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Volkswagen kündigt fast alle Tarifverträge

Volkswagen kündigt fast alle Tarifverträge

30.09.2026, 15:4430.09.2026, 15:44

Im Ringen um schärfere Sparmassnahmen hat der Autobauer Volkswagen einen Grossteil seiner Tarifverträge gekündigt – darunter auch den wichtigen Manteltarifvertrag. Aus Sicht des Unternehmens seien verschiedene Regelungen in diesen Verträgen mit Blick auf den aktuellen Kostendruck anzupassen, teilte VW nach einem Gespräch mit Arbeitnehmervertretern in Hannover mit. Ein Sprecher wollte sich zur genauen Zahl der gekündigten Verträge nicht äussern. Der IG Metall zufolge handelt es sich um zehn.

epa13210064 (FILE) - The logo of the automotive company Volkswagen is illuminated at a building of the VW factory in Wolfsburg, Germany, 29 October 2024 (reissued 03 September 2026). The Volkswagen Gr ...
Volkswagen kündigt beinahe alle Tarifverträge.Bild: keystone

Das wirtschaftliche Umfeld hat sich nach Angaben des Personalvorstands der Marke Volkswagen, Arne Meiswinkel, für die Autoindustrie und damit auch für Volkswagen gravierend verschärft. «Diese Marktveränderungen sind strukturell und tiefgreifend. Unter anderem drängen chinesische Hersteller mit günstigen Exporten nach Europa», teilte Meiswinkel mit. Das erhöhe den Preis- und Wettbewerbsdruck enorm. Die Massnahmen aus dem Zukunftsplan 2030 müssten daher schnell und konsequent umgesetzt werden.

Mit der fristgerechten Kündigung zum 31. Dezember 2026 will das Unternehmen einen Verhandlungsraum öffnen. Der Manteltarifvertrag bündelt zahlreiche grundlegende Regelungen für die mehr als 100'000 Beschäftigten in Deutschland. Insgesamt besteht der VW-Haustarif aus 13 einzelnen Verträgen. Sie regeln unter anderem Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit und Zulagen. Nicht betroffen ist der Zukunftstarifvertrag 2024 und die darin vereinbarte Beschäftigungssicherung bis Ende 2030.

Droht heftige Auseinandersetzung?

Erste Folgen könnten VW-Beschäftigte nach Angaben der Arbeitnehmer von Januar 2027 an spüren. Gewerkschaft und Betriebsrat kündigten Widerstand an. «Das ist ein übles Foul an der Belegschaft und erneut ein schamloser Versuch, in die Geldbeutel der Beschäftigten greifen zu wollen», teilte Niedersachsens IG-Metall-Chef Thorsten Gröger mit. Das werde man nicht hinnehmen. VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo rechnete mit einer «heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel».

Arbeitnehmer zweifeln an früheren Zusagen

Am Mittwoch trafen sich Vertreter von Volkswagen, IG Metall und Betriebsrat zu einem sogenannten Überprüfungsgespräch. Die Arbeitnehmer, die das Gespräch ursprünglich anberaumt hatten, verlangten Klarheit darüber, ob und wie VW die Zusagen aus dem Zukunftstarifvertrag von 2024 einhält. Diese Abmachungen sahen sie angesichts der deutlich verschärften Sparpläne in Gefahr. Das Management wollte im Gegenzug erklären, warum die damals vereinbarten Einsparungen aus seiner Sicht nicht mehr ausreichen.

Der Tarifabschluss 2024 war hart erkämpft worden. Erst nach Warnstreiks und einem einwöchigen Verhandlungsmarathon kurz vor Weihnachten hatte es eine Einigung gegeben. Der Kompromiss sieht den Abbau von 35'000 VW-Jobs in Deutschland bis 2030 vor. Ausserdem wurden Boni und Zulagen gekürzt und Lohnerhöhungen auf Eis gelegt. Europas grösster Autobauer verzichtet im Gegenzug auf betriebsbedingte Kündigungen und Werkschliessungen – und sagte Investitionen und neue Produkte für die deutschen Standorte zu.

Konzern steht vor historischem Umbau

Das Überprüfungsgespräch war das erste offizielle Treffen von Unternehmen und Arbeitnehmervertretern in grösserer Runde seit dem Aufsichtsratsbeschluss Anfang September. Die Aufseher hatten sich angesichts der Probleme in der Branche auf einen «Zukunftsplan» des Vorstands geeinigt, der Volkswagen deutlich profitabler machen soll. Das Management um VW-Chef Oliver Blume hat seitdem ein Mandat, den Konzern umzubauen und Milliarden einzusparen.

Weltweit will der Vorstand in den kommenden Jahren unter anderem 50'000 Stellen streichen – zusätzlich zu bisherigen Abbauplänen im Konzern. Marken und Gesellschaften sind demnach beauftragt, das auszuplanen. Die Hälfte könnte auf deutsche Standorte entfallen. Konkrete Programme müssen aber erst mit den Arbeitnehmern verhandelt werden. Darüber hinaus ist die Zukunft der VW-Werke in Emden, Hannover und Zwickau sowie des Audi-Standorts Neckarsulm über die Jahre 2031 bis 2034 hinaus offen. (hkl/sda/awp/dpa)

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