Wirtschaft
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Ein Mitarbeiter bearbeitet einen wichtigen Auftrag fuer den Eisenbahnsektor der Firma Tenconi, ein in der Metallverarbeitung taetiges Unternehmen, am Dienstag, 15. April 2020, in Airolo. Unter Einhaltung der Hygienemassnahmen und der Social Distancing-Regeln wird der Betrieb in Tessiner Industriebetrieben schrittweise wieder aufgenommen. (KEYSTONE/Ti-Press/Alessandro Crinari)

Die Schweizer Industrie konnte im Lockdown weiter arbeiten, unter Einhaltung von Schutzmassnahmen. Bild: TI-PRESS

Coronakrise trifft die Industrie hart: Es drohen Massenentlassungen

Der Corona-Lockdown und die weltweite Wirtschaftskrise sind ein Schlag für die Schweizer Industrie. Viele Firmen setzen ihre Belegschaft auf Kurzarbeit, doch dabei dürfte es nicht bleiben.



Der Maschinenbauer Mikron baut ab. In Agno im Tessin wird der Personalbestand um 60 Vollzeitstellen reduziert. Dies führe zu 47 Entlassungen und tieferen Arbeitspensen bei 57 Mitarbeitenden, teilte das Bieler Unternehmen am Mittwoch mit. Auch in Deutschland werden Stellen gestrichen. Den Standort Berlin gibt Mikron ganz auf.

Als Grund nennt das Unternehmen den «massiven Nachfrageeinbruch» in der Autoindustrie, der «durch die Covid-19-Pandemie noch verschärft wurde». Damit rückt ein Wirtschaftszweig ins Blickfeld, der in der Krise manchmal übersehen wird: Die Schweizer Industrie war nur im Tessin zeitweise vom Lockdown betroffen, muss sich aber wegen ihrer Exportabhängigkeit auf harte Zeiten einstellen.

ZUR PRODUKTION VON MIKRON MACHINING UND MIKRON TOOL IN AGNO STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- An employee works on a machine at the Mikron Machining production site of the Mikron Group in Agno, Canton of Ticino, Switzerland, on January 24, 2019. The engineering company Mikron Group develops, produces and markets automation solutions as Mikron Automation in Boudry, Canton of Neuchatel, as well as machining systems as Mikron Machining and cutting tools, as Mikron Tool, in Agno, besides various production sites abroad. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Am Standort Agno baut Mikron 60 Stellen ab. Bild: KEYSTONE

Die Aufträge sind bei vielen Firmen eingebrochen, nicht nur den Zulieferern der Autoindustrie. Der Maschinenbau leidet laut NZZ ebenfalls unter der schwachen Nachfrage. Das liege auch an Branchen, die bis vor kurzem boomten, wie Flugzeugbau und Medizinaltechnik. Der Basler Zahnimplantatehersteller Straumann etwa will weltweit 660 Stellen streichen.

6 Prozent der Stellen in Gefahr

Beim Branchenverband Swissmem rechnet man mit Massenentlassungen. Präsident Hans Hess verwies in der NZZ darauf, dass nach der Finanzkrise 2008 über 20'000 Jobs verloren gegangen seien. Nun könnte der Branche in den nächsten Jahren ein vergleichbarer Abbau bevorstehen. Damit sind sechs Prozent aller Stellen in Gefahr.

Anfang März hatte Hess noch erklärt, dass es im Industriesektor nicht zu einem grossen Stellenabbau kommen werde. Die Kurzarbeit werde wohl genügen, um ohne Entlassungen durch die Krise zu kommen. Nun geht Swissmem davon aus, dass die Industrie die Folgen der Pandemie erst im zweiten und dritten Quartal richtig zu spüren bekommt.

Bei den kleinen und mittleren Betrieben hat sich das Geschäftsklima wegen der Coronakrise ebenfalls verschlechtert. Laut dem aktuellen Wirtschaftsbarometer des KMU-Verbands Swissmechanic haben 67 Prozent der Firmen Kurzarbeit und 34 Prozent einen staatlichen Überbrückungskredit beantragt. Entlassungen hätten bereits 16 Prozent ausgesprochen.

epa04698246 A woman wears Apple's new watch during a preview day at the Apple Store in Covent Garden in London, Britain, 10 April 2015. Apple's latest offering went on display on 10 April in stores. Apple started to take pre-orders online for the Apple Watch which will go on sale from 24 April 2015.  EPA/ANDREW COWIE

Die Uhrenindustrie verzeichnet starke Einbrüche und leidet unter der Konkurrenz der Apple Watch. Bild: EPA/EPA

Dabei wird es kaum bleiben, denn die Branche befinde sich «im Würgegriff» der Coronakrise, heisst es im Wirtschaftsbarometer. Zusätzlich litten die KMU darunter, dass ihre Kunden die Rechnungen teilweise verspätet bezahlen, wie Swissmechanic mitteilte. Die Branche hat in den letzten Jahren einige Krisen durchgemacht, etwa nach dem «Frankenschock» 2015.

23 Prozent weniger Uhren exportiert

Schwierig sieht es schliesslich auch für die Uhrenindustrie aus. Die Exporte gingen von Januar bis März um nicht weniger als 23 Prozent zurück, und da war die Krise primär im wichtigen Absatzmarkt Fernost spürbar. Den Jurabogen, wo viele Uhrenfirmen ansässig sind, wird die Krise laut einer UBS-Studie denn auch besonders stark treffen.

Ein weiterer Trend setzt der Uhrenbranche zu: Der Erfolg der Smartwatch. So hat allein die Apple Watch 2019 einen geschätzten Umsatz von 11,7 Milliarden erzielt, deutlich mehr als die Swatch Group. Noch immer aber glaubten viele in der Schweiz, Smartwatches seien keine wirkliche Konkurrenz für mechanische Uhren, kritisiert die «Handelszeitung».

Hoffen auf Aufholeffekte

Das erinnert an frühere Versäumnisse der Uhrenbranche. Überhaupt lebt die Schweizer Industrie derzeit stark vom Prinzip Hoffnung, etwa dass die Pandemie im Sommer nachhaltig unter Kontrolle gebracht wird. In diesem Fall sei 2021 und 2022 «mit überaus starken Aufholeffekten zu rechnen», so das Wirtschaftsbarometer von Swissmechanic.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) hingegen geht davon aus, dass sich die Weltwirtschaft nur schleppend erholen wird. Falls weitere starke Pandemiewellen ausblieben, könne sich 2021 die «langsame Wiederbelebung» der Schweizer Wirtschaft fortsetzen, hiess es in der Ende April veröffentlichen Konjunkturprognose des Seco.

Am Dienstag will Swissmem die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage bei den Verbandsmitgliedern veröffentlichen. Dann will der Verband auch politische Forderungen stellen. Dazu dürfte die von Wirtschaftsminister Guy Parmelin beantragte Aufhebung der Industriezölle gehören, über die das Parlament im Juni beraten wird.

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