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Switzerland's Davis Cup team captain Severin Luethi, right, and his team player Jerome Kym, left, look on during a training session in the Swiss Tennis Arena in Biel, Switzerland, on Thursday, January 31, 2019. Switzerland will be face Russia in the tennis Davis Cup qualification final round. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Wohin führt sein Weg? Jérôme Kym mit Federer-Trainer Severin Lüthi. Bild: KEYSTONE

Jérôme Kym steht am Scheideweg: Roger Federers Trainer Severin Lüthi spricht Klartext

Lange ging die Karriere des Aargauer Tennis-Talents Jérôme Kym nur steil nach oben. Doch nun ist der Aufstieg des 17-Jährigen ins Stocken geraten. Kym steht plötzlich im Schatten anderer. Severin Lüthi sagt, wo die Probleme liegen.

simon häring, silvan hartmann / ch media



Fast zwei Meter gross ist Jérôme Kym aus Möhlin, schon als Junior hämmerte er die Aufschläge regelmässig mit 220 Kilometern in der Stunde ins gegnerische Feld. So imposant die Erscheinung, so kometenhaft ist auch der Aufstieg des jungen Aargauers. Mit der U14 wurde er Teamweltmeister und im Alter von nur 15 Jahren löste er Heinz Günthardt als jüngsten Schweizer Spieler in der Davis-Cup-Geschichte ab.

Die Meinungen waren gemacht: Jérôme Kym war auserkoren, in die Fussstapfen von Roger Federer und Stan Wawrinka zu treten, wenn die beiden erfolgreichsten Schweizer Tennisspieler in einer nicht mehr allzu fernen Zukunft zurücktreten.

«Jérôme hat Potenzial, aber viele Baustellen in seinem Spiel. Er muss zeigen, dass er die Leidenschaft hat, diesen Weg weiterzugehen.»

Severin Lüthi, Davis-Cup-Captain und Trainer von Roger Federer

Doch mit den Erfolgen stieg auch die Erwartungshaltung. Von März bis August 2019 schaffte es Kym im Einzel nur einmal über die Viertelfinals hinaus. «Diese Phase war wirklich sehr schwierig für mich. Ich musste mich im Sommer ein paar Monate zurückziehen, damit ich mich wieder aufs Training und aufs Tennisspielen konzentrieren konnte», sagte er Anfang Jahr.

Coronakrise und Formbaisse

Dann bremste ihn erst die Coronakrise aus, nun kämpft Kym mit einer Formbaisse, gewann nur vier seiner acht Spiele seit Mitte Juni. Beim Swiss Tennis Pro Cup verlor er in der Qualifikation gegen Dominic Stricker, wie eine Woche zuvor bei den U18-Schweizer-Meisterschaften.

Leandro Riedi, Jérôme Kym und Dominic Stricker folgen dem Beispiel von Roger Federer.

Riedi, Kym und Stricker folgen dem Beispiel von Roger Federer. Bild: Instagram/Dominic Stricker

Inzwischen steht der 1,95 Meter grosse Jérôme Kym im Schatten anderer Schweizer Junioren: Der Berner Stricker führt das Quartett als Nummer zehn der Junioren-Weltrangliste an, vor den beiden Zürchern Leandro Riedi (Nr. 11) und Jeffrey von der Schulenburg (Nr. 14).

Kym belegt Rang 24, ist aber ein Jahr jünger. Dennoch spricht der Schweizer Davis-Cup-Captain Severin Lüthi Klartext. «Im Moment, und das ist schon seit längerer Zeit so, ist er in diesem Quartett am Schluss der Gruppe.» Die Weltrangliste lügt nicht. «Jérôme hat Potenzial, aber viele Baustellen in seinem Spiel. Er muss zeigen, dass er die Leidenschaft hat, diesen Weg weiterzugehen.»

Es gelte, nicht nur Schwachstellen auszumerzen, sondern auch darum, an den Stärken zu arbeiten. Vorderhand sei das der Aufschlag, sagt Lüthi. «Und es sollte auch die Vorhand sein, was aber bisher nicht der Fall ist.» Zudem dürfe Kym auch die Basis nicht vernachlässigen.

Sportliches Umfeld noch nicht definiert

«Das bedeutet, dass er physisch stärker werden muss», sagt Lüthi unmissverständlich. Dazu kommt, dass Kym noch auf der Suche ist, wie er sein persönliches und sportliches Umfeld gestalten möchte. Anders als Riedi, der mit dem ehemaligen Doppel-Spezialisten Yves Allegro zusammenarbeitet, und Stricker, der von Sven Swinnen betreut wird, sucht Kym noch nach einer Lösung.

«Es ist zweifellos so, dass Jérôme zuletzt nicht mehr die Fortschritte erzielt hat, die er gerne hätte,»

Urs Walter, Trainer Jérôme Kym

Seit vier Wochen trainiert er mehrheitlich unter Urs Walter in Winterthur, der von 2016 bis 2018 die Schweizer Nachwuchshoffnungen bei Swiss Tennis trainierte.

Auf Anfrage unterschreibt Urs Walter die Worte von Federer-Coach Lüthi. Er sagt: «Das ist die Realität.» Walter will dennoch nicht von einer Stagnation reden, «aber es ist zweifellos so, dass Jérôme zuletzt nicht mehr die Fortschritte erzielt hat, die er gerne hätte». Das habe an Kyms Selbstvertrauen genagt, worauf viele Unsicherheiten entstanden seien.

Weshalb es dazu kam, könne Walter nicht beurteilen. «Es wäre falsch, Schuldige zu suchen. Es geht nun darum, das Setup zu finden, damit Jérôme wieder sein Potenzial ausschöpfen kann.» Der Weg zum Spitzensportler sei in vielerlei Hinsichten steinig, gibt Walter zu bedenken. «Ich bin aber zuversichtlich, dass Jérôme wieder in die Erfolgsspur findet.»

Jerome Kym reagiert waehrend des Qualifiakationsspiels der Herren Dominic Stricker gegen Jerome Kym am Tennis Securitas Pro Cup, am Freitag, 24. Juli 2020, in der Swiss Tennis Arena in Biel. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Jérôme Kyms Aufstieg zum Tennisprofi geriet zuletzt ins Stocken. Bild: keystone

Jüngst sagte Kym, die Beziehung zu Stricker, Riedi und Von der Schulenburg habe sich verändert. Jeder schaue mehr auf sich, es sei ein gewisser Egoismus aufgekommen. Davis-Cup-Captain Lüthi sagt, er habe sich auch schon gefragt, ob er Kym mit der Nomination vor einem Jahr einen Gefallen getan habe.

«Aber damals hat er gut gespielt und ich hatte das Gefühl, dass Jérôme der Mannschaft helfen kann. Ich wollte ihn sicher nicht verheizen. Ich weiss auch nicht, wie die Welt heute aussehen würde, wenn ich ihn damals nicht aufgeboten hätte», sagt Lüthi.

Keine Finanzielle Sorgen

Er sei der Meinung, dass es Kyms Entwicklung nicht zuträglich wäre, würde er in eine Akademie im Ausland wechseln, wie zum Teil kolportiert wird.

Sicher ist, dass Jérôme Kym seine Karriere ohne finanzielle Sorgen vorantreiben kann. Der Zentralvorstand von Swiss Tennis entsprach dem Antrag der Abteilung Spitzensport, die vier Talente während der nächsten fünf Jahre grosszügig zu alimentieren.

Eine Abnabelung, die vom Schweizer Verband gewollt ist, aber früher kam als geplant. Die Talente hätten den gleichen Traum, doch ihre Bedürfnisse seien verschieden. Diesen kann der Verband nicht mehr nachkommen. Und die durch die Coronapandemie bedingte Pause im letzten Juniorenjahr habe den Prozess zusätzlich beschleunigt.

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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • koalabear 29.07.2020 10:07
    Highlight Highlight Junge Talente, die vor allem körperlich ihren Altersgenossen voraus sind, haben es im Juniorenalter meist etwas einfacher. Doch am Ende der Pubertät sieht das Verhältnis oft anders aus. Fraglich ist auch, welche Auswirkungen es hat, wenn man in sehr jungem Alter als Wunderkind tituliert wird, der Druck wird nicht kleiner. Und als letztes: neben Talent und Trainigseifer braucht es halt einfach auch eine Portion Glück um den Durchbruch zu schaffen.
  • Gubbe 29.07.2020 09:13
    Highlight Highlight «Das bedeutet, dass er physisch stärker werden muss», sagt Lüthi unmissverständlich.
    Auf dem grossen Bild sieht der 17-jährige Kym schon sehr austrainiert aus. Ich finde es nicht schlau, einem Jungen durch zu viel Training die Lust am Spiel zu nehmen. Mit 17 stehen viele noch im Wachstum, da jetzt Muskeln aufzubauen, kann die Flexibilität hemmen. Nur meine Meinung.

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