Die umstrittenen «Wearables» am Roland-Garros-Turnier
Der Begriff «Wearables» bezeichnet eine Reihe von Geräten, die am Körper getragen werden und es ermöglichen, bestimmte biometrische Daten in Echtzeit zu erfassen: Etwa die Herzfrequenz, die Körpertemperatur – oder auch um die Bewegungen eines Spielers auf dem Platz nachzuverfolgen.
Der Internationale Tennisverband (ITF) hat rund 40 Produkte aufgelistet, die für den Einsatz im Wettkampf getestet und zugelassen wurden. Darunter befinden sich unter anderem Uhren, mit Sensoren ausgestattete Schläger oder GPS-Tools.
Das letzte Wort haben jedoch die Organisatoren der jeweiligen Turniere. Sie entscheiden, ob diese Geräte im Match erlaubt oder verboten sind. Während die WTA bereits 2021 bestimmten «Wearables» grünes Licht gab und die ATP 2024 nachzog, war deren Einsatz bei Grand-Slam-Turnieren bislang im Wettkampf untersagt.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Was wird sich ändern?
Mitte April kündigte der Französische Tennisverband (FFT) an, dass bei den French Open 2026 sämtliche von der ITF zugelassenen vernetzten Geräte testweise auch während der Matches erlaubt sein werden. Der Versuch wird anschliessend in Wimbledon (29. Juni bis 12. Juli) und an den US Open (30. August bis 13. September) fortgesetzt. Deren Organisatoren haben kürzlich einen Sponsoringvertrag mit Oura unterzeichnet, dem Hersteller eines Rings, der zu den von der ITF zugelassenen «Wearables» gehört.
Beim letzten Australian Open im Januar mussten mehrere Stars wie Aryna Sabalenka, Jannik Sinner oder Carlos Alcaraz ihre am Handgelenk getragenen Whoop-Uhren abnehmen, da sie in Melbourne damals verboten waren.
«Wir dürfen sie das ganze Jahr über bei WTA-Turnieren tragen. Es war deshalb nicht besonders logisch, sie bei Grand-Slam-Turnieren zu verbieten», meint die Französin Diane Parry, obwohl sie selbst «kein Fan» der Uhren der amerikanischen Marke ist.
Welche Auswirkungen hat das auf die Leistung?
Die Amerikanerin Emma Navarro, die selbst eine Whoop trägt, «glaubt nicht», dass solche Geräte «über Sieg oder Niederlage» in einem Match entscheiden werden. «Aber sie sind ein interessantes Werkzeug für die Regeneration und die Überwachung des Schlafs, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist», sagte die ehemalige Weltranglisten-Achte und US-Open-Halbfinalistin von 2024 der Nachrichtenagentur AFP.
Tanguy Crestel, Athletiktrainer des Franzosen Arthur Rinderknech, erklärt, dass eine Uhr wie die Whoop in erster Linie dazu dient, «den allgemeinen Fitnesszustand» eines Spielers zu überwachen, aber auch als Warnsignal fungieren kann. So könne etwa eine erhöhte Ruheherzfrequenz darauf hinweisen, dass sich der Spieler «möglicherweise schlechter erholt oder dass im Körper etwas vor sich geht, gegen das er vielleicht gerade ankämpft» – etwa ein Virus oder eine Infektion, erläutert er.
Gibt es Risiken?
Die unter weniger stabilen Bedingungen als im Labor erhobenen Daten der «Wearables» müssten jedoch mit Vorsicht interpretiert werden, warnt der Forscher Antonio Morales. Andernfalls könnten sie für die Spieler «zu einer Stressquelle werden», erklärt der Physiologe am französischen Institut national du sport, de l’expertise et de la performance (Insep).
«Man kann sich schnell zu viele Gedanken über Schlaf und Erholung machen», bestätigt Diane Parry. «Es gibt viele Momente, in denen man sich nicht zu 100 Prozent erholt. Und trotzdem muss man auf dem Platz 100 Prozent geben können …», betont die Französin, die inzwischen darauf verzichtet hat, ihre Smartwatch zu benutzen.
Die Gewinnerin der Australian Open 2025, Madison Keys, hat ebenfalls damit aufgehört, nachdem sie nach eigenen Worten «etwas zu besessen» von den Daten geworden war. «Oft bin ich nachts aufgewacht und habe auf mein Handy geschaut, um zu sehen, wie ich geschlafen habe, anstatt einfach aufzuwachen und mich zu fragen, wie ich mich fühle», erzählt die Amerikanerin gegenüber AFP.
«Daten oder technische Hilfsmittel ersetzen den Menschen nicht», betont Jean Slawinski, Biomechanik-Forscher am Insep. Wenn «Wearables» erlaubt würden, brauche es auch «eine Begleitung» durch «Menschen, die im Umgang mit diesen Daten geschult sind», fährt er fort. «Ein Spieler, der einfach seine Uhr trägt und sich selbst steuert, ist sicher nicht der richtige Ansatz» – zumal der Tennissport bei der Nutzung von Daten weniger weit fortgeschritten sei als andere Sportarten, so das Fazit des Forschers.
