltmeisterin 2025 in Tokio mit der 22-jährigen Audrey Werro erneut eine junge Frau für die grössten Schlagzeilen und Emotionen sorgt.

Die Schweizer Leichtathletik ist auf einem Allzeit-Hoch. Ein Satz, den man in jeder Saison aufs Neue hervorkramen darf. Ein Ende ist nicht in Sicht, eine weitere Steigerung möglich. Aber wieso ist das so?

Leichtathletik hat im Schweizer Sport ein einzigartiges Fördermodell wie eine unvergleichliche Trainingslandschaft. Die Kaderathletinnen und Athleten erhalten vom Verband Geld, das sie mehr oder weniger frei für die Förderung ihrer Karriere einsetzen können. Es ist nicht bekannt, dass sich jemand davon Ferien auf den Malediven oder einen Porsche geleistet hat.

Die Sportlerinnen und Sportler sind selbstständig unterwegs. Die allerwenigsten suchen das Glück in Trainingsgruppen im Ausland wie aktuell Timothé Mumenthaler. Das war früher ganz anders. Die Mehrzahl der Talente und viele der Aushängeschilder trainieren nach wie vor in Strukturen der Klubs. Es gibt verteilt über die Schweiz viele kleine Talentschmieden. Audrey Werros Trainingsbasis ist der CA Belfaux nördlich von Freiburg, jene von Simon Ehammer der TV Teufen in Appenzell.

KEYPIX - Timothe Mumenthaler of Switzerland tied for 3rd place celebrates with his bronze medal during the men's 200 meters final at the European Athletics Championships, in the Alexander Stadium ...
Die Schweizer Leichtathletik-Stars wie Timothé Mumenthaler geniessen viele Freiheiten.Bild: keystone

Mit dem Erfolg steigen die Ansprüche an eine professionelle Betreuung. Weil in der Schweizer Leichtathletik die meisten Trainerinnen und Trainer mehr oder weniger ehrenamtlich arbeiten, ist ein Graben zwischen Professionalisierung von Athleten und Verfügbarkeit von Coaches entstanden. Der Verband hat reagiert. Er investiert in regionale Leistungszentren und «befördert» erfolgreiche Betreuerinnen und Betreuer seiner sportlichen Aushängeschilder mit Teilzeit-Anstellungen zu Verbandstrainern.

Der nächste Schritt ist nun die Vernetzung dieses einzigartigen Mosaiks von Talentschmieden. Ditaji Kambundji pendelt inzwischen im Training zwischen Spezialisten in Bern und Basel. Schwester Mujinga reist für Einheiten öfter nach Zürich zum Nationaltrainer Sprint. Die Gefahr eines solch heterogenen Systems ist, dass jede Zelle selbst zu wissen meint, wie der Hase läuft. Eine Verflechtung von Know-how und die Bereitschaft, Wissen zu teilen, sollen das System noch mehr stärken. We are Family!

Das Modell der Leichtathletik funktioniert hervorragend. Es ist der erfolgreichste Sommersport der Schweiz. Doch jeder Optimierungsschritt kostet Geld. Die Vereine haben im letzten Jahr einer massiven Erhöhung der Verbandsbeiträge zugestimmt. Das deckt die Lücke der Gegenwart und nicht die Bedürfnisse der Zukunft. Eine Diskussion muss bei Swiss Athletics noch geführt werden. Wer zahlt was an die Kosten des Erfolgs: Verband, Vereine, Sponsoren, Gönner und Athleten? Denn eine Erkenntnis bringt die EM in Birmingham definitiv: Es ist noch mehr möglich. Aber Erfolg gibt es nicht umsonst. (schweizheute.ch)

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