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Baseline-Projekt: ATP lanciert Grundeinkommen

Serbia's Novak Djokovic reacts after winning the men's singles final match of the French Open tennis tournament against Norway's Casper Ruud in three sets, 7-6, (7-1), 6-3, 7-5, at the  ...
Novak Djokovic wird angesichts des gewonnenen Preisgeldes wohl nicht von Baseline profitieren – trotzdem gilt er als Befürworter und Antreiber der Initiative. Bild: keystone

ATP lanciert Grundeinkommen – ein «Gamechanger» im Tennis

Die ATP revolutioniert mit der Ankündigung der Baseline-Initiative den Tennissport. Das Programm soll Spielern eine grössere finanzielle Sicherheit bieten.
23.08.2023, 11:14
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Der Sieger des bevorstehenden US-Open kassiert ein Preisgeld von drei Millionen Dollar, Erstrundenteilnehmer erhalten noch 81'500 Dollar. Das hört sich nach viel an, mit dem gewonnenen Preisgeld finanzieren Spieler aber auch ihre Reisen, Coaches, Physiotherapeuten und sonstigen Mitarbeitenden. Spielt man als Tennisprofi nicht ganz vorne mit und gewinnt selten bis gar nie ein Turnier, fehlt oftmals ein finanzielles Sicherheitsnetz.

Mit der Lancierung des Projekts «Baseline» will die ATP den 250 besten Tennisspielern nun eine finanzielle Sicherheit bieten. Die Initiative wurde diese Woche vorgestellt und soll ab der Saison 2024 in eine dreijährige Testphase gehen. Baseline setzt sich aus folgenden Grundpfeilern zusammen:

Garantiertes Mindesteinkommen

Der erste Pfeiler des ATP-Baseline-Programms sieht eine Art Grundeinkommen für Spieler vor, die in der Weltrangliste innerhalb der besten 250 liegen. Die Höhe des Grundeinkommens ist abhängig vom Ranking:

  • 300'000 Dollar (Top 100)
  • 150'000 Dollar (101-175)
  • 75'000 Dollar (176-250)

Erreicht ein Spieler durch Preisgeldeinnahmen im Verlaufe der Saison weniger als den festgelegten Betrag, springt die ATP ein und übernimmt den Fehlbetrag.

Dieses Grundeinkommen soll den Tennisspielern eine grössere Planungssicherheit bieten – auch was die engagierten Mitarbeitenden betrifft –, damit sie sich voll und ganz auf ihr Spiel konzentrieren können.

Verletzungsschutz

Spieler, die während einer Saison verletzungsbedingt weniger als neun ATP- und Challenger-Tour-Spiele können, erhalten eine Entschädigung, die ebenfalls von der ATP-Platzierung abhängt:

  • 200'000 Dollar (Top 100)
  • 100'000 Dollar (101-175)
  • 50'000 Dollar (176-250)
Stan Wawrinka of Switzerland in action against Roberto Carballes Baena of Spain at the Swiss Open tennis tournament in Gstaad, Switzerland, on Tuesday, July 18, 2023. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Stan Wawrinka zog sich im März 2021 eine schwere Verletzung zu und stand lange nicht auf dem Platz.Bild: keystone

Starthilfe für Newcomer

Um aufstrebende Spieler zu unterstützen, sieht das Baseline-Programm einen Zustupf von 200'000 Dollar für Spieler vor, die zum ersten Mal in die Top-125 des ATP-Rankings vorstossen. Diese Summe wird im Voraus für die folgende Saison ausgezahlt und mit allfälligen Preisgeldeinnahmen verrechnet.

Grundeinkommen als Gamechanger

Grigor Dimitrov, Mitglied des ATP-Spielerrats, sieht im Grundeinkommen für Tennisspieler einen «Gamechanger». Gegenüber ATP gab der Bulgare zu Protokoll, dass das Grundeinkommen und der Verletzungsschutz Tennisspielern mehr Sicherheit biete, sodass sie sich auf ihre Karriere konzentrieren könnten.

Der Vorsitzende der ATP, Andrea Gaudenzi, bezeichnet die Initiative als «grundlegenden Wandel in der Art und Weise, wie der Tennissport die Finanzen der Spieler angeht.» Sie stehe für das Engagement der ATP zugunsten der Spieler und ihren Karrieren: «Wir fördern ein Umfeld, in dem sie sich entfalten und den Sport voranbringen können.»

Novak Djokovics Fangemeinde sieht den Serben als treibende Kraft hinter dem Grundeinkommen. So habe die von ihm mitbegründete Professional Tennis Players Association (PTPA) einen grossen Anteil an der lancierten ATP-Initiative. Vasek Pospisil, Mitbegründer der PTPA, meinte zu Baseline und der Rolle, welche die PTPA in der Lancierung des Projekts spielte: «Auch wenn das Risiko für die ATP nahezu gleich Null ist, ist es gut zu sehen, dass die PTPA schon so früh eine positive Wirkung hat.»

Die ATP geht davon aus, dass 2024 zwischen 30 und 45 Spieler Anspruch auf eine Entschädigung geltend machen können. Die Vereinigung der Tennisspielerinnen (WTA), das Pendant zur ATP, hat bisher noch kein ähnliches Programm Pipeline. (kat)

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17 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Marsupilami123
23.08.2023 11:37registriert Juni 2016
Gute Initiative! Grundeinkommen ist für eine kleine Anzahl an Personen (hier 250) einfach zu machen. Gerade bei diesem Milliarden-Business.

Und für Tennisspieler ausserhalb der Top150 ist es tatsächlich sehr hart. Hab das mal in einer Reportage gesehen . Da wird für ein Challenger Turnier in Kasachtan ein Hotelzimmer gebucht für eine Nacht, ausgecheckt, ans Spiel gegangen und wenn man weiterkommt wiederum eine Nacht gebucht. Nicht zu vergleichen mit den Wimbledon Spieler, die für einen Monat ein Haus mieten, oder ein ganzes Stockwerk im Hotel geschenkt bekommen.
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Pümpernüssler
23.08.2023 11:41registriert Juli 2018
Sollten nicht eher Spieler hinter Platz 250 finanziell unterstützt werden?
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