«Ein Schlag ins Gesicht»: Nackte Sydney Sweeney sorgt bei Sportlerinnen für Aufruhr
Schauspielerin Sydney Sweeney sorgt immer wieder für Kontroversen: sei es mit einer umstrittenen Jeanswerbung, dem Aufhängen von BHs am Hollywood-Schriftzug oder ihrer Beziehung zum ebenfalls kontrovers diskutierten Produzenten Scooter Braun. Nun sorgt die 29-Jährige erneut für Aufsehen – und wieder steht eine Werbung im Mittelpunkt.
Diesmal wirbt Sweeney für die Sport-Trading-App Novig. Die Firma, bei der Sweeney strategische Partnerin und Mitbesitzerin ist, ermöglicht es Nutzern, auf die Entwicklung von Sportergebnissen zu setzen beziehungsweise entsprechende Prognosen abzugeben.
In der betreffenden Werbung stellt Sweeney mehrheitlich als Nackedei verschiedene Sportarten vor. Das Nötigste bedecken dabei Sportbälle oder Tennisschläger. Damit soll laut Sweeney mit einer spielerischen Idee die Aufmerksamkeit auf Sport gelenkt werden.
Sportlerinnen sind empört
Gut kommt das nicht bei allen an. Vor allem Frauen aus der Sportbranche kritisieren die Nacktwerbung. Dabei richtet sich ihre Kritik weniger gegen Sydney Sweeney selbst als vielmehr gegen das Frauenbild, das die Kampagne ihrer Ansicht nach vermittelt.
Die australische Schwimm-Olympiasiegerin Ariarne Titmus veröffentlichte einen langen Kommentar, in dem sie erklärte, warum sich die umstrittene Anzeige wie ein Tritt ins Gesicht anfühlte: «Ich kann nicht beschreiben, wie wütend ich mich fühle, wenn ich das sehe», schreibt sie. So etwas sei ein «Schlag ins Gesicht» für weibliche Sportlerinnen, welche die wahren Werte des Sports repräsentieren würden – also Teamwork, Freundschaft oder Leidenschaft. Eine solche Sexualisierung dürfe nicht normalisiert werden. «Ich dachte, wir hätten solchen Bullshit mittlerweile hinter uns gelassen», so Titmus.
Marissa Womack, die für das Minor-League-Baseballteam Harrisburg Senators arbeitet, hält auf TikTok nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg. Frauen müssten in einer von Männern dominierten Welt des Sports sich sowieso ständig aufs Neue beweisen. Wenn nun auch dort Frauen sexualisiert gezeigt würden, verstärke dies bloss die gängigen Vorurteile.
Die frühere US-Turnerin Gracie Kramer stiess mit einem Post einen Trend an. In mehreren Ausschnitten aus ihrer Sportkarriere zeigte sie, «wie eine Frau beim Sport wirklich aussieht».
Auch Tilly Kearns, Olympiamedaillengewinnerin im Wasserball, teilte auf Instagram ein Video mit Höhepunkten ihrer eigenen Sportkarriere, überlappt mit dem Text «Ich hasse Sydney Sweeneys neue Sportanzeige». Weiter schrieb sie: «Hier sind einige echte Frauensportinhalte».
Weitere Sportlerinnen, die mit ähnlichen Posts nachzogen, sind die australische Profiboxerin Skye Nicolson, Olympia-Sprinterin Bree Masters und die australische Schwimmerin Lani Pallister.
So reagiert das Netz
Auch unter Sweeneys Instagram-Posts und in den Kommentarspalten der Gegenreaktionen geht die Diskussion heiss her. Neben positiven Kommentaren mit «Heiss» oder Flammenemojis schreibt jemand auf auf TikTok:
Ein anderer Kommentar mit über 100'000 Likes lautet: «Als ehemalige Athletin und Frau, die persönlich sexuelle Kommentare erlebt hat, bin ich wirklich angewidert und tief enttäuscht von dieser Kampagne. Wir haben jahrelang gekämpft, um für unser Talent, unsere Stärke und unsere Erfolge gesehen und respektiert zu werden – nicht um auf unsere Körper beschränkt zu werden …»
Andere kritisieren die sexualisierte Kampagne, da auch junge Personen und Kinder die Bilder sehen könnten und ihnen ein falsches Bild vermittelt werden könne. «Ich konnte es nicht glauben, als diese Werbung im Fernsehen lief. Ich hatte meine zwei Kinder im Wohnzimmer, ich musste sie anschreien, sie sollen vom Fernseher wegschauen. Ich verstehe nicht, WARUM sie eine solche [vulgäre] Anzeige erstellen müssen», kommentiert eine Nutzerin.
Andere werfen Instagram Doppelmoral vor, denn wo schon bei Otto Normalverbraucher ein Bikinibild auf Instagram gesperrt wird, können die professionellen Nacktbilder millionenfach geteilt und angesehen werden. Und auch die Botschaft mit dem Slogan «Just Sports» soll in der Kampagne eher weniger gut ankommen, da Sportutensilien als blosse Accessoires hinhalten, heisst es in den Kommentaren.
(kek)
