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Torhueter Pascal Zuberbuehler versteht nach seinem Flop die Welt nicht mehr, beim Fussball WM Qualifikationsspiel Zypern - Schweiz in Nikosia, am MIttwoch, 7. September 2005. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Der Blick ins Leere: Pascal Zuberbühler nach seinem Riesenflop in Nikosia. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

Nati-Goalie Zuberbühler schiebt die Schuld für ein Riesen-Ei dem «Blick» zu

7. September 2005: Schweizer Fussballfans verwerfen kollektiv die Hände. Auf Zypern leistet sich Pascal Zuberbühler in der WM-Qualifikation schon wieder einen unglaublichen Flop – nur vier Tage nach einem Schnitzer gegen Israel.



Zeit seiner Karriere in der Schweizer Nationalmannschaft ist Pascal Zuberbühler höchst umstritten. Das hat einerseits damit zu tun, dass der Thurgauer bei GC und beim FC Basel spielt, den beiden erfolgreichsten, aber auch meist verhassten Klubs des Landes. Andererseits mag man «Zubi» nicht, weil er kein Mann der leisen Töne ist, oft wirkt er arrogant. Und nicht zuletzt ist er umstritten, weil er bei Gegentoren immer wieder eine unglückliche Figur abgibt.

Dabei ist es weniger eine Überheblichkeit, sondern viel eher eine Verbissenheit, welche ihm letztlich auch zur grossen Karriere verholfen hat. Denn Zuberbühler galt nicht als ausserordentliches Talent, seine Erfolge hat er sich erarbeitet.

FC Basels Maezenin Gigi Oeri, die Spieler Pascal Zuberbuehler und Patrick Mueller, von links, freuen sich ueber den gewonnen Titel Schweizermeister 2005 nach dem Super League Spiel am Mittwoch, 11. Mai 2005  zwischen dem FC Basel und dem FC St. Gallen im St. Jakob Park Basel. (KEYSTONE/Markus Stuecklin)

Reizfiguren: Basel-Geldgeberin Gigi Oeri und Goalie Pascal Zuberbühler feiern den Meistertitel 2005. Bild: KEYSTONE

Als er im Herbst 2005 in der WM-Qualifikation im Tor der Schweizer Nati steht, ist Zuberbühler bereits 34-jährig und hat so manchen Sturm überstanden. Doch was in diesen Tagen über ihn hereinbricht, ist in seinen Augen keine sanfte Brise, sondern ein Hurrikan.

Die Chronologie der Ereignisse

Samstag, 3. September

Gegen Israel holt die Schweiz in Basel bloss ein enttäuschendes 1:1. Alex Frei schiesst die Nati früh in Führung, doch nach 20 Minuten fällt der Ausgleich. In der Hauptrolle: Pascal Zuberbühler.

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Der Israeli Keisi steigt zum Kopfball hoch, Zuberbühler ist geschlagen. GIF: SRF

«Ich habe den Ball zu spät gesehen. Hätte ich ihn früher gesehen, hätte ich ihn halten müssen.»

Pascal Zuberbühler Agentur Sportinformation

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Das Tor aus einem anderen Blickwinkel. GIF: SRF

Sonntag, 4. September

Als Zuberbühler die Zeitung aufschlägt, ärgert er sich masslos:

«Fehlgriff – Oh Zubi, warum hast du diesen Ball nicht gehalten?»

«SonntagsBlick»

Im Boulevardblatt ist von einem «Flop» die Rede – ein Wort, das Zuberbühler hasst wie die Pest. Er greift zum Handy, schickt zwei Journalisten des «Blicks» böse SMS. Ein Fehler, denn nun wird der Goalie erst recht zum Thema.

Montag, 5. September

Der Goalietrainer der Nati, Erich Burgener, steht hinter seinem Schützling. Fünfmal habe er die Bilder gesehen und analysiert, sagt der Walliser, und für ihn ist deshalb klar:

«Eine Riesen-Frechheit, dass der ‹SonntagsBlick› von einem Flop geschrieben hat.»

Erich Burgener «Blick»

Dienstag, 6. September

Die Nati befindet sich mittlerweile auf Zypern, morgen findet schon das nächste Qualifikationsspiel für die WM 2006 in Deutschland statt. Pascal Zuberbühler steht seinen Mann, gibt Interviews, nimmt auch Stellung zum Gegentor vom Samstag. Kritik gehöre zum Fussball, sagt «Zubi», jeder dürfe kritisiert werden. Aber dass von einem Flop geschrieben worden sei, das sei daneben.

«Ich finde es nicht in Ordnung, wie mit mir umgegangen wird. Da fehlt jede Fairness.»

Pascal Zuberbühler «Tages-Anzeiger»

Ob die Kritik seine Leistung gegen Zypern vielleicht beeinflusse, wird Zuberbühler gefragt. «Das werden wir ja dann sehen», sagt der Thurgauer, lacht, und ergänzt: «Nein, im Ernst, ich denke nicht.»

Pascal Zuberbühler

51 Länderspiele
6x Schweizer Meister
3x Cupsieger.

Hütete zwischen 1991 und 1999 das Tor der Zürcher Grasshoppers, anschliessend bis 2006 dasjenige des FC Basel. Liess seine Karriere bei Fulham als Ersatzgoalie in der Premier League ausklingen.

Mittwoch, 7. September

Der «Blick» legt am Matchtag nochmals ein Scheit ins loderne Feuer. Er druckt vier Fotos, auf denen Pascal Zuberbühler die Augen geschlossen hat:

«Bei vielen Aktionen hat Zubi die Augen zu.»

«Blick»

Einem Leser war aufgefallen, dass der Goalie sie schliesse, wenn er zum Ball gehe. «Und siehe da, die Behauptung hat sich erhärtet», schreibt die Zeitung, nachdem sie ihr Bildarchiv durchforstet hat. «Es ist ganz einfach, solche Fotos zu finden.» Bei Oliver Kahn sei es ungleich schwieriger, auf solche Bilder zu stossen.

In einem Kommentar reicht der Sportchef der Zeitung dem Goalie dennoch die Hand. Er schliesst seinen Text mit den Worten:

«Unsere Lieblings-Schlagzeile für die morgige Ausgabe: ‹Zubi – der Held von Nikosia.›»

«Blick»

Die Schlagzeile wird nie gedruckt werden. Denn auf Zypern leistet sich der Natigoalie einen richtig groben Aussetzer. Aus 70 Metern kommt ein weiter Ball eines Zyprioten auf ihn zugeflogen, Zubi schätzt die Situation falsch ein, der Aussenseiter gleicht die Partie aus:

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Zubis Flop auf Zypern. GIF: SRF

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Das Gegentor in der Nahaufnahme … GIF: SRF

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… und mit der Hintertorkamera gefilmt. GIF: SRF

Immerhin gewinnt die Schweiz trotz des zwischenzeitlichen Ausgleichs noch mit 3:1. Philippe Senderos und Daniel Gygax sorgen mit ihren Toren dafür, dass die Nati auf WM-Kurs bleibt und dafür, dass Zuberbühlers Schnitzer letztlich keine Konsequenzen hat.

Nach dem Spiel dreht der Goalie in den Katakomben auf. Im Live-Interview mit dem Schweizer Fernsehen echauffiert er sich über die Berichterstattung des «Blicks», spricht von einer «Riesenfrechheit». Das gehe auch an ihm nicht spurlos vorbei.

Stephan Lichtsteiner, links, troestet Torhueter Pascal Zuberbuehler, nach dem Fussball WM Qualifikationsspiel Zypern - Schweiz in Nikosia, am MIttwoch, 7. September 2005. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Trost vom Teamkollegen: Stephan Lichsteiner bei Pascal Zuberbühler. Bild: KEYSTONE

Donnerstag, 8. September

Seit eh und je bewertet der «Blick» die Leistungen der Nationalspieler mit Schulnoten. Nach dem Auswärtssieg auf Zypern gibt es indes nicht für jeden Spieler eine Zensur:

«Aus Rücksicht auf Zubis angeschlagene Psyche keine Note.»

«Blick»

Zuberbühler verteidigt seine Aktion, nach dem Schlusspfiff offen anzusprechen, was ihn gestört hat. Auf den Einwand, er hätte auch anders, kühler reagieren können, antwortet er:

«Das ist genau unsere Mentalität: Nur nichts sagen, immer schön cool bleiben. Nein, das wollte und konnte ich nicht!»

Pascal Zuberbühler «Neue Luzerner Zeitung»

Er würde denjenigen gerne sehen, der souverän über der Sache stehe, wenn er so unsachlich angegriffen werde wie er in den letzten Tagen, so Zubi weiter. Er sei in den letzten 15 Jahren als Profi schon sehr oft kritisiert worden und wisse schon, wie das sei.

«Aber nach dem Israel-Spiel wurde ein Punkt erreicht, an dem ich sagte: ‹Jetzt muss ich mich wehren.›»

Pascal Zuberbühler «Neue Luzerner Zeitung»

Auf Fragen zu seiner Zukunft im Tor der Nationalmannschaft will der 1,97 m grosse Hüne nicht eingehen. «Das interessiert mich nicht, kein bisschen. Ich tue alles, um im Tor zu bleiben.»

Der Rest der Geschichte

Zuberbühler steht einen Monat später auch beim 1:1 gegen Frankreich in Bern und beim 0:0 in Irland im Kasten. Die Schweiz verpasst die direkte WM-Qualifikation, muss stattdessen in die Barrage gegen die Türkei. Dort gewinnt die Nati das Hinspiel im Wankdorf mit 2:0 und reist wegen der Auswärtstor-Regel trotz einer 2:4-Niederlage in Istanbul nach Deutschland.

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Kult-Spot: Ausgerechnet Pascal Zuberbühler behauptet in der TV-Werbung: «Ich bin doch nicht blöd.» Video: YouTube/phipu86

An der Weltmeisterschaft steht «Zubi» bei allen vier Schweizer Spielen im Tor, er muss kein einziges Mal hinter sich greifen. Im Penaltyschiessen gegen die Ukraine gibt er seinen Kollegen sogar einen Bonus mit auf den Weg, indem er den Elfmeter von Stürmerstar Andrei Shevchenko hält. Streller, Barnetta und Cabanas können diese Steilvorlage nicht ausnutzen. Aber das ist eine andere Geschichte …

Pascal Zuberbuehler, Joerg Stiel, Michel Pont und Trainer Koebi Kuhn, von links, freuen sich ueber die Wahl der Fussballnationalmannschaft zum Team des Jahres, an der Verleihung der Credit Suisse Sports Awards, am Samstag, 16. Dezember 2006 in der Bea Expo in Bern. (KEYSTONE/Photopress/ Peter Schneider)

Freuen sich über die Wahl der Nationalmannschaft zum Schweizer Team des Jahres: Pascal Zuberbühler und Natitrainer Köbi Kuhn. In der Mitte umarmt Co-Trainer Michel Pont den Ex-Natigoalie Jörg Stiel. Bild: PHOTOPRESS

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.

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2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • RichiZueri 07.09.2020 10:19
    Highlight Highlight Zubi war ein guter Torwart, aber seine Flops halt jeweils Stoff für einen Jahresrückblick. Ich denke den schlechten Ruf hat er eher seiner Arroganz zu verdanken. Je (vor)lauter du über dich selbst sprichst, umso mehr wird auf deine Leistung geschaut.
  • Stefan Morgenthaler-Müller 07.09.2020 07:29
    Highlight Highlight Als Köbi Kuhn noch Trainer war, war das eine ganz andere Nati. Selbstverständlich ist Zuberbühler nicht schuld, sondern der Blick. Der Blick ist eine von Torhütern imaginierte durchsichtige Gestalt, die einen Ball an sich nehmen und wie von Zauberhand in eine andere Richtung lenken kann. Der Torhüter steht in solchen Momenten dann wie der allerletzte Trottel da. Bisher hat die Wissenschaft diesem Phänomen des Blicks zu wenig Beachtung geschenkt. Aber guten Trainern ist dieses Phänomen bekannt und die stellen ihre Torhüter auf solche Situationen ein.

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